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Huhn, Willy: Der Etatismus der Sozialdemokratie

Der Band versammelt drei Texte des heute nahezu vergessenen Huhn (1909-1970), der Ende der Weimarer Republik zur linken Sozialdemokratie gehörend in die Splitterpartei SAPD übertrat, nach 1933 in Deutschland blieb, zunächst in der sowjetisch besetzten Zone lehrte, später nach Westberlin ging und erneut in die SPD eintrat, aus der er aufgrund seiner häretischen Ansichten 1954 ausgeschlossen wurde. Im Zentrum seiner Arbeiten steht die vernichtende Kritik an der staatsbejahenden sozialdemokratischen Tradition, die als Erbe Lassalles ausgemacht und als Ursache, aber vor allem als Vorlage des Nationalsozialismus denunziert wird. Diese Bewertung ist unverhältnismäßig, da sie das von der Sozialdemokratie zweifellos selbst geschaffene Dilemma, eine demokratische Republik geschaffen und wesentliche politische Bereiche in ihrer vordemokratischen Gestalt gelassen zu haben, allzu einseitig auflöst. Bei aller Kritik an Huhns Urteil bleiben die hier präsentierten Arbeiten jedoch instruktiv. Sie dokumentieren die Marginalisierung der rätekommunistisch beeinflußten Richtung innerhalb der Sozialdemokratie und zeigen, wie aus einer Oppositionspartei des 19. Jahrhunderts eine Volkspartei mit staatlicher Zuwendung geworden ist.

Aus: Zeitschrift für Politikwissenschaft N° 2 / 2004

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