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Rezension zu Fabian Kettner, Paul Mentz(Hrsg.), Theorie als Kritik

“War Kritik seit jeher die schneidendste Waffe der Aufklärung im Kampf um Mündigkeit, Freiheit und Emanzipation, so wurde sie mittlerweile zur Allzweckfloskel, wenn es darum geht, ohne Wagnis und Gedanken auf breitester Front Einverständnis zu erzielen.” (8) Vor diesem Hintergrund und aus der Perspektive kritischer Gesellschaftstheorie versammelt der Band Beiträge von Mitgliedern des Arbeitskreises Rote Ruhr Uni. Neben einem einführenden Überblick über geläufige Auffassungen vom Verhältnis von Theorie und Praxis (Fabian Kettner) sowie über Begriff und Praxis der Kritik (Dirk Braunstein) geht es in weiteren Beiträgen um die Auseinandersetzung mit einzelnen Theorien und deren Denker. Dazu zählen beispielsweise Analysen zum Verhältnis von bürgerlicher Gesellschaft und Staat bei Hegel (Sven Ellmers) oder zur Revolutions- und Staatstheorie bei Marx (Ingo Elbe). Mit der Kritischen Theorie des Antisemitismus von Horkheimer und Adorno setzt sich Paul Mentz auseinander. Dessen Aktualität sei heute nicht zu verleugnen, “wenn nicht nur Nazis, sondern auch viele Muslime und No-Globals offen ihre Genugtuung über die Anschläge auf Juden in Israel oder den Anschlag auf das World Trade Center bekunden. [...] Nicht die Mörder sind für ihre Taten verantwortlich, sondern die Opfer, die mit ihrer angeblichen Macht den Haß der Täter auf sich gezogen haben sollen” (166), schreibt Mentz. Er weist abschließend auf das grundsätzliche Dilemma der Kritik des Antisemitismus hin, das “heute vor allem darin [besteht], daß sie gezwungen ist, die Aufklärung gegen die Gegenaufklärung zu verteidigen, obwohl jene diese selbst erst hervorgebracht hat” (167).

Zeitschrift für Politikwissenschaft - Online

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