»Die Analyse von Architektur kann einen Beitrag dazu leisten, über den Nationalsozialismus, seine Vorläufer und sein Nachwirken aufzuklären«

Für die Freie Assoziation. Zeitschrift für psychoanalytische Sozialpsychologie besprach Nina Rabuza Klaus Heinrichs Vorlesung über ›Giovanni Battista Prianesi‹; darin heißt es u.a.:

»Spätestens seit dem Boom der Gedächtnisforschung in den frühen 1990er Jahren gilt es als kulturwissenschaftlicher Allgemeinplatz, dass sich in der Architektur das Gedächt­nis einer Nation widerspiegeln würde. Jedoch läuft die Analyse des Gedächtnisses der Dinge Gefahr, dieses mitunter selbst zu verdinglichen, so wie beispielsweise im Begriff des ›kulturellen Gedächtnisses‹ von Jan und Aleida Assmann. … Dass die Analyse von Architektur tatsächlich einen Beitrag dazu leisten kann, über den Nationalsozialismus, seine Vorläufer und sein Nachwirken aufzuklären, verdeut­lichen hingegen die Vorlesungen des Berliner Religionsphilosophen Klaus Heinrich. Zwischen 1978 und 1980 untersucht Heinrich anhand der Geschichte der Architek­tur minutiös die Frage, wie das ästhetische Subjekt des Klassizismus zum willfährigen ›Veranstaltungssubjekt‹ des Nationalsozialismus wurde. Heinrichs Weg durch die Geschichte der Architektur ist jedoch keine Architekturgeschichte im üblichen Sinne. Er fasst Architektur als Zivilisationsgeschichte auf, in der latente und unbewuss­te Aspekte der Kultur vergegenständlicht sind. Die Analyse und Kritik jener Inhalte versteht er als Kernaufgabe einer kritischen, psychoanalytisch orientierten Religionswis­senschaft.«