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ça ira-Verlag

Jens Renner

Die “Weisen von Zion”

Der auf die Herausgabe antideutscher Kampfschriften spezialisierte Freiburger ça ira-Verlag hat sein Programm unlängst um ein absolut lesenswertes Buch ergänzt: »Adolf Hitler, Schüler der ‘Weisen von Zion’«, geschrieben von dem linken Sozialdemokraten Alexander Stein (1881-1948) in seinem Exil in der Tschechoslowakei und dort erstmals 1936 veröffentlicht. Stein vergleicht die »Protokolle der Weisen von Zion«, die eine angebliche jüdische Weltverschwörung belegen sollten, mit programmatischen Erklärungen Hitlers wie auch der Wirklichkeit der NS-Diktatur und sieht erstaunliche Parallelen: Offensichtlich ließ sich Hitler von dem antisemitischen Machwerk in Theorie und Praxis inspirieren. Zugleich glaubte er fest an die Authentizität der »Protokolle« – obwohl seit 1921 bewiesen war, daß es sich dabei um eine Fälschung handelte. Stein referiert in diesem Zusammenhang auch den Berner Prozeß um die »Protokolle«, der 1935 mit einem eindeutigen Urteil endete: Ein Gutachter konnte nachweisen, daß die wichtigsten Passagen der »Protokolle« aus einem Roman des deutschen Schriftsteller Hermann Goedsche und einer politischen Satire des französischen Rechtsanwalts Maurice Joly übernommen waren. Den »Schüler aus Braunau« focht das nicht an. Steins Buch blieb weitgehend wirkungslos – obwohl er seine wissenschaftliche Untersuchung mit einem Appell zum Kampf gegen die Weltherrschaftspläne der Nazis verband.

Aus: Analyse & Kritik Nr. 568 vom 20. Januar 2012

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