Briefwechsel 1936–1971
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Beschreibung
Die Korrespondenz zwischen Alfred Sohn-Rethel und Max Horkheimer dokumentiert eindringlich die Geschichte des Werks Sohn-Rethels und dessen Ringen mit der inhaltlichen Kritik Horkheimers, der zu einem von der frühen Begeisterung Adornos diametral verschiedenen Urteil über die Arbeiten Sohn-Rethels kam. Als Schlüsseldokument für das Verständnis der Entwicklung des Materialismus der kritischen Theorie und eindrückliches Zeugnis der theoretischen Arbeit unter den Bedingungen von Flucht und Exil zeigt der Briefwechsel, dass nicht eine »Feindseligkeit« Horkheimers gegenüber den Arbeiten Sohn-Rethels der Grund dafür war, dass dieser keinen Anschluss an das Institut für Sozialforschung finden konnte, wie vielfach trivialisierend spekuliert wurde, sondern die Verständigung zwischen Horkheimer und Sohn-Rethel blockiert war, weil es diesem in den verschiedenen Anläufen der Ausarbeitung seiner Thesen nicht gelang, das kritische Potential seiner Entdeckung der »geheimen Identität von Warenform und Denkform« einzulösen.
Statt also Abschätzigkeit persönlicher oder theoretischer Art zu offenbaren, zeigen sich in der Korrespondenz zwischen Sohn-Rethel und Horkheimer – etwa mit Blick auf dessen Kritik an Sohn-Rethels scheinradikaler Treue zum marxistischen Begriff der Praxis – die nicht nur nachträglich zu Tage tretenden Ambivalenzen und Widersprüche im Denken Sohn-Rethels sowie die Differenz zwischen dem Marxismus Sohn-Rethels und dem Materialismus der kritischen Theorie.
»Ich habe das Manuskript in dem Gedanken abgefasst, dass nicht ich, sondern andere die Dinge weiterarbeiten werden, von denen mir die Umrisse aufgegangen sind, und dass ich dazu aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr beitragen kann, als mit den nötigen Hinweisen und Gesichtspunkten so viel Hilfe zu leisten, wie mir möglich ist. Als Darstellung einer fertigen Theorie ist das Manuskript nicht zu werten. Es ist Arbeitsmaterial, größtenteils auch nur Sammlung von Anregungen für eine bestimmte Betrachtungsart. Die Arbeit ist auf jeder Seite mit dem Gefühl der kommenden Bombenflieger im Rücken geschrieben und mit dem einzigen Bestreben, mit der Darstellung soweit zu kommen, dass das Manuskript aus der Gefahrenzone herausgeschickt werden kann, bevor die Sache und ich selbst der Zerstörung anheimfallen.« / Alfred Sohn-Rethel an Max Horkheimer, London, 25. Juni 1940
Viten
Alfred Sohn-Rethel, geboren 1899 in Neuilly-sur-Seine und 1990 in Bremen gestorben, war Nationalökonom und Sozialphilosoph. Er studierte in Heidelberg und Berlin und promovierte 1928 bei Emil Lederer. Er stand in engem Austausch mit Walter Benjamin, Ernst Bloch und Theodor W. Adorno. Von 1931 bis 1936 arbeitete er beim Mitteleuropäischen Wirtschaftstag, wo er die NS-Ökonomie analysierte. 1936 ging er ins Exil. Sein Hauptwerk Geistige und körperliche Arbeit erschien 1970; seine Gesammelten Schriften erscheinen seit 2012 bei ça ira.
Max Horkheimer wurde 1895 in Stuttgart geboren und starb 1973 in Nürnberg. Er war Philosoph, Soziologe sowie Mitbegründer und langjähriger Direktor des Instituts für Sozialforschung. Diese Position übernahm er 1930. Nach dem amerikanischen Exil kehrte er 1949 nach Frankfurt zurück und baute das Institut neu auf.
Felix Brandner lebt in Wien und Ligurien. Er studierte Bildungswissenschaften und Philosophie in München und promovierte an der Freien Universität Berlin mit einer Arbeit über den Einfluss des Neukantianismus auf die materialistische Erkenntniskritik von Alfred Sohn-Rethel und Georg Lukács. Er ist Redakteur der Zeitschrift sans phrase.
Aus dem Inhalt
- Die Briefe: 1936–1971
- Editorisches Nachwort
- Register
- Schriften Alfred Sohn-Rethels
- Personen
Weitere Bücher
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Exposés zur materialistischen Kritik der Erkenntnis
Positano – Luzern – Paris – London – Birmingham. 1926–1951
Mai 2026, 1286 Seiten, ISBN: 978-3-86259-131-2Herausgegeben von Daniel Burnfin, Carl Freytag, Agnès Grivaux und Oliver Schlaudt | Schriften III | In zwei Halbbänden46,00 €Der dritte Band der Schriften Sohn-Rethels enthält die frühesten Ausarbeitungen seiner Erkenntniskritik, deren Problematik zeitlebens der zentrale Inhalt seines geistigen Schaffens bleiben sollte.
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Geistige und körperliche Arbeit
Theoretische Schriften 1947–1990
September 2018, 1018 Seiten, ISBN: 978-3-86259-121-3Herausgegeben von Carl Freytag, Oliver Schlaudt und Françoise Willmann | Schriften IV | In zwei Halbbänden45,00 €»Während die Kritik des Intellekts die Frage beantwortet, wie das Bewußtsein der bewußtlosen Gesellschaft beschaffen ist, erklärt die Kritik der Ökonomie, wie der Lebensprozeß der bewußtlosen Gesellschaft gelingen kann.«
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Von der Analytik des Wirtschaftens zur Theorie der Volkswirtschaft
Frühe Schriften
Sommer 2012, 300 Seiten, ISBN: 978-3-86259-109-1Herausgegeben von Carl Freytag und Oliver Schlaudt | Schriften I29,00 €Dieser Band versammelt erstmals Alfred Sohn-Rethels frühe theoretischen Schriften. Im Zentrum steht die Heidelberger Dissertation von 1928, vermehrt um bisher unveröffentlichte Dokumente, die ihre Entstehung im Zusammenhang seiner Arbeiten während der 1920er Jahre in Positano, Heidelberg und Davos nachzeichnen.
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»Theorie ist durchschaute Wirklichkeit«
Alfred Sohn-Rethel. Eine Biographie
Juli 2026, ca. 596 Seiten, ISBN: 978-3-86259-130-5Hardcover31,00 €Alfred Sohn-Rethel kam am 4. Januar 1899 in Neuilly-sur-Seine zur Welt. Sein Vater entstammte einer weitverzweigten, erfolgreichen Düsseldorfer Künstlerdynastie, die…
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Die deutsche Wirtschaftspolitik im Übergang zum Nazifaschismus
Analysen 1932–1948
2015, 512 Seiten, ISBN: 978-3-86259-120-6Schriften II | Hrsg. von Carl Freytag und Oliver Schlaudt34,00 €Schriften II umfasst die in dieser Zeit entstandenen Analysen, die vor allem im Deutschen Volkswirt und den Deutschen Führerbriefen veröffentlicht wurden. Ergänzt werden sie durch die Texte, mit denen Sohn-Rethel nach 1937 den Kontakt zu dem englischen Politiker und Journalisten Wickham Steed herstellte.
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Das Ideal des Kaputten
Juni 2018, 98 Seiten, ISBN: 978-3-86259-144-2Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Carl Freytag, Hardcover, mit 7 Abbildungen19,00 €In dem vorliegenden Band, der als erläuterndes Nachwort einen Essay von Carl Freytag enthält, finden sich fünf Erzählungen von Alfred Sohn-Rethel, die sich der Konfrontation des Menschen mit der Natur verdanken: in Gestalt nicht völlig domestizierter Tiere (ein Esel, zwei Ratten, ein Elefant), der Urgewalt des Vesuvs und der sanften, aber unaufhaltsamen Verrottung der Dinge, die von der synthetischen Gesellschaft als Waren hervorgebracht wurden.







