Helmut Reinicke

Kryptogramme der Macht

Philosophische Attacken

1998, 180 Seiten, ISBN: 978-3-924627-54-1

20,00 

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Beschreibung

Nachdem den Hoffnungen, die sich in der Rede vom »Spätkapitalismus« noch anmeldeten, keine materielle Gewalt mehr eignet, ist es in der Theorie fade geworden. Das Wursteln in der Positivität ersetzt die Arbeit des Begriffs. Gleichwohl gehört es zu den Schönheiten dieser Zeit, daß eben diese Brunft zur Anpassung sich als »reflexive Moderne« aufspreizt. Dieses Denken ordnet an, sich einzurichten und abzufinden. Auch die Philosophie hat dem Überschuß des Denkens entsagt und verhökert sich als ethische Lebenshilfe für Industrie, Tourismus, Naturheilkunde. Die »Kryptogramme der Macht« attackieren diese Selbstgefälligkeit.

»Die Totalität der Bilderwelt, die die tägliche Produktion von Geschichte sofort ins Vergessen drängt, so als seien die Bilder die Welt selber, vereitelt jeden Versuch historischer Erkenntnis. Die unendliche Zerlegbarkeit sich vollziehender Geschichte macht aus den sozialen Ereignissen austauschbare digitale Quantitäten. Die Bilder lassen die Welt verschwinden; das einst erkennende Subjekt ist auf der Flucht vor sich selber. Dies macht Angst; Freud spricht von frei fluktuierenden Ängsten, die mit Gewalt Halt suchen. Gewalt mag die Flucht der Bilder vielleicht einzudämmen. Wenn eine Gesellschaft große Teile der Bevölkerung durch Arbeitslosigkeit auslagert und durch die Verschiebung der Sexualität auf Gewalt Ökonomie und Phantasie falsch versöhnt, dann ist die Kultur im Nerv getroffen: in der Struktur der Reproduktion selbst. Die Auslagerung der Arbeitslosen als nutzloser Sozialversicherungsballast erheischt eine gigantische Werteproduktion für die ›heile‹ Welt. Die Gewaltförmigkeit von Technik und Kommunikation zeigt die Abenddämmerung der bürgerlichen Gesellschaft an. Das ist das dunkle Afrika, das wir zu entdecken haben.«

Helmut Reinickes Attacken zielen auf die dunklen Stellen in der Genesis des Bewußtseins der ›Moderne‹, decken das Heteronome auf in der Geschichte der Philosophie, verweilen im Nebensächlichen und treiben sich herum im Immobilienhandel mit tradierten ontologischen Standorten. Sie treffen die Ducke der Menschen, das Wohlbefinden in der Knechtschaft, die Ästhetisierung der Herrschaft. Das Durchstreifen des subgeschichtlichen Terrains übt den Angriff mit der linken Hand – am Höhlenfeuer Platons, in den Träumen des Descartes, betreffs der Gegengewalt jüdischer Gauner, gegen den Kultus der Technik.

Inhalt

  • Kleine Expeditionen ins neuere afrikanische Bewußtsein
    Rodungen • Werte • Technologiefolgen • Selbstanzeigen konkreten Denkens • Machbarkeit • Freiwillige Verzüchtung • Pervertierte Erfüllung • Mitmachen • Bilderwelten • Der alte Maulwurf
  • Gewaltiges Hören
    Verweile doch • Bann • Himmelspfeife • Fratzen • Doppelschlächtigkeiten • Fremde Laute • Gehörverschiebung • Die Leier • Geschmiegtes • Herein oder Heraus • Stracks für sich • Dissonanz • Ahndung • Ohrenklingen
  • Höhlenfeuer
    Insassen • Der Hauch der Zivilisation
  • Descartes’ Traum
    Freibeuter • Philosophieren nach Auschwitz? • Okkupation • Universalwissenschaft
  • Die Macht des Seins
    Verlagerungen – Lagermentalitäten • Reich und Nation • Nicht-kapitalistisches Milieu • Immobiliensprache • Gewaltiges Sein
  • Blut, Brunft und Technik. Ernst Jüngers Rasse aus Stahl
    Leere Lüfte • Die neue Rasse • Innigkeit • Zauberhafte Wirklichkeiten • Kultische Schauer • Neues Reich • Die Echtheit des Herzens
  • Höllenfeuer
    Pinas – Ergebnisse der Indianerwirtschaft • Europäische Kannibalen • Der Wirbel zivilisatorischer Erkenntnis. Joseph Conrads Heart of Darkness • Gewaltiges Feuer • Heinrich v. Kleist: Was gilt es in diesem Kriege?
  • Die Wirtbarkeit der Erde Zweihundert Jahre Kants »Zum ewigen Frieden«
  • Literatur

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