Verlag der Initiative Sozialistisches Forum
Institut für Sozialkritik Freiburg (ISF) e.V.
Karl Marx

Das Kapital (1867)

Kritik der politischen Ökonomie. Erster Band: Der Produktionsprozess des Kapitals. Erstausgabe von 1867

Mai 2019, ca. 820 Seiten, ISBN: 978-3-86259-149-7
Hardcover | Herausgegeben von der Initiative Sozialistisches Forum

20,00 

Die vorliegende Ausgabe umfasst den Originaltext und die Originalpaginierung der Erstauflage, zusätzlich wird die Benutzung durch eine Seitenkonkordanz zur MEGA2-Edition vereinfacht. Der Band wird außerdem um eine knappes Vorwort der Herausgeber ergänzt.

Nicht vorrätig

978-3-86259-149-7 Kategorie:

Beschreibung

Die hier vorgelegte Ausgabe will die Erstauflage des Kapitals aus dem Jahre 1867 wieder zu einem erschwinglichen Preis verfügbar machen und so zu einer Marx-Lektüre einladen, die, über ein bloß philologisches Interesse hinaus, mit den formkritischen Grundlagen der Kritik der politischen Ökonomie zugleich auch den eigentümlichen Charakter der polit-ökonomischen Gegenständlichkeit in den Blick nimmt. Damit soll ein Beitrag zur Überwindung jener Spielarten des Marxismus geleistet werden, die sich, ganz gleich ob arbeiterbewegt oder eher akademisch gestimmt, strikt weigern, den Untertitel des Marxschen Kapitals, in dem nicht zufällig von einer Kritik die Rede ist, hinsichtlich seiner systematischen Bedeutung auch nur zur Kenntnis zu nehmen.

Die Erstausgabe des ersten Bands des Kapitals war, abgesehen von einem Nachdruck aus dem Jahr 1980, bis zu dessen Erscheinen in der zweiten Marx-Engels-Gesamtausgabe (MEGA2 II.5) im Jahr 1983 nur wenigen zugänglich, die Auflagenhöhe betrug lediglich 1000 Stück. Damit lag der Text zwar ediert vor, es wurde und wird aber immer noch vor allem die grob umgearbeitete vierte Auflage des Kapitals aus dem Jahr 1890 verwendet, die durch die Marx Engels Werke (MEW 23) große Verbreitung fand. Die mangelnde Bekanntheit der Erstausgabe dürfte nicht allein am fehlenden philologischen Interesse liegen, sondern auch an den für Marxisten unerschwinglichen Preisen für einen Band der MEGA².

Konstitutiv für die Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte des Kapitals ist die Spannung zwischen der Notwendigkeit einer logisch-begrifflichen Entwicklung und ihrer historischen Fundierung, wobei dieses Problem vor allem für die Entwicklung der grundlegenden Kategorien Ware, Wert, Geld und Kapital in den verschiedenen Fassungen der ersten Kapitel gilt. Grob gesprochen, gewinnt die historisierende Darstellung ab der Zweitauflage des Kapitals und in Zur Kritik der politischen Ökonomie (in MEW 13) zunehmend an Gewicht, wohingegen im Urtext (in MEGA2 II/2), der hier vorliegenden Erstausgabe des Kapitals sowie dem Rohentwurf (MEW 42) noch eher die an Hegel orientierte dialektische Darstellung überwiegt. In letzterem Manuskript fasst Marx das Problem in dem berühmten Satz, es werde später nötig sein, »die idealistische Manier der Darstellung zu korrigieren, die den Schein hervorbringt, als handle es sich nur um Begriffsbestimmungen und die Dialektik dieser Begriffe.« Im Zuge dieser Korrektur konnten zwar manche Begriffe präzisiert werden, gleichzeitig ging damit aber eine Popularisierung der Darstellung einher, die die Anlage der ganzen Konzeption als Darstellung prozessierender Widersprüche unkenntlich machte. Diese Tendenz wird illustriert durch die doppelte Fassung der Wertformanalyse im vorliegenden Band: Marx betont im Vorwort die Schärfe ihrer Dialektik und rät dem »nicht in dialektisches Denken eingewohnten Leser«, auf den Anhang auszuweichen, in dem er die Sache so einfach als möglich dargestellt habe. Dieser Anhang bildet die Grundlage für die Fassungen der nachfolgenden Auflagen des Kapitals; die nach Marxens Wort »schulmeisterliche« Darstellung hat hier also die dialektische verdrängt.

Was für eine Konzeption von Dialektik der Erstauflage zugrunde liegt, lässt sich anhand von Sätzen wie dem folgenden erahnen: »Der immanente Widerspruch der Waare als unmittelbarer Einheit von Gebrauchswerth und Tauschwerth, […] ruht und rastet nicht, bis er sich zur Verdopplung der Waare in Waare und Geld gestaltet hat.« Wer nun glaubt, der immanente Widerspruch der Ware sei damit hegelisch ›aufgehoben‹, wird einige Seiten später eines Besseren belehrt: »Man sah, daß der Austauschprozeß der Waaren widersprechende und einander ausschließende Beziehungen einschloß. Die Entwicklung der Waare […] hebt diese Widersprüche nicht auf, aber sie schafft die Form, worin sie sich bewegen können.«

Die an Marx orientierte Kritik hätte gut daran getan, solche Stellen zur Kenntnis zu nehmen. So hätte sie schon früher auf den Begriff der »Realabstraktion« (Sohn-Rethel), also die Vorstellung eines »Begrifflichen in der Realität selbst« (Adorno) stoßen können, der später im Zentrum der Kritischen Theorie und der sich daran anschließenden Neuen Marx-Lektüre stehen sollte. Ein Vorteil der Erstauflage des Kapitals besteht demnach darin, dass dort mit der dialektischen Darstellungsweise auch die erkenntnis- und ideologiekritischen Implikationen der Kritik der politischen Ökonomie noch ungemildert zur Sprache kommen. Etwa wenn Marx über den eigentümlichen Charakter des Geldes schreibt: »Es ist als ob neben und ausser Löwen, Tigern, Hasen und allen andern wirklichen Thieren […] auch noch das Thier existirte, die individuelle Incarnation des ganzen Thierreichs. Ein solches Einzelne, das in sich selbst alle wirklich vorhandenen Arten derselben Sache einbegreift, ist ein Allgemeines, wie Thier, Gott u.s.w.«

Die vorliegende Ausgabe umfasst den Originaltext und die Originalpaginierung der Erstauflage, zusätzlich wird die Benutzung durch eine Seitenkonkordanz zur MEGA2-Edition vereinfacht. Der Band wird außerdem um eine knappes Vorwort der Herausgeber ergänzt.

Inhalt

  • Vorwort der Herausgeber zur Neuauflage
  • Vorwort Karl Marxens zur Erstauflage des Kapitals vom 25. Juli 1867
  • Erstes Kapitel. Waare und Geld
    1. Die Waare
    2. Der Austauschprozess der Waaren
    3. Das Geld und die Waarencirkulation
      • A. Mass der Werthe
      • B. Cirkulationsmittel
        • a) Die Metamorphose der Waaren
        • b) Der Umlauf des Geldes
        • c) Die Münze. Das Werthzeichen
      • C. Geld
        • a) Schatzbildung
        • b) Zahlungsmittel
        • c) Weltgeld
  • Zweites Kapitel. Die Verwandlung von Geld in Kapital
    1. Die allgemeine Formel des Kapitals
    2. Widersprüche der allgemeinen Formel
    3. Kauf und Verkauf der Arbeitskraft
  • Drittes Kapitel. Die Produktion des absoluten Mehrwerths
    1. Arbeitsprozess und Verwerthungsprozess
    2. Constantes Kapital und variables Kapital
    3. Die Rate des Mehrwerths
    4. Der Arbeitstag
    5. Rate und Masse des Mehrwerths
  • Viertes Kapitel. Die Produktion des relativen Mehrwerths
    1. Begriff des relativen Mehrwerths
    2. Cooperation
    3. Theilung der Arbeit und Manufaktur
    4. Maschinerie und grosse Industrie
  • Fünftes Kapitel. Weitere Untersuchungen über die Produktion des absoluten und relativen Mehrwerths
    1. Absoluter und relativer Mehrwerth
    2. Grössenwechsel von Preis der Arbeitskraft und Mehrwerth
      • A. Grösse des Arbeitstags und Intensität der Arbeit constant, Produktivkraft der Arbeit variabel
      • B. Constanter Arbeitstag, constante Produktivkraft der Arbeit, Intensitvität der Arbeit variabel
      • C. Produktivkraft und Intensivität der Arbeit constant, Arbeitstag variabel
      • D. Gleichzeitige Variationen in Länge des Arbeitstags, Produktivkraft und Intensivität der Arbeit
    3. Verschiedene Formeln für die Rate des Mehrwerths
    4. Werth, resp. Preis der Arbeitskraft in der verwandelten Form des Arbeitslohns
      • a) Die Formwandlung
      • b) Die beiden Grundformen des Arbeitslohns: Zeitlohn und Stücklohn
  • Sechstes Kapitel. Der Accumulationsprozess des Kapitals
    1. Die kapitalistische Accumulation
      • a) Einfache Reproduktion
      • b) Verwandlung von Mehrwerth in Kapital
      • c) Das allgemeine Gesetz der kapitalistischen Accumulation
    2. Die s. g. ursprüngliche Accumulation
    3. Die moderne Kolonisationstheorie
  • Nachtrag zu den Noten
  • Anhang zu Kapitel I, 1. Die Werthform

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