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Buchladen “Le Sabot”

Rezension zu: Jens Benicke, Von Adorno zu Mao

In den 60er Jahren gewinnt die, durch die Kritische Theorie beeinflußte, antiautoritäre Studentenbewegung kurzzeitig im Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) die Oberhand und drängt die Traditionslinke weitestgehend zurück. Sie bemüht sich um eine genaue und reflektierte Analyse des Nationalsozialismus und erteilt verkürzten Theorien, welche das deutsche Volk entlasten und die Schuld lediglich bei der Führerclique suchen, eine Absage. Durch Adorno, Horkheimer und Marcuse geprägt, versuchen sie die Elemente der Kritischen Theorie in die Praxis umzusetzen und werden schließlich zur Massenbewegung, was jedoch zur Verwischung der sehr präzisen Kritik führt. So bilden sich neoleninistische Strömungen und auch die Anhänger der Kritischen Theorie kehren sich von dieser ab, zugunsten einer Rückbesinnung auf das deutsche Proletariat und Revolutionsbestrebungen. Dies führt zur Entstehung der sogenannten “K-Gruppen”, welche sich positiv auf die Sowjetunion bis 1953 (Stalins Tod) sowie auf Lenin und Mao beziehen. Von der bisher vertreten theoretischen Grundlage wird sich vollends abgekehrt und eine personalisierte Kapitalismuskritik, eine die deutschen Eigenarten völlig vernachlässigende, Faschismusanalyse und Antizionismus setzen sich durch. Das Buch behandelt sehr ausführlich und genau den Aufstieg und Zerfall der antiautoritären Bewegung, die Entstehung der verschieden K-Gruppen, die Konflikte zwischen diesen und deren Ideologie, bis hin zu ihrem Verschwinden in der Bedeutungslosigkeit. Auch wird auf das Verhältnis von den einstigen Idolen, Adorno, Horkheimer und Marcuse zur Studentenbewegung und der Bruch zwischen diesen detailliert eingegangen. Ein Buch, welches die oft sehr positiv und mit Revolutionsromantik dargestellte 68er Bewegung aus einem differenzierten Blickwinkel betrachtet.

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