Verlag der Initiative Sozialistisches Forum
Institut für Sozialkritik Freiburg (ISF) e.V.

ISF – Nachtrag * Leseprobe aus “Diktatur der Freundlichkeit”

Nachtrag

Initiative Sozialistisches Forum

25 Bücher, die uns geholfen haben

  • Theodor W. Adorno, Jargon der Eigentlichkeit. Zur deutschen Ideologie, Frankfurt 1964
  • Ders., Die revidierte Psychoanalyse, in: Ders., Soziologische Schriften I, Frankfurt 1972, S.20-41
  • Ders., Zum Verhältnis von Soziologie und Psychologie, in: Ebd., S.42-85
  • Ders., Aberglaube aus zweiter Hand, in: Ebd., S.147-176
  • Ders., Reflexionen zur Klassentheorie, in: Ebd., S.373-391
  • Ders., Kritik, in: Ders., Kritik. Kleine Schriften zur Gesellschaft, Frankfurt 1971, S.10-19
  • Günther Anders, Die Antiquiertheit des Menschen. Bd. 2: Über die Zerstörung des Lebens im Zeitalter der dritten industriellen Revolution, München 1980
  • Egon Becker, Natur als Politik?, in: Thomas Kluge (Hg.), Grüne Politik. Eine Standortbestimmung, Frankfurt 1984
  • Stefan Breuer, Die Krise der Revolutionstheorie. Negative Vergesellschaftung und Arbeitsmetaphysik bei Herbert Marcuse, Frankfurt 1977
  • Ders., Subjektivität und Maschinisierung. Zur wachsenden organischen Zusammensetzung des Menschen, in: Leviathan. Zeitschrift für Sozialwissenschaft, 7.Jg. 1978, S.87ff.
  • Ders., Strukturales Wertgesetz und Todesrevolte. Skeptische Anmerkungen zu Baudrillard, in: Merkur 426 (Juni 1984), S.477ff.
  • Ders., Adornos Anthropologie, in: Leviathan 12.Jg. 1984, S.336ff.
  • Klaus-Jürgen Bruder, Psychologie ohne Bewußtsein. Die Geburt der behavioristischen Sozialtechnologie, Frankfurt 1982
  • Robert Castel, Psychoanalyse und gesellschaftliche Macht, Kronberg 1976
  • Francoise Castel, Robert Castel, Anne Lovell, Psychiatrisierung des Alltags. Produktion und Vermarktung von Psychowaren in den USA, Frankfurt 1982
  • Russel Jacoby, Soziale Amnesie. Kritik der konformistischen Psychologie von Adler bis Laing, Frankfurt 1980
  • Karl Kraus, Über die Sprache. Glossen, Aphorismen und Gedichte. Auswahl und Nachwort von Heinrich Fischer, Frankfurt 1982
  • Wolfgang Kraushaar, Thesen zum Verhältnis von Alternativ- und Fluchtbewegung. Am Beispiel der Frankfurter Scene, in: Ders. (Hrsg.) Autonomie oder Ghetto. Kontroversen über die Alternativbewegung, Frankfurt 1978, S.8-67
  • Ulrich Linse, Zurück o Mensch zu Mutter Erde. Landkommunen in Deutschland 1890 – 1933, München 1983
  • Franz Littmann, Der “normale” Mittelweg zum “wahren” Selbst. Analyse und Kritik grundlegender Denkfiguren der Gruppendynamik, Marburg (Reihe Metro 7), 1980
  • Herbert Marcuse, Das Veralten der Psychoanalyse, in: Ders., Kultur und Gesellschaft 2, Frankfurt 1965, S.85-106
  • Ders., Triebstruktur und Gesellschaft. Ein philosophischer Beitrag zu Sigmund Freud, Frankfurt 1965
  • Ders., Der Kampf gegen den Liberalismus in der totalitären Staatsauffassung, in: Kultur und Gesellschaft l, Frankfurt 1965
  • Wolfgang Pohrt, Theorie des Gebrauchswerts oder über die Vergänglichkeit der historischen Voraussetzungen unter denen allein das Kapital Gebrauchswert setzt, Frankfurt 1976
  • Ders., Ausverkauf. Von der Endlösung zu ihrer Alternative. Pamphlete und Glossen, Berlin 1980
  • Ders., Vernunft und Geschichte bei Marx, in: Gerhart Schweppenhäuser (Hg.), Krise und Kritik. Zur Aktualität der Marxschen Theorie, Lüneburg 1983
  • Rainer Rotermundt, Verkehrte Utopien. Nationalsozialismus, Neonazismus, neue Barbarei, Frankfurt 1980
  • Richard Sennett, Die Tyrannei der Intimität. Verfall und Ende des öffentlichen Lebens, Frankfurt 1983
  • J.P. Stern, Hitler. Der Führer und das Volk, München 1981

 

Therapien, die uns geholfen haben

Nachdem, wie bei der Thematik des vorliegenden Schriftgutes nicht anders zu erwarten war, die Häufung der Redaktionskonferenzen zunehmend zu psychischen, bisweilen dramatischen Krisen bei einzelnen Mitgliedern des Redaktionskollektivs zu führen drohte, die das gesamte selbstgestellte Projekt, nichts weniger nämlich, als eine endgültige Erklärung des Phänomens, daß solche Krisen massenhaft auch außer halb von mit ihnen theoretisch beschäftigten Gruppen auftauchen, konnte die unabdingbar von dieser Fragestellung beherrschte Nötigung zur unbegrenzten Produktivität des Einzelnen nur dadurch aufrecht erhalten werden, daß gnadenlose Zwischenmenschlichkeit und unbarmherzige Wärme, mit wirklicher Anteilnahme praktiziert wurde, ohne dabei selbstsüchtigen Gedanken zu verfallen, wobei sich der ständige Rollentausch jedes Einzelnen zwischen Klientel und Therapeut allerdings unbefriedigend, ja katastrophisch eskalierend auswirkte, indem die Einen eher der Schule Shri Mahesh Yogi Krauses zugeneigt sich zeigten, wohingegen eine andere Fraktion, als solche selbst schon mit unserer harmonischen Grundschwingung nicht in Resonanz, eher auf die Leeren des bekannten Wissenden und Wunderwirkenden Guru Kornhuber rekurrierte, was uns zu der tiefen Einsicht brachte, nach völlig neuen Wegen der Krisen- -und Konfliktbewältigung, die nach dem erreichten Stand der Darstellung sowohl einerseits die noch immer virulenten, oben dargestellten ursprünglichen Krisenlagen, andererseits die durch ihre selbst wiederum konfliktträchtigen, ebenfalls oben- dargestellten Lösungsversuche verursachten und beschleunigten, zusätzlichen Dissonanzen zu aller Zufriedenheit lösen sollten, Ausschau zu halten

Diese, anfangs trotz aller Signale nur langsam ins Bewußtsein des noch immer um einen Zustand unerbittlicher Offenheit und wechselseitiger Anteilnahme bemühten Redaktionskollektivs sich drängende Erkenntnis, wurde, gleichsam als Vorschein einer geahnten Vision wahrhaft befriedeter Redaktionssitzungen und mit ihnen unabdingbar verbundener Sklaverei des ansonsten so frei und ungezügelt sich bewegenden Geistes, mit der Fackel der drängenden Notwendigkeit – physikalisch unmöglich, therapeutisch, jedoch geradezu selbstverständlich – in die Grundfeste des zumindest ansatzweise diskursiv erarbeiteten gemeinsamen Wollens und Begehrens eingemeißelt, indem bei einer der – wie schon erwähnt – notwendig unzähligen Versammlungen der dennoch optimistisch in die allgemein als grau definierte Zukunft blickenden verschworenen Gruppe der nur durch äußerste äußere Gewalt zu Beugenden, – ein sich noch als unbeugsam im beschriebenen Sinne Wähnender aufgrund der allgemeinen und, wie man zugeben muß, auch recht harschen Kritik an falscher Interpretation der Duden’schen Interpunktionsregeln als Urheber dieses unverzeihlichen literarischen Makels in wilde Tränenströme ausbrach, was dazu führte, daß ein zweiter Autor, aufgrund persönlicher Disposition Kritik wie der Trinker den Milchshake fürchtend, kundtat, seinen allgemein herbeigesehnten Artikel zur Frage der latenten Korrespondenz von Bier auf Krankenschein und Therapie auf Essensbon (20 Jahre Milchreis in der Freiburger Mensa, darin der Hartnäckigkeit klassischer Psychoanalyse vergleichbar) zurückzuziehen, woraufhin ein Dritter, sichtlich erregt aufspringend, die Kaffeekaraffe über das Manuskript des Vierten leerte, welches, wie dieser ebenfalls unter Tränen feststellen mußte, dadurch unleserlich geworden war, woran er den Vorwurf innerer Zensur knüpfte, weil besagter Dritter ihn immer schon wegen mißbräuchlicher Verwendung eines psychoanalytischen marxistisch-anthropologischen Subjektbegriffes kritisiert habe, ein Fünfter daraufhin die Unterstellung einer etwaigen Zensur zurückwies, und anschließend das gesamte Projekt in Frage stellte, indem er sich auf den Vorwurf zunehmend platzgreifender Rivalität unter den noch vorhandenen Teilnehmern versteifte, während der Zweite – er kehrte von einem Telefonat zurück, das er in schutzsuchender Betriebsamkeit angenommen hatte -verkündete, daß ein Siebter sei n Manuskript infolge einer, durch die Vorahnung der chaotischen Zustände dieses Abends “temporär limitierten Amnesie”, wie er sich nach der mittlerweile allgemein angezweifelten Aussage des Zweiten ausgedrückt haben soll, in der Straßenbahn habe liegenlassen und es, trotz manischer Suche nach dem, wie er es inzwischen zu nennen pflegt “literarischen Kleinod” nicht mehr aufgefunden werden konnte, worauf ein Sechster, der bisher durch seine, vor allem vom Ersten als Desinteresse beargwöhnte, Schweigsamkeit aufgefallen war, das Wort mutig ergriff und in einer vom Fünften nicht weniger verdächtigten Lautstärke eben dessen Äußerung als das gesamte Projekt, vor allem wegen deren unterschwelligen Defätismus, in Gefahr bringend denunzierte….. So konnte es nicht weitergehen! In unserer Not sahen wir uns gezwungen, eigene Therapieformen zu entwickeln und ein ISF-eigenes Therapiezentrum zu gründen. Nachstehend veröffentlichen wir dem geneigten Leser eine kleine Auswahl unserer Herbstkollektion:

Die Antwort in dir – die Frage draußen? Wir lernen fragen

Vielfältige Antworten schweben heute auf den Wellen spiritueller Erfahrung ein – nur: Wer kennt die Fragen? Wir lernen das Ganze zu fühlen, die Antworten als das Bekannte abzuziehen – es bleibt als Rest das bislang Unbekannte, die Fragen. (Grundkenntnisse der elementaren Algebra erwünscht.)

Der Vater in dir außer sich – Intensivkurs für Männer

Eine Körperschulung für Männer, die ihre eigene ungelöste Vaterbeziehung mit Hilfe von Korn, Pilz und Cognac doppelt erfahren möchten. Mittels spezifischer Atemübungen, sowie Arm- und Beintechniken wollen wir lernen, auch nach dem zwanzigsten Korn noch einzugießen ohne loszulassen.

Leben im Überfluß – wir schaffen uns selbst ab

Die Einsicht, als Einzelner längst überflüssig zu sein, führte in der Vergangenheit zunehmend zum Gang in Apotheken, Therapien und an den Tresen, ohne daß diese Erkenntnis Chancen hatte, wirklich praktisch zu werden. Die kühle Ruhe pathologischer Institute erscheint uns als bislang zu wenig beachtete Möglichkeit zur Lösung der Sinnkrise.

Workshop: Held des Alltags. Be your own hero

Teil I: Aufstehen, zähneputzen, kaffeekochen. Der Körper liegt erstarrt, der Wecker klingelt, schutzsuchend krümmen wir uns zur Embryonalhaltung unter die Kissen. Mit einfachen Übungen wollen wir versuchen, die Handlungskompetenz über den Alltag zurückzuerobern (Reconquering).

Verbalexpression

Bedauerlicherweise können wir zwar fast alle eine Zitrone ausdrücken nicht aber uns selbst. In kleinen Gruppen wollen wir wieder schwafeln lernen. Betroffenheit braucht ihren angemessenen Ausdruck.

Komme dir entgegen – Geisterfahren ohne Angst

Gegen den Strom schwimmen zu können, ist eine Frage des entwickelten Selbstbewußtseins. Manch einer hat den Versuch, den Mitmenschen oder sich selbst entgegen zu kommen, mit dem Verlust der leiblichen Existenz oder gar seiner Prinzipien bezahlen müssen, da ihm die innere Festigkeit fehlte. Aus dem neuen Wissen, daß die Fahrtrichtung –­­­­­­­­­ darin der Wahrheit ähnlich – nur eine Relative innerhalb eines ebenfalls relativen Bezugsystems ist, gilt es Sicherheit zu schöpfen.

Selber denken

Zunehmend droht der Kopf zum Heuschober zu verkommen, zur bloß freischwebenden Extremität, die den Kontakt zum sinnlich Erfahrbaren längst verloren hat. Nachdem “Selber atmen” ein Überleben außerhalb der eisernen Lunge möglich gemacht hat, geht es nun darum, zu erleben, von den Füßen auf den Kopf fallen zu dürfen, ohne noch mehr zu verblöden.

Sodom und Gomorrha – Sodomie für Anfänger

In bäuerlichen Gesellschaften hatte Tierliebe noch eine umfassende und tiefe Bedeutung, die heute nur als Vorschein einer Ahnung erfahrbar ist. Ein Verständnis des Menschen ist unmöglich ohne das Verständnis des Tieres. Die viel beklagte Krise der Sexualität zeigt uns die Notwendigkeit, den Stall als Hort der Lust zurückzuerobern. Mitzubringen: alles was Beine hat.

Der kürzeste Weg zu dir selbst – Veitstanz für Anfänger

Ausgehend von der Frage: Wer war Veit?, führt uns die Entdeckungsreise zu den abgelegensten Plätzen unseres inneren Trümmergrundstücks, auf dem noch manch vergessenes Müllhäuflein auf sein Recycling wartet. Auf der Freiburger Mülldeponie, idyllisch eingebettet zwischen Mooswald und Dreisam, lernen wir auf dem Grat zwischen Zivilisation und Wildnis zu tanzen. Dieser Kurs erfordert ein hohes Maß an Bereitschaft, in die eigene Scheiße zu springen.

Krieg als inneres Erlebnis (Leitung: Ernst Jünger)

Der Zwang zur Friedfertigkeit hat wesentliche Erfahrungsbereiche verkümmern lassen. Noch unsere Väter wußten, daß in der Vergangenheit immer wieder ganze Völker sich zu gemeinsamen, existenziellen Erfahrungen im Grenzbereich begegneten. Diese ursprünglichen Erlebnisse drohen uns heute verloren zu gehen. Mit dem großen Wissenden Ernst Jünger wollen wir uns diese Welt wieder zugänglich machen und lernen, Gemeinheit und Niedertracht wieder lustvoll praktizieren zu dürfen. Bekannte und unbekannte tiefe Gefühle und Erregungen tauchen auf und lassen uns spüren, wie spannend es sein kann, seine Mitmenschen in Angst und Schrecken zu versetzen.

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