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Emile Marenssin, Stadtguerilla und soziale Revolution

Über den bewaffneten Kampf und die Rote Armee Fraktion

Der Band enthält eine neu übersetzte und annotierte Ausgabe des 1972 erstmals erschienenen Essays “De la préhistoire à la l'histoire” von Marenssin. Zum Entstehungszeitpunkt zählte der Essay zu den wenigen zeitgenössischen Reflexionen über die RAF mit “kritisch-solidarischem Charakter”. Dies macht Marenssin schon in den ersten Sätzen ebenso unmißverständlich deutlich wie seine Einschätzung der Bedeutung der RAF: “Die Bundesrepublik verliert angesichts des ungeheuren Echos, das die tatsächlichen oder vermeintlichen Taten einer Handvoll Revolutionäre hervorrufen, den Kopf. Obwohl diese ‚Fanatiker‘ von allen, die zu denken vorgeben, verurteilt werden, bringen sie etwas ganz Neues hervor. [. . .] Der Haß und die Angst, die ihr bloßes Überleben entfesseln, sind Ausdruck einer Ordnung, die sich verurteilt weiß, wenn es ihr nicht gelingt, diese ‚Fanatiker‘ aus der Welt zu schaffen.” (34) Im folgenden setzt sich der Autor mit dem der RAF eigenen Verständnis von revolutionärer Theorie auseinander und bestimmt sie im Kontext des Marxismus-Leninismus und leninistischer revolutionärer Theorien. Ein Essay von Bruhn mit dem Titel “Der Untergang der Roten Armee Fraktion. Eine Erinnerung für die Revolution” leitet die Ausgabe ein. In gewissem Sinne stellt diese Einleitung den wirklich bemerkenswerten Teil dieses Buches dar, zeigt Bruhn doch, wie man noch heute versuchen kann, Menschenverachtung, Terror und Mord mit schillernden theoretischen Erklärungsversuchen zu verschleiern: “Nach einem Vierteljahrhundert hat sich die RAF für aufgelöst erklärt, fast wie eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung, die sich nicht länger um den Gang zum Konkursrichter drücken konnte. Allerdings besteht die objektive Veranlassung zum Kampf fort [. . .].” (8) Ferner schreibt Bruhn: “Der Terrorismus ist das Berufsrisiko des Politikers, ganz wie die Staublunge das des Bergmanns: Jeder weiß, worauf er sich einläßt, und niemand kann sich im Ernst darüber beklagen. Daß die RAF, einmal als subjektloses Naturereignis betrachtet, auf diesen Sachverhalt aufmerksam gemacht hat, war weder zynisch noch menschenverachtend [.. .].” (19) Eine bemerkenswerte Formulierung, in gleichermaßen bemerkenswerter Kontinuität zu 1972. Bruhn läßt wie einen Feldversuch in politischer Psychologie klingen, was nichts anderes als kaltblütiger Mord war.

SG (Zeitschrift für Politik)

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