Verlag der Initiative Sozialistisches Forum
Institut für Sozialkritik Freiburg (ISF) e.V.
Manfred Dahlmann

Das Rätsel des Kapitals

Zur Kritik der politischen Ökonomie

Frühjahr 2020, ca. 520 Seiten, ISBN: 978-3-86259-138-1
Gesammelte Schriften III | Herausgegeben von David Hellbrück und Gerhard Scheit

25,00 

Nicht vorrätig

978-3-86259-138-1 Kategorien: ,

Beschreibung

So wenig sie auch rezipiert wurden – sei’s im akademischen Betrieb, unter traditionellen Marxisten oder selbst den Autoren der Neuen Marx-Lektüre – die Arbeiten von Manfred Dahlmann zur Kritik der politischen Ökonomie zählen mit zu dem Wichtigsten, was in der Nachfolge des Marxschen Werks seit den 1990er Jahren geschrieben wurde.

Der hier vorliegende dritte Band der Gesammelten Schriften enthält das letzte große Projekt, an dem der Autor in den Jahren nach 2012, nach der sogenannten Euro-Krise also, arbeitete und stellt, wie fragmentarisch die letzten Teile auch geblieben sind, etwas wie eine Synthese seiner früheren Versuche dar, die insbesondere an Alfred Sohn-Rethel anknüpfen. Es muss aber auch im Zusammenhang mit den jüngeren Thesen zur Gegensouveränität gelesen werden als Auseinandersetzung mit der Neuen Marx-Lektüre. Damit zeigt dieser Band, auf welche Weise heute – da allenthalben die Sehnsucht nach Autarkie wächst und die ›Globalisten‹ verteufelt werden – die Kritik der politischen Ökonomie fortzuführen wäre.

Manfred Dahlmann konnte diese Artikelserie zur Kritik der politischen Ökonomie, die er in der von ihm mitbegründeten Zeitschrift sans phrase publizierte und darüber hinaus auch selbst als eigenen Band herauszugeben plante, zwar nicht mehr zum Abschluss bringen, dennoch zeigt sich deutlich, wie auf dem gegenwärtigen Stand der Krise die Grundlagen aller Kritik der politischen Ökonomie zu erhellen sind. So fragt der Autor nach der Logik des Kapitals, um sie von der Logik der Politik – obgleich in der Realität immer schon aufeinander bezogen –, ebenso analytisch zu unterscheiden, wie in ihrer Einheit zu fassen, da nur so eine Kritik des Staats, der Politik sowie des Rechts überhaupt gelingen kann, wozu weder Linke noch Rechte oder Nationalökonomen bisher je in der Lage gewesen waren. Aber er selbst kehrt dabei gegenüber Marx die Richtung der Darstellung auf überraschende Weise um:

»Was sie [die Nationalökonomie] unter Produktion versteht, erschöpft sich in Abstraktionen, denen die tatsächliche Funktionsweise des Kapitals vollkommen aus dem Blick gerät, was schließlich dazu führt, dass sie zu den begrifflichen Grundlagen aller Sphären des Ökonomischen – also vor allem zum Geld, Staat und Recht – gar nicht erst vordringt und infolgedessen deren Existenz vollständig affirmiert und legitimiert. … Den Beweis zu führen, dass der Marxsche Maßstab ökonomischer Prozesse dem der Ökonomen (also dem Preis) überlegen ist, und nicht nur das: sondern er notwendig ist, um das Kapital in der historischen Besonderheit seiner Existenz überhaupt begreifen zu können, ist alles andere als einfach – das kann auch anders nicht sein, denn sonst bliebe unerklärlich, warum er so gut wie nirgendwo Beachtung findet. Um diese Schwierigkeit in den Griff zu bekommen, sei der Versuch unternommen, die Richtung in der Darstellung, die Marx, wenn auch aus sehr guten Gründen, im Kapital gewählt hat, in gewisser Weise umzukehren, indem wir mit der Darstellung des ökonomischen Systems als Ganzem beginnen. Von diesem ausgehend sei dann, je nach Notwendigkeit in der Sache, zum Abstrakten vorgedrungen, auf dem das System aufbaut: den zur zweiten Natur erhobenen Begriffen Geld, Staat, Recht usw. im Allgemeinen; Markt, Konkurrenz, Wachstum, Produktivität, Krise und Kapital usw. im Besonderen. Es wird sich bei diesem Vorgehen herausstellen, dass sich die Unlösbarkeit der allermeisten ›Unzulänglichkeiten‹ des Systems, wie sie in der Öffentlichkeit verhandelt werden, darstellen lässt, ohne dabei auch schon auf den Marxschen Maßstab zurückgreifen zu müssen. Denn, und daran schon scheitern alle Ökonomen: das Ganze der Ökonomie lässt sich – gegen allem ersten Anschein – analytisch eben nicht aus dem Verhalten seiner Teile (oder Elemente) erschließen (oder auch umgekehrt: das Verhalten der Teile nicht aus der Existenz des Ganzen), mit welchem Maß auch immer man misst, mit welchen Methoden und Definitionen auch immer man vorgeht.«

Der dritte Band der Gesammelten Schriften umfasst im einzelnen neben den Aufsätzen zu diesem Thema, die in sans phrase erschienen sind, Fragmente und »Gedankensplitter«, an denen Manfred Dahlmann für den letzten Teil seiner Serie bzw. seines Buchs arbeitete. Außerdem wird der Band um einen Anhang ergänzt; darin findet sich unter anderem ein Gespräch über die Logik und Geschichte des Kapitals, das Christian Thalmaier mit dem Autor noch ein halbes Jahr vor seinem Tod im Jahr 2017 führte und dessen zweiter Teil bislang unveröffentlicht geblieben ist. Außerdem sind im Anhang weitere Artikel und Gespräche zum Thema zu finden.

Aus dem Inhalt

  • Vorbemerkung der Herausgeber
  • Kapitel 1: Das Geld und seine Wissenschaft
    • Ökonomie als System einer ›vollständigen Induktion‹ – Warenzirkulation und Äquivalenz – Datenerfassung – Zur Einheit in der Differenz von Produktion und Zirkulation: das Zeitproblem – Das Wesen des Geldes – Einheit und Differenz im Geld: die Geldmengensteuerung – Die Arbeitszeit
  • Kapitel 2: Die Mechanismen der Preisbildung
    • Die ›bloße‹ Expansion – Angebot und Nachfrage, Grenznutzen, Konkurrenz – Ökonomische Gesetze
  • Kapitel 3: Geld als Ware
    • Das Kreditgeld – Die Bonität – Das Buchgeld – Die Submärkte
  • Kapitel 4: Der Preis als Maß
    • Die Quellen der Inflation – Die Maße für Wachstum und Inflation – Das Maß für Leistung
  • Kapitel 5: Die Subjekte der politischen Ökonomie
    • Die Unternehmen: Zur inneren Logik des ökonomischen Gleichgewichts – Der Staat: Ökonomisch-historische Bestimmung – Die Konsumenten: Das Verschwinden der Ware
  • Kapitel 6: Der Markt und seine Ideologie: der Satz der Identität
    • Das Rätsel des Wachstums – Wert, Mehrwert und Profit Staatsgeld und Eigentum – Kapitalismuskritik als Ideologie – Die Verschiebungen des Identitätsbegriffs – Tauschwertidentität und Gebrauchswert – Warenidentität und Rationalisierung
  • Kapitel 7: Kapital, Geld und Wert
    • Die Verwandlung von Geld in Kapital – Die Wesensbestimmung des Kapitals – Kapital und Zeit – Wert und Arbeit – Relativer Mehrwert – Kapital als überempirisches, dennoch messbares Verhältnis
  • Kapitel 8: Die Kapitalreproduktion
    • Produktivität – Kapitaldynamik und Marktkonkurrenz – [Das Verschwinden der Waren] – Die Lösung des Geldrätsels – Der Arbeitsfetisch – Die Durchschnittsprofitrate – Der tendenzielle Fall der Profitrate
  • Kapitel 9: Der Staat des Kapitals
    • Identitätsdenken und Staat – Autarkieoption und Volksstaat – Gewalt und Autorität
  • Kapitel 10: Sozialpsychologie des Kapitals
    • Hofstaatler und Mittellose – Das MS-Biotop – Die Öffentlichkeit
  • Kapitel 11: Das Massenbewusstsein
    • Zeit und Geschichte – Der Monotheismus
  • Kapitel 12: Die Mystik des Kapitals als Wahn
    • Nominalität und Realität – Unzulässige Argumentationsmuster – Aktualität – Volksstaat und Krise – Krise des Kapitals
  • [Die Vorbemerkung und das erste Kapitel der ursprünglichen Konzeption]
    • Vorbemerkung – Finanzkrise und deutsche Kriegskasse – Weltsouverän Kapital – Zur Dynamik deutscher Außenhandelspolitik – Logik des Krieges
  • [Entwurf einer »Zusammenfassung der Reflexion auf den Begriffsbildungsprozess«]
  • Gedankensplitter
  • Anhang: Artikel und Gespräche
    • Manfred Dahlmann: Marx als Fetisch
    • Manfred Dahlmann: Deutsches Geld
    • Manfred Dahlmann: Der Euro und sein Staat
    • Manfred Dahlmann / Gerhard Scheit: Diskussion zu Der Euro und sein Staat
    • Manfred Dahlmann / Gerhard Scheit: Autarkie ist Regression
    • Manfred Dahlmann / Christian Thalmaier: Anmerkungen zur Logik und Geschichte des Kapitals. Ein Gespräch. 1. Teil
      • Abstraktion vom Gebrauchswert – Theorie und Kritik – Das reale Verschwinden des Gebrauchswerts – Abstraktion und Konkretion – Anschauung und Logik – Anschauung und Geschichte – Arbeitsproduktivität und Krise – Leistungszwang und Konkurrenz – Ausbeutung und Herrschaft – Kritik als Verwerfung
    • Manfred Dahlmann, Christian Thalmaier: Anmerkungen zur Logik und Geschichte des Kapitals. Ein Gespräch. 2. Teil
      • [Scheiß Arbeit und abstrakte Arbeit] – [Ausbeutung und Äquivalententausch] – [Rechnen statt trial and error] – [Der Imperialist und der Hegemon] – [Aschenbecher und Flasche beziehungsweise Gott, Gottsohn und Heiliger Geist] – [Rose oder Nelke] – [Abaelard oder Althusser]
    • Editorisches Nachwort
    • Nachweise

Weitere Titel …

  • Manfred Dahlmann

    Freiheit und Souveränität

    Kritik der Existenzphilosophie Jean-Paul Sartres

    2013, 412 Seiten, ISBN: 978-3-86259-108-4
    24,00 

     

     

  • Manfred Dahlmann

    Das Rätsel der Macht

    Michel Foucaults Machtbegriff und die Krise der Revolutionstheorie

    Januar 2018, 342 Seiten, ISBN: 978-3-86259-139-8
    23,00 

    Die vorliegende Arbeit, die als Diplom-Arbeit verfasst und im September 1980 bei Johannes Agnoli eingereicht wurde, war das Resultat einer…