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N.N.

Deutsche Etüden

Stammheim im Kabarett – geht das überhaupt? Die Antwort darauf fällt leicht: selbstverständlich nicht! Matthias Deutschmann, Kabarettist aus Freiburg, seit geraumer Zeit mit seinem Programm “Eine Schnauze voll Deutschland” in der BRD unterwegs, hat es dennoch gewagt – nicht um schenkelklopfendes Lachen, eine resigniert-zynische Abrechnung mit linker Vergangenheit zu präsentieren, sondern um den Prozeß des Verdrängens der eigenen Geschichte ins Bewußtsein zu rufen. “Hitler on the rocks” bringt eine literarische Verarbeitung von Deutschmann-Szenen aus verschiedenen Programmen – darunter auch eine Version des Stammheim-Textes.

Lesenswert wird das Buch, weil Deutschmann nicht einfach seine Nummern aufgeschrieben hat – er hat sie umgearbeitet, verdichtet, zugespitzt. Witzig ist das meist nicht, was ihm zum Atomstaat BRD und dessen wiederaufbereiteter Vergangenheit auffällt – Kohl-Lacher kommen nicht auf ihre Kosten. Deutschmann versteht Kabarett als öffentliches Nachdenken – allen Zeitgeistbeteuerungen zum Trotz kann aber auch Nachdenken lustvoll und unterhaltsam sein. Wer nach Lektüre des Buches, und/oder Besuch des Programms noch mehr über Deutschmann wissen will, sollte sich zusätzlich die Nummer 281 des ‘Arbeiterkampf‘ besorgen: dort ist ein ausführliches Interview, vor allem zu Deutschmanns Stammheim-Szene und zu seiner von Otto Schily heftig angegriffenen Strommasten-Nummer abgedruckt.

Aus: die tageszeitung vom 3.4.1987

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