Die Geschichte des Weh
Erzählung
27,00 €
Beschreibung
Im Jahr 1968, fünfzehn Jahre nach der Veröffentlichung seines beeindruckenden Berichts Geheimnis und Gewalt, legte der Pariser Schriftsteller und Silberschmied Georg K. Glaser (1910–1995) eine Erzählung vor. Deren Protagonist Weh ist der 1908 in Frankfurt am Main geborene Eugen Weidmann, der am 17. Juni 1939 in Versailles durch die Guillotine hingerichtet wurde.
Eines Nachts treffen in der Pariser Emigration nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten der Ich-Erzähler, unschwer als Glaser selbst zu erkennen, und Weidmann aufeinander, vermittelt über den gemeinsamen Freund Willy Mainzer. Während dieser Weidmann wegen seiner angeblichen wirtschaftlichen Erfolge bewundert und daran zu partizipieren hofft, wird der Erzähler immer misstrauischer. Mit knapper Not entkommen die beiden schließlich einem Anschlag Weidmanns. Wenig später stellt sich heraus, dass Weidmann ein lange gesuchter mehrfacher Mörder ist. Der Autor unternimmt es in seiner Erzählung, dem dunklen Rätsel dieses Mannes auf die Spur zu kommen, der ihm »verwandt« erscheint.
Die Geschichte des Weh handelt von Flucht und Vertreibung, der Ohnmacht vor dem heraufziehenden Krieg sowie von der Verwandtschaft in der Einsamkeit und davon, wie das Eigentümliche das Allgemeine bestimmt.
Der Band enthält ein Nachwort von Ralph Schock und wird um einen Brief Glasers an Max Horkheimer in der Causa Mainzer sowie weitere Dokumente ergänzt.
Stimmen
»Georg Glaser war ein zu tiefst empfindender Mensch, der das in den bürgerlichen und auch in linken Kreisen gepflegte Vorurteil widerlegt, dass Kämpfer keinen Tiefgang haben. Ganz im Gegenteil offenbart er uns durch das Zusammenspiel seiner Erfahrungen und Einsichten das Ganze des Menschen. Er beschönigt nichts an der Lebensrealität der arbeitenden Klasse, er romantisiert nicht. Und er geht, sich selbst und seine Umwelt fragend, voran.« / Martin Veith, syndikalismus.org
Vita
Georg K. Glaser (1910–1995), 1926 als Rebell und Vagabund Einlieferung ins »Westendheim«. Zwei Jahre vor der Volljährigkeit als »unverbesserlich« entlassen, Verbindung zur KPD und Roten Hilfe. 1929 wegen Landfriedensbruch im Gefängnis Preungesheim; dort beginnt Glaser zu schreiben. Gerichtsreporter und Arbeiter u.a. in Farbwerken Höchst. 1923 Veröffentlichung von Schluckebier im KPD-nahen Agis-Verlag. 1933 Flucht ins Saarland, 1934 Aufenthalt in Paris. 1935 Rückkehr ins Saarland, Kampf um die Saarabstimmung, Gefängnis. Emigration nach Frankreich, Paris, Toulouse, Normandie. 1939 französischer Soldat, Sept. 1940 Kriegsgefangener unter falschem Namen »Martin«, Frontstraflager Domfront, 1943 Flucht aus Gefangenenlager Görlitz, bei Straßburg festgenommen, verschiedene Lager. Mai 1945 Rückkehr nach Paris, Fließbandarbeiter bei Renault, 1946 französische Staatsbürgerschaft, ab 1947 Engagement für die deutsch-französische Arbeiterbewegung, die von katholischen Priestern organisiert wird. Manuskript von Geheimnis und Gewalt beendet. 1949 Gründung einer eigenen Werkstatt als Dinandier in St. Germain-de-Prés.
Inhalt
- 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13
- Anhang
- Stellenkommentar
- Warum bannt er mich? – Wir sind verwandt. Nachwort von Ralph Schock
- »Tun Sie bitte bitte irgend etwas«. Bittbrief von Georg K. Glaser an Max Horkheimer für Willi Dörter (1939)
- Ein Réfugié als Zeuge (Pariser Tageszeitung, 1938)
- Georg K. Glaser: »Ich habe meinen Freund aus den Klauen von Weidmann gerettet…«.Enthüllungen am Vorabend des Mordprozesses (L’Intransigeant, 1939)
- Die Weh-Passage aus Geheimnis und Gewalt
- Editorische Notiz
Rezensionen
- Franz Joef Schäfer: Die Geschichte des Weh (EuWiS, 3/2024)
- Peter Nowak: Illusionsloser Antifaschismus (Versorgerin, 150/2026)
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