Alex Gruber

Uncritical Theory

Über die Unmöglichkeit poststrukturalistischer Gesellschaftskritik

Mai 2026, ca. 504 Seiten, ISBN: 978-3-86259-200-5
Französische Broschur

31,00 

Nicht vorrätig

978-3-86259-200-5 Kategorie:

Beschreibung

Seit dem Massaker der Hamas vom 7. Oktober 2023 ist durch die globale Arbeitsteilung der antisemitischen Internationale augenfälliger denn je geworden, dass die postmoderne Gegenaufklärung die ideologische Begleitmusik zur antisemitischen Gewalt der islamischen Rackets und ihrer Propaganda gegen Israel und den Westen spielt. Judith Butlers Versuch, den Terror als »bewaffneten Widerstand« zu rationalisieren und die Vergewaltigungen der Hamas offen in Zweifel zu ziehen, stellen dabei nur die Spitze des Eisbergs dar, die selbst lange Zeit durchaus wohlgesonnene Weggefährten nachhaltig schockierten und sie dazu drängten, die globale Linke aufzufordern, sich von der postmodernen Ikone zu distanzieren – was sich, wenig verwunderlich, als erfolglos erwies.

Nachdem nun wirklich niemand mehr den gegenaufklärerischen Charakter postmoderner Philosophie abstreiten kann, rückt eine Phalanx feuilletonistischer Autoren aus, dem ›Irrationalismus‹ postmoderner Theoriebildung kurzerhand mit ›Rationalität‹ und ›Wissenschaftlichkeit‹ zu begegnen, und so wird dem antiaufklärerischen Dekonstruktionsunternehmen attestiert, keine ›echte‹ Wissenschaft zu betreiben. Solch positivistischer Versuch der Mobilisierung von reiner Wissenschaftlichkeit gegen deren aktivistische Verballhornung verunmöglicht allerdings nicht nur jedes kritische Verständnis poststrukturalistischer Philosophie, sondern trägt, indem er den Zusammenhang zwischen Irrationalismus und gesellschaftlicher Verfassung kappt, wider Willen zur Verharmlosung postmoderner Gegenaufklärung bei, die als bloß äußerlich zur Gesellschaft und ihrer Wissenschaft hinzutretend verstanden wird. Das irrationale Moment in der Rationalität herrschender Verhältnisse und ihrer Denkformen kann keine um naive Wissenschaftlichkeit bemühte Auseinandersetzung mit der Postmoderne auf den Begriff bringen; vielmehr kann sie ihr nur in spiegelbildlicher Verkehrung gegenübertreten und dampft im Zuge dessen den Wahrheitsanspruch auf positive Faktizität ein – ganz so, als wäre die Dialektik der Aufklärung nie geschrieben worden.

Im Versuch, die gesellschaftliche Totalität, auf die es als ganze zu reflektieren gälte, in Vernunft und Aufklärung auf der einen und Unvernunft und Gegenaufklärung auf der anderen Seite aufzuspalten, wird die Auseinandersetzung zwischen den Gegnern der Postmoderne und deren Parteigängern zum Spiegelspiel, in dem die einen den anderen vorwerfen, keine unvoreingenommene Theorie zu formulieren, sondern bloß Aktivismus in theoretischem Gewand zu betreiben: so trügen die einen zur Aufrechterhaltung des herrschenden Status quo bei, den sie als Rationalität und Wissenschaftlichkeit von der Kritik auszunehmen versuchen; die anderen zur Austreibung von Vernunft und Autonomie, indem sie diese ganz unmittelbar mit zu dekonstruierender Macht und Herrschaft gleichsetzen.

Hiergegen gilt es einen Einspruch zu formulieren, der um die gesellschaftlichen Voraussetzungen postmoderner Theorie wie positiver Wissenschaft weiß – und der die gesellschaftliche Krise, die sich im Irrationalismus der Gegenaufklärung ausdrückt, ernst nimmt.

Die Essays des vorliegenden Bandes formulieren eine Kritik an den ideologischen Vorreitern der Postmoderne, ihren philosophischen Voraussetzungen und den politischen Konsequenzen ihres Denkens. Sie richten sich gegen die Homophobie und die Exorzierung der Natur in der Queer Theory, die Ontologisierung der Differenz im Antirassismus, die Verabsolutierung des Politischen in der Diskurstheorie und Dekonstruktion sowie den Angriff auf das Holocaustgedenken im Postkolonialismus und den Universalismus gegen Israel im Namen des Dekonstruktivismus.

Vita

Alex Gruber ist Chefredakteur des Wiener Nahost-Thinktanks Mena-Watch und Redakteur der ideologiekritischen Zeitschrift sans phrase. Zuvor war er Historiker im Vilna Gaon Jewish State Museum in Litauen und beim Allgemeinen Entschädigungsfonds für Opfer des Nationalsozialismus sowie Lehrbeauftragter an der Universität Wien. Gruber beschäftigt sich mit der Kritik poststrukturalistischer und postkolonialer Theoretiker wie Jacques Derrida, Judith Butler, Alain Badiou oder Achille Mbembe. Promoviert wurde er an der Universität Wien mit einer Doktorarbeit zum Thema »Différance, Diskurs und Nichtidentisches. Die Dekonstruktion Jacques Derridas und Judith Butlers im Verhältnis zu Theodor W. Adornos kritischer Theorie«. 2011 gab er zusammen mit Philipp Lenhard die Anthologie Gegenaufklärung. Der postmoderne Beitrag zur Barbarisierung der Gesellschaft bei ça ira heraus.

 

Aus dem Inhalt

Ontologie der Differenz. Über die Unmöglichkeit poststrukturalistischer Gesellschaftskritik – Postmoderner Apriorismus. Zur Anthropologie Judith Butlers – Vernichtung als Bazar der Kulturen Zur Aktualität des Antirassismus – Kein Objekt, nirgends. Judith Butler, Adorno und Israel – Leiblichkeit und Triebbegriff. Zum Schicksal des Körpers im poststrukturalistischen Dekonstruktivismus – Entscheidung für das, was ohnehin ist. Derridas différance als Spielart eines ontologischen Dezisionismus – Israel als Hindernis für die »Utopie der Weltreparatur«. Achille Mbembes Begriff der ›Nekropolitik‹ als Speerspitze des postkolonialen Antisemitismus – Mit Paulus gegen Griechen und Juden. Alain Badious postmoderner Platonismus als Verewigung von Herrschaft – Gegen die Sinnstiftung des Sinnlosen. Theodor W. Adornos »Soziologie und Philosophie« und die postmoderne Affirmation – Platonismus vs. Gegensouverän. Zur neokonservativen und zur postmodernen Spinozalektüre – Das Duell Žižek vs. Derrida oder: Wenn der frühe Heidegger den späten kritisiert – und die Schwarzen Hefte beide vereinen – »Nun beginnt der Kampf um die Postmoderne«. Alexander Dugin und der russische Aufstand gegen die Vernunft – Benjamin in Palestine. Vom Ursprung des postmodernen Trauerspiels – Ontologie des Mangels in Ermangelung des ›absoluten Feinds‹. Zur Renaissance des Begriffs des Politischen – Revisionismus von links. Der ›multidirektionale‹ Angriff auf das Holocaustgedenken und den jüdischen Staat – Der erste Poststrukturalist: Zu Heideggers Ereignis-Philosophie. Von Martin Heideggers Kampf gegen das »planetarische Verbrechertum« zu Alain Badious globalisierter »Intifada« – Eine Ontologie der Diaspora gegen den jüdischen Staat. Judith Butlers Israelhass und ihre Frontstellung gegen den Terrorbegriff

Weitere Bücher…

  • Kaveh Nassirin

    Heidegger, Scharlatan und Denker

    Eine Innensicht

    Juni 2026, ca. 776 Seiten, ISBN: 978-3-86259-199-2
    Hardcover
    36,00 

    Die im Jahr 1975 begonnene und einhundertundfünf Bände umfassende Gesamtausgabe Martin Heideggers liegt bald abgeschlossen vor, und damit ist erst…

  • Klaus Heinrich

    ursprung in actu

    Zur Rekultifizierung des Denkens in Martin Heideggers »Beiträge zur Philosophie (Vom Ereignis)«

    Juni 2023, 304 Seiten, ISBN: 978-3-86259-177-0
    Dahlemer Vorlesungen – Neue Folge 1 | Hrsg. von Wolfgang Albrecht und Rüdiger Hentschel | Hardcover mit Lesebändchen
    36,00 

    Klaus Heinrichs Beschäftigung mit Heidegger reicht bis in seine Studentenzeit zurück. Wie viele aus der sogenannten Flakhelfer-Generation stand er in…

  • Manfred Dahlmann

    Das Rätsel der Macht

    Michel Foucaults Machtbegriff und die Krise der Revolutionstheorie

    Januar 2018, 342 Seiten, ISBN: 978-3-86259-139-8
    27,00 

    Die vorliegende Arbeit, die als Diplom-Arbeit verfasst und im September 1980 bei Johannes Agnoli eingereicht wurde, war das Resultat einer…

  • Alex Gruber, Philipp Lenhard (Hg.)

    Gegenaufklärung

    Der postmoderne Beitrag zur Barbarisierung der Gesellschaft

    2011, 312 Seiten, ISBN: 978-3-86259-101-5
    26,00 

    Die postmoderne Philosophie ist nichts anderes als »das Nachleben des Nationalsozialismus in der Demokratie« (Adorno). Weil der radikale Bruch mit…

  • Alain Finkielkraut

    Revisionismus von links

    Überlegungen zur Frage des Genozids

    Dezember 2024, 204 Seiten, ISBN: 978-3-86259-151-0
    Mit einem Nachwort von Niklaas Machunsky | Aus dem Französischen von Christoph Hesse | Französische Broschur
    26,00 

    Die Zukunft, die sich schon 1982 in Alain Finkielkrauts Essay (L’Avenir d’une négation) ankündigte, ist zu unserer Gegenwart geworden. Es…

  • Winfried Meyer

    »was keineswegs einst war«

    Von der Leugnung der Realgeschichte in der deutschen Nachkriegsphilosophie

    2006, 192 Seiten, ISBN: 978-3-924627-14-0
    22,00 

    Nahezu vollkommen fremd erscheint uns die Art und Weise, in der die deutschen Nachkriegsphilosophen ihre Texte codiert haben, um sich…