Zwei Rezension zu Binjamin Segels »Erledigung« der Protokolle der Weisen von Zion

Wir möchten Sie auf zwei neue Rezension zu Binjamin Segels »Erledigung« der Protokolle der Weisen von Zion hinweisen. Die erste stammt von Ulrich Wyrwa und erschien auf sehepunkte.de, die zweite verfasste Timo Büchner für die Belltower.News.

Ulrich Wyrwa:

»Im Auftrag des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat dann im Jahr 1924 der aus Galizien stammende, in Wien und Berlin lebende und ungemein produktive Journalist Binjamin Segel eine grundlegende Abhandlung vorgelegt, in der er die Entstehungsgeschichte der ›Protokolle‹ rekonstruierte, ihren Aufbau und ihre Aussagen akribisch dekonstruierte und diese Schrift – dem Gegenstand angemessen – in mitunter auch ironischem Stil und mit sarkastischer Sprache entlarvte. [1] Diese Demaskierung fiel so grundlegend aus, dass Segel seiner Abhandlung den markanten und treffenden Untertitel ›Eine Erledigung‹ geben konnte. In seinem abschließenden Kapitel ›Zur Psychopathologie des Antisemitismus‹ zeigt Segel, dass sich der Antisemitismus in den ›Protokollen‹ am ›idealsten dargestellt‹ hat, dass die ›Protokolle‹ ›der beste und vollendetste Kommentar zum ganzen Antisemitismus, ja zum ganzen vorantisemitischen Judenhaß‹ seien. (477)

Franziska Krah, die an der Universität Potsdam mit einer Arbeit über die Pioniere der Antisemitismusforschung in Deutschland promovierte, hat im Freiburger Verlag ça ira diese Schrift von Binjamin Segel neu herausgegeben. In ihrer erhellenden Einführung hat sie die internationale Verbreitung der ›Protokolle‹ und ihre ›fatale Attraktivität‹ vorgestellt sowie auf die bemerkenswerte Besonderheit hingewiesen, dass die Sprache des Rassismus nicht verwendet wurde. Darüber hinaus skizziert sie in ihrer Einleitung die Verbreitung der ›Protokolle‹ nach dem Holocaust. In einem Nachwort gibt Krah schließlich einen aufschlussreichen biographischen Einblick in das breite journalistische Engagement des 1866 in Galizien geborenen und 1931 in der Tschechoslowakei gestorbenen Binjamin Segel, der für eine große Zahl von jüdischen Zeitschriften geschrieben und dabei nachdrücklich den Kampf gegen den Antisemitismus geführt hat.«[Weiterlesen]

 

Timo Büchner:

»Das Gift der antisemitischen ›Protokolle‹ wirkt bis heute, obwohl der jüdisch-galizische Autor Binjamin Segel (1867-1931) bereits Mitte der 1920er Jahre ein Gegengift erschuf. Er verfasste im Auftrag des ›Centralvereins jüdischer Staatsbürger jüdischen Glaubens‹ eine umfassende Kritik der ›Protokolle‹. Die Kritik ist im besten Sinne eine ›Erledigung‹, sie ist ein Meisterwerk der antisemitismuskritischen Recherche. Wir können Segel dankbar sein, dass er in kleinteiliger, mühsamer Recherche- und Textarbeit nachwies, dass die ›Protokolle‹ ein billiges Plagiat sind: Die Erzählung des Pamphlets besagt, die ›Protokolle‹ seien geleakte Sitzungsprotokolle einer jüdischen Elite, die im Geheimen am Rande des ersten Zionistenkongresses in Basel (1897) tagte und überlegte, wie sie Weltherrschaft erlangen könne. Segel hingegen belegte, indem er zahlreiche Textstellen des Pamphlets mit Textstellen eines fiktiven, vom Franzosen Maurice Joly verfassten Dialogs zwischen Machiavelli und Montesquieu verglich, dass große Bestandteile des Pamphlets abgeschrieben und leicht abgewandelt wurden. Das Plagiat ist dreist: Es reicht bis zur Übernahme lateinischer Redewendungen (vgl. S. 225). Segel begegnete den Lügen des Pamphlets mit einer Mischung aus Präzision und Sarkasmus. Er verglich die Vorurteile mit der Realität. So stellte er beispielsweise fest, dass diejenigen, die sich in Basel trafen, arm und keineswegs reich und mächtig gewesen sind. Sein Urteil lautete: ›Der Verfasser der Protokolle hatte keine Ahnung von der Lage und den Bedürfnissen der Juden, keine Ahnung von den Strömungen und Bewegungen […].‹ (S. 207)«[Weiterlesen]