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Alessandro Volcich

Versöhnte Vielfalt statt barbarischer Vielfalt

“Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit bedeutet... größtmögliche Deutlichkeit in der Frage der Souveränität”, schreibt Gerhard Scheit in seinem aktuellen Buch “Der Wahn vom Weltsouverän”. Diesen begreift er als Ideologie, die auf die Beseitigung des “Minimum [s] an Freiheit” zielt, das jeder rechtsstaatliche Souverän in Bezug auf Recht und Gewalt garantiert. Den Erkenntnissen von Hobbes und Hegel folgend, ist nach Scheit für ein Verständnis des Staates immer dessen Stellung zum Individuum zentral. Einschränkend hält er fest, daß sich von einem vernünftigen Begreifen des Staates nicht sprechen lasse, da dessen Notwendigkeit einzig aus der irrationalen Konkurrenzsituation zwischen den Individuen resultiere. Eine Reflexion der Marxschen Wertformanalyse decke die Gewalt als das den Zusammenhang des Ganzen stiftende Prinzip auf. Dies ist etwas, das beim Auftreten von Krisen besonders deutlich werde, weil dann politische Gewalt offen eingreife. Scheit stellt eine Sehnsucht nach einem Weltsouverän fest, aufgrund einer,,innere[n] Abwehr, die Krise als Inbegriff des Ganzen zu fassen”. So würden die Urheberinnen “alles Bösen” in die Finanzmärkte, Bankerinnen und andere Phänomene der Zirkulationssphäre projiziert und das Übergreifen des Staats auf den Weltmarkt gefordert. Das sei nichts anderes als ein “invertierte [s] Glücksversprechen”, welches in Wahrheit den Staat desintegriere und stattdessen die Herrschaft der Rackets (Terror-Banden) vorantreibe, wie dies in Form des NS-Unstaats geschehen sei. In diesem wurde alles in reine politische Gewalt übersetzt. Im bürgerlichen Staat hingegen wird alles per Vertrag unter Ausschluß von Gewalt vollzogen und dabei die Möglichkeit der “Entfaltung der Vernunft... einer Weltgesellschaft ohne Souverän” offen gehalten.

Aus: Unique. Zeitung der ÖH Uni Wien N° 4/2010

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