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Moishe Postone: Zeit, Arbeit und gesellschaftliche Herrschaft

Eine neue Interpretation der kritischen Theorie von Marx

Die traditionelle marxistische Theorie legt – tendenziell – einen transhistorischen Arbeitsbegriff zugrunde und kritisiert die kapitalistische Gesellschaft primär als Widerspruch zwischen den entwickelten Produktivkräften und deren “Fesselung” durch externe Produktionsverhältnisse. Der Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus wird – so der zentrale Einwand Postones – dementsprechend “als eine Transformation der Distributionsweise (Privateigentum, Markt), nicht aber als eine der Produktionsweise angesehen” (30). Diese Form der (orthodoxen) Kapitalismusanalyse ist überholt: Sie ist weder in der Lage, den postliberalen Kapitalismus geschichtlich zu kritisieren, noch bietet sie die ausreichende Grundlage einer “emanzipatorischen, kritischen Theorie” (34). Postone verfolgt demgegenüber, ausgehend von den “Grundrissen”, eine Interpretation der Marxschen Kapitalismustheorie, die den Arbeitsbegriff historisiert und auf dieser Basis eine Kapitalismuskritik entwirft, in deren Mittelpunkt die Rolle steht, “die die Arbeit allein in der kapitalistischen Gesellschaft spielt” (23). Mit diesem Ansatz soll sich die Marxsche Theorie perspektivisch als kritische Theorie der Moderne erweisen. Die Studie stellt die erste Stufe einer entsprechenden Neuinterpretation der grundlegenden Kategorien der Kritik der politischen Ökonomie dar und bezieht sich noch nicht auf die neueste Phase der entwickelten kapitalistischen Gesellschaft. Als Vorbereitung dazu enthält Teil I, nach einer einführenden Erörterung der “Grundrisse”, Auseinandersetzungen mit Grundannahmen des traditionellen Marxismus einerseits und Positionen der (älteren) Kritischen Theorie (Pollock, Horkheimer) andererseits.

Zeitschrift für Politikwissenschaft N° 2 / 2004

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