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ça ira-Verlag

Stefan Frank

Weltkrieg der Wahnsinnigen

»Das Israelpseudos der Pseudolinken«, so heißt der Essay, den der Schweizer Philosoph Michael Landmann im Jahr 1970 verfaßt und im Folgejahr veröffentlicht hat. Der Freiburger Verlag ça ira hat ihn jetzt neu aufgelegt und damit ein wichtiges historisches Dokument zugänglich gemacht.

Die Feinde Israels in der Neuen Linken, so Landmann, beklagten, daß Israel »für das Establishment eine heilige Kuh« sei, an der überhaupt keine Kritik zugelassen werde. In Wahrheit aber gehe es ihnen nicht um Kritik – etwa der Art, daß Israel »nicht sozialistisch genug« sei oder daß es sich auf bestimmte Grenzen zurückziehen müsse –, sondern sie wollten Israels Existenz nicht dulden, was man daran erkennen kann, »daß sie sich verbünde(n) mit der zerstörerischen arabischen Kritik, die Israel von der Landkarte ausradieren will.« Der Kampf im Nahen Osten werde nicht zwischen Imperialismus und Sozialismus geführt, es sei vielmehr »der Gegensatz zwischen denen, die den anderen die Existenz mißgönnen und denen, denen sie mißgönnt wird«.

Den antiisraelischen Linken, die vorgeben, an Frieden interessiert zu sein, hält er vor, mit zweierlei Maß zu messen: Über Sklaverei, Diktaturen, den von Ägypten geführten Giftgaskrieg im Jemen oder die Vorbereitung der Vernichtung eines ganzen Volkes sähen sie hinweg, ihnen gehe es einzig darum, Israel zu bekämpfen. So verhinderten sie den arabisch-israelischen Dialog, der allein zum Frieden führen könne, und trügen dazu bei, einen neuen Krieg wahrscheinlicher zu machen: »Statt für die Anerkennung des Existenzrechts Israels einzutreten, stärken sie die arabische Unnachgiebigkeit und vergrößern so die Gefahr eines neuen Kriegs.« Zwei Jahre nach Erscheinen des Buches wurde diese Prophezeiung Wirklichkeit.

Wie Jean Améry und andere hat Landmann heute noch kurrente Argumente gegen Israel schon vor über 40 Jahren widerlegt. Leider läßt sich Antisemitismus nicht durch Fakten entkräften; denn die Argumente, die Antisemiten in der Öffentlichkeit gegen Israel vorbringen, sind keineswegs die, die sie selbst zu Israel-Hassern machen. Bei ihnen steht der Haß am Anfang. Die geäußerten Vorwürfe sind bloß die Folge dieses Hasses, der dann in das Gewand von Menschenrechten, Völkerrecht, Antiimperialismus, Religion oder was auch immer gekleidet wird. Da er nicht durch das hervorgerufen wird, was Israel tut, kann er auch nicht dadurch gemindert werden, daß Israel sich ändert, oder indem die vorgebrachten Argumente als falsch entlarvt werden.

Aus: Konkret 1 / 2014

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