Verlag der Initiative Sozialistisches Forum
Institut für Sozialkritik Freiburg (ISF) e.V.
behemoth

sans phrase
Zeitschrift für Ideologiekritik

Gegründet von Manfred Dahlmann und Gerhard Scheit

Redaktion: Markus Bitterolf, Marlene Gallner, Till Gathmann, Renate Göllner, Alex Gruber, David Hellbrück, Ljiljana Radonic, Gerhard Scheit, Christian Thalmaier

www.sansphrase.org
Erscheinungsweise: halbjährlich
ISSN: 2194-8860

Einzelheft: 15 Euro, im Abonnement: 12 Euro.

Die Zeitschrift sans phrase verfolgt kein ›Programm‹, weder ein theoretisches noch ein politisches: Ihr einziges Interesse besteht in Ideologiekritik – darin, dem kollektiv wirksamen Wahn zu widersprechen in dem Wissen, dass er dem Innersten der Gesellschaft entspringt, dort, wo das Subjekt die Krise ›bewältigt‹, die das Kapitalverhältnis seinem Wesen nach ist. Der so gefasste Vorrang des Objekts erfordert allerdings einen Subjektbegriff, der in dem der Charaktermaske nicht aufgeht: Das notwendig falsche Bewusstsein in seiner Notwendigkeit zu durchschauen, setzt Freiheit voraus, wie jeder kategorische Imperativ sie beinhaltet – erst recht der von Marx, »alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist«.

Ideologiekritik bedeutet damit nichts anderes, als das Existentialurteil zu entfalten, dessen Abbreviatur nach Adorno lautet: »Das Ganze ist das Unwahre«. Doch wie das Unwahre selbst bestimmt, d.h. negiert wird, kann per se niemals unabhängig von geschichtlicher Erfahrung sein und ist damit unabdingbar angewiesen auf den neuen kategorischen Imperativ: noch im Stande der Unfreiheit die Freiheit zu behaupten, »Denken und Handeln so einzurichten, dass Auschwitz nicht sich wiederhole«.

Solche Dialektik ist negativ, das heißt: sie gibt das Antinomische in keinem ihrer Begriffe preis. Aufzulösen wäre es nur, wenn jener Marxsche Imperativ in die Tat umgesetzt würde. Ein Verständnis hingegen, das Wirklichkeit nicht in Begriffen erschließt, die sich selbst kritisieren können, herrscht dieser Wirklichkeit das im Geld repräsentierte Mit-sich-selbst-identisch-Sein als eine ihr angeblich von Natur aus zukommende Eigenschaft auf. Anders, mit Freud gesagt: wer sich die Welt nur als Ansammlung von Zeichen denkt, macht sich unfähig, reale, von ihm getrennte Objekte libidinös zu besetzen.

Essayistisches Schreiben, das es allein rechtfertigt, eine Zeitschrift zu gründen, führt darum auch nicht Idiosynkrasien narzisstisch vor – und weiß dennoch, was es ihnen verdankt: Von ihnen zehrt der Gedanke, der über die Begriffslogik hinausgeht; sie sind die einzig mögliche – unmittelbare – Anwesenheit des Leibs im Denken. Aber auf sie sich einzuschränken und auf Begriffsbestimmung zu verzichten, wäre wiederum Regression des Denkens. Diese Gratwanderung hat die Begrifflichkeit des Essays mit dem Formsinn der Kunstwerke gemein. Nur fehlt ihr deren Evokationskraft, und schon deshalb kann sie sich selbst ohne Reflexion aufs ästhetische im engeren Sinn nicht wirklich entwickeln.

Die Zeitschrift ist dabei wie in allen anderen Fragen der Kritik keineswegs pluralistisch. Sie hat nicht zuletzt das Ziel, den Konsens, auf den der Pluralist sich berufen muss, als der Form Kapital äquivalent bloßzulegen. Aber sie verteidigt mit größtem Engagement noch den Pluralismus gegen autoritäres Potential wie antiautoritäre Gewaltphantasie, die ihm selbst entspringen und beide – von attac bis occupy und Kommendem Aufstand – so auffällig die antikapitalistische Regression der Gegenwart kennzeichnen, terminierend in den schlimmsten Formen des Politischen: deutscher Ideologie und deren djihadistischer Fortsetzung. Die totale Vermittlung, die durchs Unwesen Kapital gesetzt ist, und das auf Totalität zielende Ungeheuer, das sie beseitigt, sind von der Kritik als Einheit zu begreifen, und dennoch dürfen sie ihr nicht eins sein, will sie ein Bewusstsein ihrer eigenen Voraussetzungen haben.

Wissenschaftliche Abhandlungen zu veröffentlichen, überlässt die Zeitschrift den dafür zuständigen Institutionen. In ihr werden keine Diskurse oder Narrative beschworen oder analysiert, denn dies ist die Selbstzerstörung des Pluralismus: Sie rufen in ihrer bewusst im Unverbindlichen gehaltenen Form und ihrem den Wahrheitsbegriff leugnenden Inhalt letztlich jenen Gegensouverän auf den Plan, der die Gesellschaft nicht nur auflöst in diffuse barbarische Vielheit. Anders als der Souverän, der die Form als Ausbeutungsform objektiviert, das heißt als ewig und allgemein verbindlich mittels Todesdrohung zu garantieren vorgibt, polt sie sein in der Krise notwendig auftauchender Kontrahent inhaltlich gezielt auf Vernichtung um der Vernichtung willen.

Am Hass, der Israel entgegenschlägt, weiß diese Zeitschrift darum sans phrase die heute gefährlichste Konsequenz solchen Wahns zu erkennen und zu denunzieren.

Die Redaktion

  • sans phrase Redaktion

    HEFT 13

    Zeitschrift für Ideologiekritik

    Dezember 2018, 254 Seiten, ISSN: 2194-8860/13
    15,00 

    Parataxis Diskussion: Selbstzerstörung des Westens oder Untergang des Abendlandes? Gespräch zwischen Thomas von der Osten-Sacken, Florian Markl und Gerhard Scheit…

  • sans phrase Redaktion

    HEFT 12

    Zeitschrift für Ideologiekritik

    Juni 2018, 212 Seiten, ISSN: 2194-8860/12
    15,00 

    Olaf Kistenmacher: »Trotzki ist kein Jude«. Antisemitismus in Russland nach der Oktoberrevolution Karl Pfeifer: Spartakus gegen Zion Rosa Luxemburg: »Der…

  • sans phrase Redaktion

    HEFT 11

    Zeitschrift für Ideologiekritik

    Dezember 2017, 280 Seiten, ISSN: 2194-8860/11
    15,00 

    Markus Bitterolf: »Vor ein paar Jahren sind wir zum schönsten Dorf: Deutschlands gewählt worden.« Über den Mord an Marinus Schöberl…

  • sans phrase Redaktion

    HEFT 10

    Zeitschrift für Ideologiekritik

    Juni 2017, 272 Seiten, ISSN: 2194-8860/10
    15,00 

    Thomas von der Osten-Sacken: Wahn und Wirklichkeit: Der Blick auf den Nahen Osten. Ausschnitte aus einem Mena-Watch-Gespräch mit Florian Markl…

  • sans phrase Redaktion

    HEFT 9

    Zeitschrift für Ideologiekritik

    Dezember 2016, 256 Seiten, ISSN: 2194-8860/09
    15,00 

    »Niemand sonst hat das gelehrt.« Ein biographisches Interview mit Moishe Postone Anmerkung zu Moishe Postones Kritik an Hannah Arendts Eichmann…

  • sans phrase Redaktion

    HEFT 8

    Zeitschrift für Ideologiekritik

    Juni 2016, 264 Seiten, ISSN: 2194-8860/08
    15,00 

    Gerhard Scheit: Flüchtlingsmonopoly und Israelsolidarität Leo Elser: Kritik der Flüchtlingspolitik Thomas von der Osten-Sacken: Elemente und Ursprünge der Flüchtlingskrise. Aus…

  • sans phrase Redaktion

    HEFT 7

    Zeitschrift für Ideologiekritik

    Dezember 2015, 224 Seiten, ISSN: 2194-8860/07
    15,00 

    Thorsten Fuchshuber: Meister der Rackets. Die Russische Föderation unter Wladimir Putin Gerhard Scheit: Der blinde Fleck der Kritischen Theorie und…

  • sans phrase Redaktion

    HEFT 6

    Zeitschrift für Ideologiekritik

    Juni 2015, 242 Seiten, ISSN: 2194-8860/06
    15,00 

    Till Gathmann: Antisemitisches Wahnbild und antiislamische Karikatur Georges-Arthur Goldschmidt: Der Deutsche und das Ressentiment – eine Antwort auf Alain Finkielkraut…

  • sans phrase Redaktion

    HEFT 5

    Zeitschrift für Ideologiekritik

    Dezember 2014, 250 Seiten, ISSN: 2194-8860/05
    15,00 

    Friedrich Pollock: Die bessere Ordnung Philipp Lenhardt: »In den Marxschen Begriffen stimmt etwas nicht«. Friedrich Pollock und der Anfang der…

  • sans phrase Redaktion

    HEFT 4

    Zeitschrift für Ideologiekritik

    Juni 2014, 242 Seiten, ISSN: 2194-8860/04
    15,00 

    Robert Bösch: Antisemitismus als Kulturtechnik. Anmerkungen zum bürgerlichen Subjekt (anlässlich zweier zufällig ausgewählter Druckerzeugnisse) Alex Gruber: Das Duell Žižek vs. Derrida…

  • sans phrase Redaktion

    Heft 3

    Zeitschrift für Ideologiekritik

    November 2013, 256 Seiten, ISSN: 2194-8860/03
    15,00 

    Tjark Kunstreich/Joel Naber: Die Aufgabe der Emanzipation. Zum Aufstand der zweiten Natur gegen die mariage pour tous Manfred Dahlmann: »Der…

  • sans phrase Redaktion

    Heft 2

    Zeitschrift für Ideologiekritik

    Juni 2013, 279 Seiten, ISSN: 2194-8860
    wenige Exemplare vorhanden
    15,00 

    Gerhard Scheit: »… ihr habt den Tod gehasst”. Claude Lanzmann und die Kritik der politischen Gewalt – mit einem Exkurs…

  • sans phrase Redaktion

    HEFT 1

    Oktober 2012, 234 Seiten, ISSN: 2194-8860/01
    vergriffen, steht aber zum Download bereit
    15,00 

    Esther Marian: Das Pfeifen im Walde. Über Kitsch, Utopie und Grauen Manfred Dahlmann: Autonomie und Souveränität. Adornos Vorrang des Objekts…