Initiative Sozialistisches Forum (Freiburg)
Seit Jahren treffen wir uns jeden Dienstag um 20 Uhr in unseren Büroräumlichkeiten (Günterstalstr. 37, 79102 Freiburg). Wenn wir das Interesse geweckt haben, Kontakt gewünscht ist, schreiben Sie uns bitte eine E-Mail.
jour fixe der Initiative Sozialistisches Forum (Freiburg)
Der jour fixe steht allen offen und findet seit 1983 während dem Semester alle 14 Tage statt. Das gedruckte Folder liegt an allen einschlägig bekannten Orten in Freiburg aus und kann auf Anfrage auch postalisch verschickt werden. In der rechten Spalte finden sich alle für das jour fixe-Programm verfassten Texte sowie das Veranstaltungsprogramm mit den dazugehörigen Vortragsankündigungstexten. Einen Teil der Veranstaltungen haben wir mit einem Tonbandgerät aufgezeichnet und stellen sie hier zur kostenfreien Nutzung zur Verfügung.
Programm Sommer 2026
Mai
Donnerstag, 21.5.2026
Bildung als unerfülltes Versprechen. Zur Kritik der Kritischen Pädagogik
»Daß Halbbildung aller Aufklärung und verbreiteten Information zum Trotz und mit ihrer Hilfe zur herrschenden Form des gegenwärtigen Bewußtseins wird – eben das erheischt weiter ausgreifende Theorie«, schrieb Theodor W. Adorno 1959 zu Beginn seiner Theorie der Halbbildung. Im Vortrag wird dargestellt, wie diese Notwenigkeit von einer ›Kritischen Erziehungswissenschaft/Pädagogik‹ aufgenommen und zugleich verfehlt wurde. Das systematische Festhalten vieler Vertreter dieser Strömung an der Vorstellung von Pädagogik als ›Theorie einer Praxis‹ mit ungebrochen utopisch-emanzipatorischem Potential führt – zum Zeitpunkt ihrer Entstehung wie heute – dazu, dass Halbbildung nicht nur gesellschaftlich unbewusst reproduziert, sondern durch Pädagogik aktiv hervorgebracht wird.
Es spricht Sebastian Gräber (Trier), der im Bereich Erziehungswissenschaften arbeitet. Er ist Mitherausgeber des 2025 erschienen Sammelbands Halbbildung. Kritische Theorie der Pädagogik. Um 19 Uhr im Büro des ça ira-Verlags, Günterstalstr. 37, im Hinterhof im 1. OG.
Juni
Donnerstag, 18.6.2026
Antisemitismus und die Lust am Wahn
Max Horkheimer hält den Antisemitismus »trotz der ungeheuren Bedeutung wirtschaftlicher und sozialer Tendenzen […] für ein im Wesentlichen psychologisches Phänomen« und betont damit dessen zutiefst irrationalen Charakter. Daran anknüpfend argumentiert der Vortrag, dass der Antisemitismus eine zentrale Funktion im psychischen Haushalt von Antisemiten erfüllt, ihnen einen psychischen Gewinn verschafft, auf den sie keinesfalls verzichten wollen und der sie gegen jede Kritik immunisiert. Dieser psychische Gewinn kann auch so beschaffen sein, dass er sich geradezu lustvoll manifestiert.
Die Berichte über die Lust der Angreifer beim Foltern, Verstümmeln und Morden am 7. Oktober 2023 werfen solche Fragen erneut in dringender Weise auf, insbesondere angesichts der massiven sexuellen Gewaltakte, die an diesem Tag begangen wurden. Erleben die Angreifer dabei eine Form sexueller Lust? Und in welchem konkreten Sinne wird die sexuelle Gewalt durch Antisemitismus stimuliert? Unter Rückgriff auf psychoanalytische Überlegungen versucht der Vortrag die Frage der Lust am antisemitischen Wahn zu ergründen.
Es spricht Thorsten Fuchshuber (Brüssel), Autor von Rackets. Kritische Theorie der Bandenherrschaft (ça ira 2019). Jüngste Veröffentlichungen zum Vortragsthema: Der Genuss am Judenhass: Über den Zusammenhang von Antisemitismus und Narzissmus. In: Stephan Grigat (Hg.): Kritik des Antisemitismus in der Gegenwart. Erscheinungsformen – Theorien – Bekämpfung, 2023; Pogrom und eliminatorischer Antisemitismus: Über sexuelle Gewalt, Lust und Aggression am 7. Oktober. In: sans phrase, Heft 24, Sommer 2024; The Role of Sexual Violence on October 7. In: The ISCA Beinner Family Research Series on Antisemitism, März 2025. Um 20 Uhr im Hörsaal 1009 im KGI der Universität Freiburg.
Juli
Donnerstag, 9.7.2026
Antizionismus statt Staatskritik, Antisemitismus statt Kritik der politischen Ökonomie
Von einigen linksradikalen Gruppen abgesehen, die Ende der 60er Jahre Anschläge auf jüdische Einrichtungen verübten, war der Aufruf zum Mord an Juden nach 1945 vornehmlich der extremen Rechten vorbehalten. Diese Zeiten sind vorbei, neuerdings imaginieren gerade Linksradikale mit Parolen wie »Death, Death to the IDF« und »Kill Zios« lustvoll antisemitische Gewaltfantasien. Der Wandel vom Entsetzen über den nationalsozialistischen Vernichtungsantisemitismus hin zum Beklatschen der Massaker des 7. Oktobers und zu Mordfantasien erfolgt mit bestem Gewissen – schließlich wollen die Täterurenkel von heute mit dem Judenmord ihrer Vorfahren nichts zu tun haben. Wie es sein kann, dass sich Gruppen, die sich als staats- und kapitalismuskritisch geben, im antisemitischen Ressentiment beim Volksstaat und mörderischen Antizionismus landen, soll exemplarisch anhand der Schweizer Gruppe Lotta und einigen Freiburger Beispielen gezeigt werden.
Es spricht Torsten Liesegang (Freiburg) vom Bündnis gegen Antisemitismus. Um 19 Uhr im Büro des ça ira-Verlags, Günterstalstr. 37, im Hinterhof im 1. OG.
Fällt aus und wird nachgeholt
Über die intellektuelle Quintessenz der gesellschaftlichen Totalität.
Alfred Sohn-Rethels Entdeckung der »geheimen Identität von Warenform und Denkform«
Bekanntlich vollzieht Karl Marx im Kapital nach, dass der Reichtum gezwungen ist in der »Elementarform« der Ware zu erscheinen. Alfred Sohn-Rethel zeigt, dass Marx damit auch rekonstruiert, dass das Ökonomische, um überhaupt das Ökonomische sein zu können, unmittelbar zugleich auch als das Ideologische, als »Denkform« gegeben sein muss: Keine Warenform ohne Denkform. Hinter diese Einsicht Sohn-Rethels kann es für die Ideologiekritik als Subversion der Denkform, die dem mit dem Kapital erreichten Stand der materialistischen Kritik gerecht werden will, kein Zurück mehr geben. Sohn-Rethel denunziert die notorische Hybris des theoretisierenden Subjekts, das in völliger Verkennung der materiellen Basis der herrschenden Realität in genau den Formen dieser Realität denkt. Darin liegt die Warenförmigkeit des Denkens und das Ideologische der Theorie. Weil die Herrschaftstauglichkeit der – nicht zuletzt marxistischen – Intellektuellen nicht ohne Rückversicherungsvertrag mit der Ideologie zu begründen ist, tun sie alles Mögliche, um sich mit Sohn-Rethels ideologiekritische Entdeckung der »geheimen Identität von Warenform und Denkform« nicht näher befassen zu müssen. So war – wie Sohn-Rethel einst prognostizierte – »die Abdankung des Marxismus als Denkstandpunkt eine bloße Frage der Zeit«. Doch entströmt dem Grundgedanken Sohn-Rethels auch nicht jene reinigende Kraft, die Paulus einst dem Gotteswort zusprach und das der Teufel sprichwörtlich scheut wie die Intellektuellen den Materialismus. Daher soll es um jenen Grundgedanken, seine Bedeutung für die Ideologiekritik und dessen Grenzen gehen.
Es spricht Felix Brandner (Wien/Ligurien), Redakteur der Zeitschrift sans phrase und Herausgeber des Briefwechsels zwischen Alfred Sohn-Rethel und Max Horkheimer, der im Winter 2026 bei ça ira erscheint.
Audiodateien von Vorträgen
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Vergangene Jour Fixe-Programme
- Jour Fixe Sommer 2026
- Jour Fixe Herbst/Winter 2025/26
- Jour Fixe Sommer 2025
- Jour Fixe Herbst/Winter 2024/25:
Der StuRa tanzt die Intifada - Jour Fixe Sommer 2024
Redaktion Pólemos: Hinter dem Ruf nach Kontext verschanzen sich die Mörder - Jour Fixe Herbst/Winter 2023/24
- Jour Fixe Sommer 2023:
Joachim Bruhn: Unmensch und Übermensch - Jour Fixe Herbst/Winter 2022/23:
- Jour Fixe Sommer 2022:
Krieg gegen die Ukraine - Jour Fixe Herbst/Winter 2021/22:
Die Farbe der Robe - Jour Fixe Sommer 2021:
Ein Lichtlein für die Toten - Jour Fixe Herbst/Winter 2019/20:
Die Diktatur der Zukunft - Jour Fixe Sommer 2019:
»Aufhören!« Zum Tod von Joachim Bruhn - Jour Fixe Herbst/Winter 2018/19:
»Unser Karl«. Über die Heimholung eines großen Deutschen - Jour Fixe Frühling/Sommer 2018:
Was ist Wahrheit? Was ist materialistische Kritik? - Jour Fixe Herbst/Winter 2017/18:
Staatskapitalismus – das Trauma der Revolution - Jour Fixe Frühling/Sommer 2017:
"Wer Warum Wie Was" - Jour Fixe Herbst/Winter 2016/17:
Die Avantgarde des staatstragenden Widerstands - Jour Fixe Frühling/Sommer 2016:
Kritik der Flüchtlingspolitik - Jour Fixe Herbst/Winter 2015/16:
„Versöhnlich ins Stadtgefüge“ - Jour Fixe Frühjahr/Sommer 2015:
Rieselfeld: Neues aus der Sickergrube - Jour Fixe Herbst/Winter 2014/2015:
Volksfront gegen Judenhass, Volksgemeinschaft gegen Israel - Jour Fixe Frühjahr/Sommer 2014:
Neues vom Gröphaz - Jour Fixe Herbst/Winter 2013/2014:
I am what I am - my own special creation - Jour Fixe Frühjahr/Sommer 2013:
Das Fleisch der Deutschen - Jour Fixe Herbst/Winter 2012/2013:
Drum Linkspartei? - Jour Fixe Frühjahr/Sommer 2012:
Occupy reason! - Jour Fixe Herbst/Winter 2011/2012:
Die Gewalt des Souveräns - Jour Fixe Frühjahr/Sommer 2011:
Dschihad oder Revolution - Jour Fixe Herbst/Winter 2010/2011:
Gnadenbrot. Das sog. ‘Existenzrecht’ Israels im Visier der deutschen Volksfront - Jour Fixe Frühjahr/Sommer 2010:
Die Wahrheit aus dem Off - Jour Fixe Herbst/Winter 2009/2010:
Krise des Kapitals, Elend der Theorie - Jour Fixe Frühjahr/Sommer 2009:
Der Staat des Grundgesetzes - Jour Fixe Herbst/Winter 2008/2009:
Vertrauen und Gewalt - Jour Fixe Frühjahr/Sommer 2008:
Die Konterrevolution gegen Israel - Jour Fixe Herbst/Winter 2007/2008:
Zahltag - Jour Fixe Frühjahr/Sommer 2007:
Rote Armee Fiktion - Jour Fixe Herbst/Winter 2006/2007:
Karl Marx, Israel und die Militanz der Vernunft - Jour Fixe Frühjahr/Sommer 2006:
Aufklärung und Aufklärungsverrat im XXI. Jahrhundert - Jour Fixe Herbst/Winter 2005/2006:
Verkehrte Gesellschaft - Jour Fixe Frühjahr/Sommer 2005:
Bomben auf Freiburg - Jour Fixe Herbst/Winter 2004/2005:
Die Produktion von Panik - Jour Fixe Frühjahr/Sommer 2004:
Go straight to hell - Jour Fixe Herbst/Winter 2003/2004:
Deutsche Kulturindustrie 2003 - Jour Fixe Frühjahr/Sommer 2003:
Krieg und Frieden, Schuld und Sühne - Jour Fixe Herbst/Winter 2002/2003:
Die Geschichte wiederholt sich doch - Jour Fixe Frühjahr/Sommer 2002:
Der Kommunismus und Israel - Jour Fixe Herbst/Winter 2001/2002;:
Werwolf und Djihad - Jour Fixe Frühjahr/Sommer 2001:
Revolution und Vaterland. Ein Nachruf auf die “68” - Jour Fixe Herbst/Winter 2000/2001:
Die Gemeinschaft der Guten. - Jour Fixe Frühjahr/Sommer 2000:
Die Postmoderne wird kritisch. - Jour Fixe Herbst/Winter 1999/2000:
Philosopie der Friedhofsschändung - Jour Fixe Frühling/Sommer 1999:
Von A bis Z deutsch - Jour Fixe Herbst/Winter 1998/99:
Geschichte der Sozialdemokratischen Partei Deutschl ands (SPD) - Jour Fixe Frühjahr/Sommer 1998:
Die Vernunft in der Geschichte - Jour Fixe Herbst/Winter 1997/98:
Die Metaphysik der Deutschmark - Jour Fixe Frühjahr/Sommer 1997:
Wie antikapitalistisch ist die BILD-Zeitung? - Jour Fixe Herbst/Winter 1996/97:
St. Nimmerleinstag der Linken - Jour Fixe Frühjahr/Sommer 1996:
Bündnis gegen Arbeit - Jour Fixe Herbst/Winter 1995/96:
Um Sarajewo: Der Krieg der Pazifisten - Jour Fixe Frühjahr/Sommer 1995:
Vorwärts zum 8. Mai! - Jour Fixe Herbst/Winter 1994/95:
Was ist Ideologiekritik? - Jour Fixe Frühjahr/Sommer 1994:
Deutsche Tränen - Jour Fixe Herbst/Winter 1993/94:
Gefrierpunkt des Bewußtseins, Rückforderung der Zukunft - Jour Fixe Frühjahr/Sommer 1993:
Krise der Polititk, Perspektiven des Staates - Jour Fixe Herbst/Winter 1992/93:
Totreden und Todschlagen - Jour Fixe Frühjahr/Sommer 1992:
“Entstasifizierung” - Jour Fixe Herbst/Winter 1991/92:
Artikel 16 (2) - Jour Fixe Frühjahr/Sommer 1991:
Friede den Linken - Jour Fixe Herbst/Winter 1990/91:
Schon wieder Deutschland - Jour Fixe Frühjahr/Sommer 1990:
Deutsche Logik - Jour Fixe Herbst/Winter 1989/90:
Staatsbürger, Volksgenosse - Jour Fixe Frühjahr/Sommer 1989:
Wehrhafte Demokratie, freiheitlicher Staat - Jour Fixe Herbst/Winter 1988/89:
Nationale Identität, soziale Amnesie - Jour Fixe Frühjahr/Sommer 1988:
Kurzer Lehrgang, langer Marsch - Jour Fixe Herbst/Winter 1987/88:
Vernunft als Pleite - Jour Fixe Frühjahr/Sommer 1987:
Deutsche Ideologie, solidarische Kritik - Jour Fixe Herbst/Winter 1986/87:
Freizeitpark oder Knast? - Jour Fixe Herbst/Winter 1985/86
- Jour Fixe Frühjahr/Sommer 1985:
Frei Haus - Jour Fixe Herbst/Winter 1984/85
- Jour Fixe Frühjahr/Sommer 1984
- Jour Fixe Herbst/Winter 1983/84
- Jour Fixe: Das Elend mit der Sozialdemokratie
- Jour Fixe: Kritik ohne Utopie? Podiumsdiskussion mit Wolfgang Pohrt
