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Helmut Reichelt

Geld als Einheit von Geltung und Akzeptanz

Soweit wir bei Simmel Rat suchten für die Konzeptualisierung eines ökonomischen Geltungsbegriffs, war die Suche vergebens. Gleichwohl war es kein nutzloses Unterfangen. Zwar hat sich gezeigt, dass Simmels Intention, den Satz des Bewußtseins mit einer genetischen Entwicklung der Geldform zu verbinden, nicht von Erfolg gekrönt war, aber es ist der entscheidendste Hinweis in Simmels Philosophie des Geldes für die Ausarbeitung eines Geltungsbegriffs des Wertes. Allerdings muss eine Unterscheidung präzisiert werden, die sich zwar auch bei Simmel findet, aber bei ihm dann doch keine Bedeutung hat. Wiederholt unterscheidet Simmel Wertbegriff und Wertvorstellung, aber eine eindeutige Zuordnung läßt sich nicht feststellen. [ 1 ] Doch dies ist nur eine der Konsequenzen von Simmels Konzeption. Sofern sich der objektive Wert in substanzieller Gestalt präsentiert – im Metallismus oder in Simmels irischer Kuh als Werteinheit –, könnte man von Wertvorstellung sprechen. Die Werteinheit ist identisch mit einer bestimmten Metallmenge, die Kuh ist als Kuh die Werteinheit. Aber dies würde bereits der Simmelschen Konzeption zuwiderlaufen. Denn der »übersubjektive « (53), der »überindividuelle« (53) Wert soll doch – gut neukantianisch konzipiert – ein »Anerkennungsheischendes«, [ 2 ] Geltendes sein, das nur als Substanz mißverstanden wird. Denn dieses Geltende kann nur ein Wertempfinden sein, das sich mit dem Gegenstand verbindet, an ihm »haftet«. Entsprechend muss der Vorstellungsbegriff präzisiert werden. »Dieses ›Vorstellen‹ ist nun in dem Falle, wo ein Wert seinen Inhalt bildet, genauer angesehen, eben eine Empfindung von Anspruch, jene ›Funktion‹ ist eine Forderung, die als solche nicht außerhalb unser existiert, aber ihrem Inhalt nach dennoch aus einem ideellen Reich stammt, das nicht in uns liegt, das aber auch nicht den Objekten der Wertschätzung als eine Qualität ihrer anhaftet.« (37f.) Der Wert ist also keine Substanz, sondern Funktion, die sich im Bewußtsein als ein Anerkennungsheischendes breit macht, aber dieses Anerkennungsheischende ist untrennbar verquickt mit abstrakten Relationen, und als solcher Inhalt stammt dieses Gebilde aus einem »ideellen Reich« – weder Subjekt noch Objekt, irgendwo dazwischen, wahrscheinlich darüber. Aber kann man sich abstrakte Relationen überhaupt noch vorstellen? Simmel weicht aus und bemüht – nicht sonderlich überzeugend, wie wir gesehen haben – einen (Wert)Begriff, der zugleich existieren soll.

Es hätte nahegelegen, den Terminus Wertvorstellung im phänomenologischen Kontext des Wertbewußtseins zu gebrauchen; den Wertbegriff hingegen im theoretischen der genetischen Entwicklung. Doch eine solche Unterscheidung läßt Simmels eigener Begriff des Begriffs nicht zu. Aber halten wir fest an Simmels Einführung des Satzes des Bewußtseins im Kontext der Wertphänomenologie: Der objektive Wert ist »übersubjektiv, überindividuell« (53), aber dieser »Inhalte des Vorstellens « fällt nicht zusammen mit dem »Vorstellen des Inhalts« (32), es steht also keineswegs im Belieben der Subjekte, ob und wie sie sich diese Inhalte vorstellen möchten, sondern diese Inhalte sind vorab gegeben, und nur als solche Inhalte »gelten« (ebd.) sie. »Das Bewußtsein findet ihn … als eine Tatsache vor, an der es unmittelbar wenig ändern kann, wie an den Wirklichkeiten.« (29) Sobald aber dieser Inhalt, der Wert in der Ökonomie, als eine »Tatsache vorgefunden« wird, stellt er sich als ein »ökonomisches Wertquantum« (36) dar, das an Dingen »haftet« (37).

Der gegenständliche Schein dieser »Wertvorstellung« findet sich im Bewußtsein jedes Handelnden, ein Allgemeines, Identisches, eine »allgemeine Vorstellung« neben den besonderen Vorstellungsinhalten. Als ein solches »allgemeines Bewußtsein« hat auch Amonn, wie wir gesehen haben, die Preisform zu fassen versucht, als eine Art Durkheim sches Kollektivbewußtsein, das im subjektiven Bewußtsein zu lokalisieren und doch nicht mit ihm identisch ist. Auch bei Marx finden sich solche Ansätze, so etwa in seiner frühen Kritik an Kant: »Die Beweise für das Dasein Gottes sind entweder nichts als hohle Tautologien – z.B. der ontologischen Beweis hieße nichts als: ›was ich mir wirklich (realiter) vorstelle, ist eine wirkliche Vorstellung für mich‹, das wirkt auf mich, und in diesem Sinne haben alle Götter, sowohl die heidnischen als christlichen, eine reelle Existenz besessen ... Hier heißt auch Kants Kritik nichts. Wenn jemand sich vorstellt, hundert Taler zu besitzen, wenn diese Vorstellung ihm keine beliebige, subjektive ist, wenn er an sie glaubt, so haben ihm die hundert eingebildeten Taler denselben Wert wie hundert wirkliche. Er wird z.B. Schulden auf seine Einbildung machen, sie wird wirken, wie die ganze Menschheit Schulden auf ihre Götter gemacht hat ... Wirkliche Taler haben dieselbe Existenz, die eingebildete Götter (haben). Hat ein wirklicher Taler anderswo Existenz als in der Vorstellung, wenn auch in einer allgemeinen oder vielmehr gemeinschaftlichen Vorstellung der Menschen? Bringe Papiergeld in ein Land, wo man diesen Gebrauch des Papiers nicht kennt, und jeder wird lachen über deine subjektive Vorstellung. Komme mit deinen Göttern in ein Land, wo andere Götter gelten, und man wird dir beweisen, dass du an Einbildungen und Abstraktionen leidest...« [ 3 ] Wie diese »Existenz wirklicher Taler« in der Vorstellung als einer »allgemeinen oder vielmehr gemeinschaftlichen Vorstellung« zu denken ist, sieht Marx nicht als primäres Problem; schließlich gibt es Gott und die hundert Taler ohnehin nur, »weil eine unvernünftige Welt ist«. [ 4 ] Aber den Sätzen ist zu entnehmen, dass mit dem Wort Geltung immer ein überindividuell-Objektives anvisiert ist, das sich nur dem Theoretiker erschließt, der eine neue Bewußtseinsstufe erklommen hat: Was den Beteiligten als ein Seiendes gegenübersteht, durchschaut er als ein Geltendes.

Im Rohentwurf von 1857/58, der ersten Formulierung seiner »Kritik der ökonomischen Kategorien«, verfolgt Marx ebenfalls einen solchen Ansatz, der die Wirklichkeit des Geldes in der »Vorstellung der Gesellschaft« zu verankern sucht. Wie schon oben angemerkt, ist sich Marx bewusst, dass eine methodisch befriedigende Entwicklung des Geldes noch zu leisten ist, [ 5 ] seine Äußerungen haben daher mehr den Charakter des Tastenden und lassen sich nicht zu einem stimmigen Ganzen zusammenfügen. So versucht er das Geld als ein allgemein anerkanntes Symbol zu fassen, das aber dennoch mit Notwendigkeit aus der Struktur des Austauschprozesses »herauswächst«. »Sie muss mit einem dritten Ding ausgetauscht werden, das nicht selbst wieder eine besondre Ware ist, sondern das Symbol der Ware als Ware, des Tauschwertes der Ware selbst; das also sage die Arbeitszeit als solche repräsentiert, sage ein Stück Papier oder Leder, welches einen aliquoten Teil Arbeitszeit repräsentiert. (Ein solches Symbol unterstellt die allgemeine Anerkennung; es kann nur ein gesellschaftliches Symbol sein).« (42, 79; Herv. H.R.) Entsprechend werden dann auch die ersten beiden Geldfunktionen als Vorgänge im »allgemeinen Bewußtsein« gedeutet. »Das Geld zirkuliert nur Waren, die ideell, nicht nur im Kopf des Einzelnen, sondern in der Vorstellung der Gesellschaft (unmittelbar der Parteien im Prozeß des Kaufs und Verkaufs) schon in Geld verwandelt sind.« (42, 118) Aber davon ist die reelle Verwandlung in Geld zu unterscheiden, und diese sucht Marx ebenfalls mit der »Vorstellung der Gesellschaft « zu verbinden. »Der Tauschwert als solcher kann natürlich nur symbolisch existieren, obgleich dieses Symbol, um es als Sache anwenden zu können – nicht bloß als Vorstellungsform –, sachliches Dasein besitzt; nicht nur ideelle Vorstellung ist, sondern wirklich vorgestellt in einer gegenständlichen Weise. (Ein Maß kann in der Hand behalten werden; der Tauschwert mißt, aber er tauscht nur aus, indem das Maß aus der einen Hand in die andre übergeht.)« (42, 88; Herv. H.R.) In der weiteren Behandlung des Geldes, das Geld in der dritten Bestimmung, findet sich eine Formulierung, die diesen Gedanken zu konkretisieren scheint, indem sie auf ein Begriffliches hinweist, das sich mit dieser Vorstellung verbindet: »Im Geld selbst existiert diese Totalität als vor gestellter Inbegriff der Waren.« (42, 148) Aber diese Gedanken werden im Rohentwurf nicht weiter verfolgt. [ 6 ]

In der kurze Zeit später geschriebenen Zur Kritik, der bereits eine andere Darstellungskonzeption zugrunde liegt, entwickelt Marx das Geld hingegen völlig objektivistisch. Der Gedanke einer »Existenz des Geldes in der Vorstellung«, Wirklichkeit als Geltung, findet sich dort nicht einmal andeutungsweise.

Erst im Kapital taucht der Gedanke wieder auf im Kontext eines Geltungskonzeptes und findet seinen begrifflichen Ausdruck in einer neuen Wortwahl. Das Wort Wertgegenständlichkeit, dem man in der ökonomischen Wissenschaft nirgends begegnen dürfte, drückt »an ihm selbst« aus, dass die konkreten Gegenstände nur als – von den Subjekten konstituierte und ihnen als ein Seiendes entgegentretende – Gegenständlichkeit gelten. Aber dieses Geltungskonzept wird, wie wir gesehen haben, völlig objektivistisch gefaßt – wie die konstituierende Tätigkeit der Subjekte im »Reductionsprozeß« zu denken ist, bleibt ein Rätsel; doch das ist nur die Kehrseite der Medaille: Marx hat sich entschieden, das »Allgemeine«, die »Einheit« vorab im Produkt zu lokalisieren und als »Doppelcharakter der Arbeit« zu präsentieren. Die abstrakte Arbeit, die »Verausgabung von Hirn, Muskel, Nerv usw.« kristallisiert sich als unsichtbare Wertgegenständlichkeit. »Die Werthgegenständlichkeit einer einzelnen, isolierten Waare bleibt unsichtbar.« (II 6, 820) Aber dieser Wertbegriff weist Widersprüche auf, die Marx hinwegbügelt, denn die »physiologische Wahrheit« hat nichts mit der gesellschaftlichen Einheit zu tun. Er stellt fest, dass »im Werthbegriff das Werthverhältnis der Waaren schon antizipiert ist und dass in ihrer Wertgegenständlichkeit sie bereits von vorn herein nicht nur auf abstrakt menschliche Arbeit reducirt sind, sondern auf abstrakt menschliche Arbeit als ihre Einheit« (II 6, 32). Der Wertbegriff erweist sich somit als »ein abstrakter Ausdruck, der mehr einschließt, als er sagt« (ebd.). Aber eben dieses »mehr«, den Bezug auf alle anderen Produkte, kann er nicht benennen.

Mit der »Entdeckung des Doppelcharakters der Arbeit«, von Marx als »Springpunkt der politischen Ökonomie« charakterisiert, ist gerade das Gegenteil dessen erreicht, was die Marxorthodoxie als den Höhepunkt seines theoretischen Schaffens wahrnimmt. Marx hat sich damit eine Lösung, wie er sie noch im Frühwerk anvisierte, endgültig verbaut. Allerdings hätte auch er eine Unterscheidung präzisieren müssen, die sich zwar ebenfalls bei ihm findet – Wertvorstellung und Begriff –, aber es stellt sich die Frage, ob ihm nicht sein eigener Begriff des Begriffs diese Möglichkeit verstellt hat. Marx scheint den Begriff immer nur als »verständige Abstraktion« akzeptiert zu haben. [ 7 ] Zwar hat er noch in den Ökonomisch-philosophischen Manuskripten von 1844 einen dialektischen Geldbegriff im Auge – das Geld charakterisiert er »als ... (den) existierende(n) und sich betätigende(n) Begriff des Wertes aller Dinge«, als Ursprung und Kern der »verkehrte(n) Welt« (40, 566). Und auch im Rohentwurf, wo Marx die Geldform noch als ein in »gegenständlicher Weise« und zugleich in der »Vorstellung der Gesellschaft « Existierendes zu fassen sucht, wiederholt Marx diesen Gedanken: »Im Geld ist der allgemeine Reichtum nicht nur eine Form, sondern zugleich der Inhalt selbst. Der Begriff des Reichtums ist sozusagen in einem besonderen Gegenstand realisiert, individualisiert ... im Geld ist der Preis realisiert, und die Substanz desselben ist der Reichtum selbst, sowohl in seiner Abstraktion von seinen besonderen Existenzweisen, als in seiner Totalität.« (42, 147; Herv. H.R.)

Dieser Begriff des Geldes läßt sich nicht mehr mit seiner arbeitswerttheoretischen Konzeptionen vereinbaren, sondern führt zurück zu Hegel. »Das Geld ist dieser materielle, existierende Begriff, die Form der Einheit, oder die Möglichkeit aller Dinge...« formuliert der junge Hegel. [ 8 ] Dies bleibt aber nicht nur ein früher spekulativer Ausflug, sondern Hegel wiederholt diesen Gedanken auch später in der Rechtsphilosophie und in den Vorlesungen. Als »existierenden Begriff des Wertes aller Dinge« wird das Geld dort charakterisiert als ein »existierendes Allgemeines«, [ 9 ] und Hegel präzisiert noch: »hier existiert der Wert als solcher« (ebd.), »das Geld ist so die reale Existenz des Allgemeinen. Dies Allgemeine ist nicht nur äußerlich, objektiv Allgemeines, sondern auch subjektiv Allgemeines, ein Allgemeines ganz anderer Art« (ebd. 230; Herv. H.R.). Aber welcher »ganz anderer Art« ist dieses Allgemeine? Darüber schweigt sich Hegel aus, eine Antwort sucht man vergebens. Aber der existierende Begriff ist das Ich, ein Allgemeines als prozessierende Einheit von Totalität und Abstraktion. Wo ist jetzt die Grenze zwischen Philosophie und (ökonomischer) Wissenschaft – wenn das Geld als ein existierendes Allgemeines, als Abstraktion und Totalität, sich als strukturell identisch erweist mit dem Hegelschen Begriff des Ich? Ist es das, was Marx anvisiert, wenn er ökonomische Kategorien als »objektive Gedankenformen« charakterisiert, oder sie als »subjektiv-objektiv« definiert, ähnlich wie Adorno, der die in der »Sache waltende Begrifflichkeit« auch als Einheit eines »subjektiv Gedachten und objektiv Geltenden« bestimmt?

Kann dies eingelöst werden? Immerhin, Marx spricht (wenn auch mit seiner ausgeführten Werttheorie kaum noch in Einklang zu bringen) von Gedankenformen, also Formen von Gedanken – und nicht von Vorstellungen oder Formen von Dingen. Eine Aufhellung des intuitiv eingeführten Geltungsbegriffs sollte sich an diese Vorgabe halten, wäre aber zugleich das Gegenteil des neukantianischen. Klafft dort Geltung und Sein prinzipiell auseinander, müßte hier von einer unmittelbaren Einheit ausgegangen werden. In der Simmelschen Philosophie des Geldes finden sich, wie wir gesehen haben, ambivalente Formulierungen dieser Einheit. So unterstellt er eine »ungeschiedene« Einheit von »subjektiven und ... wirtschaftlich-objektiven Qualitäten« im anfänglichen Produktentausch (136), aber es ist eine Einheit, in der zwei Seiten vorab als getrennte konzipiert sind und nur in diesem Anfangsstadium als ungetrennte Einheit erscheinen; oder handelt es sich um die Unmittelbarkeit einer Einheit, die als solche überhaupt erst im Tausch konstituiert wird? Als Neukantianer muss Simmel das erstere behaupten, aber zugleich sagt er etwas anderes als er philosophisch meint. »So setzten die alten Iren, als sie in Beziehung zu den Römern traten, ihre Werteinheit, die Kuh, gleich einer Unze Silber…« (Herv. H.R.) Auf der Ebene des Geldes wiederholt sich das Problem, das schon im einfachen Produktentausch auftritt. Aber hier kann Simmel nicht mehr seine »Schmelztheorie der Abstraktion« wiederholen, ohne sich selbst zu widersprechen: denn das Geld fällt »seinem begrifflichen Wesen nach mit dem ökonomisch objektiven Wert zusammen« (79). Darum bleibt Simmel in diesem Zusammenhang eigentümlich stumm. Er hat keine Antwort auf die Frage, was in diesem Kontext Werteinheit bedeutet, denn die sinnlich existierende Kuh ist als lebendiger Gegenstand ein Allgemeines – Wert.

Wenn auch nicht die Formulierung »ungeschiedene Einheit«, so finden wir doch eine bedeutungsidentische in der Marxschen Werttheorie: Die Ware ist unmittelbare Einheit von Gebrauchswert und Wert. Und Marx postuliert, dass sie als solche auch existiert, als »Wertkörper «. Und weil es eine unmittelbare Einheit ist, kann nur der Begriff das Allgemeine fassen, und dieses erfaßt er als abstrakte Gegenständlichkeit der verausgabten Menge an »Hirn, Muskel, Nerv...«, die sich kristallisiert und als »Wertmenge« im Produkt existiert. Das ist das Marxsche Selbstverständnis

Im Gegensatz zum Marxschen Verfahren, aus der Gegenüberstellung zweier Waren im Austausch auf die »unmittelbare Einheit« von Wert und Gebrauchswert zurückzuschließen und in der »Reduktion« ein Allgemeines herauszulösen, wird diese Einheit von den Ökonomen an der Geldform selbst wahrgenommen. Adorno weist daher zurecht darauf hin, dass das »Geld ... notwendige Bedingung der Tauschabstraktionsbewußtwerdung (ist), da in ihm die Tauschabstraktion in Erscheinung tritt«. [ 10 ] Simmel stellt fest, dass die irische Kuh (oder auch die Unze Silber) Werteinheiten sind, dass dieses sinnliche Wesen oder dieses Metall in seiner Materialität zugleich ein Anderes ist. Amonn hat die Preisform thematisiert unter dem Aspekt, dass sich ein Allgemeines, ein Geistiges, mit dem Geldmaterial verbindet, sich in ihm verkörpert und somit eine Einheit bildet mit dem materiellen Ding. Auch bei ihm findet sich der Ausdruck Werteinheit, aber was in diesem Kontext unter Wert zu verstehen ist, wird von ihm ebensowenig erläutert wie von Simmel. Andere Theoretiker sind hellsichtiger: Schumpeter hält Gustav Cassel seinen »Verzicht auf jede Klärung der Problematik der Recheneinheit (vor). Unsere Recheneinheit ist keine Erfindung der Wissenschaft, sondern eine Erfindung des Lebens«, [ 11 ] sie entspringt der Praxis des Austauschs. Im zweiten Kapitel wurde auf die Einwände von Bendixen hingewiesen, der dem Autor der Staatlichen Theorie des Geldes weit entgegenkommt, aber schließlich feststellt, dass er nicht geklärt habe, was es mit der »abstrakten Werteinheit« für eine Bewandtnis hat, und nicht geklärt sei, »welcher Stoff es denn ist, der in Werteinheiten übertragen wird.«

Aber besteht dieser objektive Wert, der – als Wertmenge – aus den Einheiten seiner selbst besteht, überhaupt aus einem Stoff? Der objektive Wert ist unmittelbar identisch mit dem Material, aber der Substanzialismus kann nur eine Täuschung sein. Die Geldform – unterstellen wir Metallwährung, auf den Symbolcharakter des Geldes wird später einzugehen sein – ist beides in unmittelbarer Einheit: Wert und Gebrauchswert. Eine zentrale Frage wird von Bendixen jedoch nicht gestellt: Zwar ist von Werteinheiten als Rechnungseinheiten und Währungseinheiten die Rede, doch was bedeutet in diesem Zusammenhang die Rede vom Wert? Für Marx ist dies keine Frage, denn der Wert ist vergegenständlichte abstrakt-menschliche Arbeit, geronnene Arbeitszeit. Aber wie sieht es beim Produktentausch aus, wenn sich die Produkte, also besondere Arbeitszeit, erst zu Waren entwickeln? Eine solche Ausgangslage liegt dem Konstrukt der einfachen Zirkulation im Rohentwurf zugrunde, das sich auch noch im Kapital neben seiner Darstellung der Ware im entwickelten Kapitalismus findet. »Der unmittelbare Produktentausch hat einerseits die Form des einfachen Wertausdrucks und hat sie andrerseits noch nicht ... Die Dinge A und B sind hier nicht Waren vor dem Austausch, sondern werden es erst durch denselben ... Im unmittelbaren Produktenaustausch ist jede Ware unmittelbar Tauschmittel für ihren Besitzer, Äquivalent für ihren Nichtbesitzer ... Der Tauschartikel erhält also ... noch keine unabhängige Wertform. Die Notwendigkeit dieser Form entwickelt sich mit der wachsenden Anzahl und Mannigfaltigkeit der in den Austauschprozeß eintretenden Waren. Die Aufgabe entspringt gleichzeitig mit den Mitteln ihrer Lösung. Ein Verkehr, welcher die Warenbesitzer treibt, ihre eigenen Artikel mit verschiedenen andern Artikeln auszutauschen und daher zu vergleichen, findet niemals statt, ohne dass verschiedene Waren von verschiedenen Warenbesitzern innerhalb ihres Verkehrs mit einer und derselben dritten Warenart ausgetauscht und als Werte verglichen werden. Solche dritte Ware, indem sie Äquivalent für verschiedene andere Waren wird, erhält unmittelbar, wenn auch in engen Grenzen, allgemeine oder gesellschaftlich gültige Äquivalentform. Die se allgemeine Äquivalentform entsteht und vergeht mit dem augenblicklichen Kontakt, der sie ins Leben rief. Abwechselnd und flüchtig kommt sie dieser oder jener Ware zu. Mit der Entwicklung des Warenaustauschs heftet sie sich aber ausschließlich fest an besondere Warenarten, oder kristallisiert zur Geldform.« (23, 102f.; Herv. H.R.) Marx weist zugleich darauf hin, dass ihr »quantitatives Austauschverhältnis ... zunächst ganz zufällig « (23, 102) sei, denn die Dinge sind austauschbar durch den »Willensakt ihrer Besitzer, sie wechselseitig zu veräußern«, und sie erhalten daher – und dieser Satz findet sich nur in der Erstauflage des Kapitals – die »Form Austauschbarer, bevor sie als Werte entwickelt sind« (II 5, 54). Erst später werden sie als »Wertgrößen fixiert«. Diese Sätze sind aufschlußreich. Marx kann in diesem Zusammenhang nicht mehr arbeitswerttheoretisch argumentieren, und eine Verknüpfung der genetischen Entwicklung der Geldform mit der Verdopplungsthese wäre ein theoretischer Gewaltakt. Vielmehr wiederholt Marx in sehr versteckter Form eine Position, die dem Konzept der einfachen Zirkulation des Rohentwurfs zugrunde liegt. Einfache Zirkulation als tauschwertsetzender Verkehr impliziert, dass – wie schon der Ausdruck sagt – der Tauschwert erst in diesem »Verkehr«, nämlich dem Austausch, gesetzt wird. Dass diese als »Tauschwerte gesetzten« Dinge Arbeitsprodukte sind, kann unterstellt werden, aber Marx bestimmt Arbeit im Kontext der einfachen Zirkulation in ganz anderer Weise als später im Kapital. [ 12 ] Die Arbeit hat für die Entwicklung der (ersten) Kategorien noch keine zentrale Bedeutung, so daß auch der Kapitalbegriff in seiner abstraktesten Gestalt entwickelt werden kann, ohne auf Arbeit zu rekurrieren. »Um den Begriff des Kapitals zu entwickeln, ist es nötig nicht von der Arbeit, sondern vom Wert auszugehen und zwar von dem schon in der Bewegung der Zirkulation entwickelten Tauschwert.« (42, 183)

Diese Konzeption korrespondiert mit der Marxschen Rezeption der Hegelschen Logik, die ihm, wie er an Engels schreibt, »großen Dienst geleistet hat«. [ 13 ] Vorbild für das Verhältnis von einfacher und vermittelter Zirkulation ist die Dechiffrierung der einfachen Zirkulation als eine »Sphäre«, deren »unmittelbares Sein ... als reiner Schein« (42, 180) zu dechiffrieren ist. Denkt man alle diese Aspekte zusammen (»Sein als Schein«, »Arbeit an sich«), so wird deutlich, was in dem oben zitierten Satz aus der Erstauflage des Kapitals – sie erhalten die »Form Austauschbarer, bevor sie als Werte entwickelt sind« – nachklingt: In der Sphäre der einfachen Zirkulation werden nur Formen entwickelt. Diese Formen erweisen sich in ihrem Sein als Schein, wenn sie nicht von der tauschwertsetzenden Arbeit »gehalten werden« und sich als »Erscheinungsformen « begreifen lassen.

Unter diesem Aspekt wollen wir untersuchen, wie die Entstehung der Geldform in einer Ausgangslage zu denken ist, in der keine vorgängige Arbeitsteilung unterstellt wird. Die im Fetischkapitel angesprochene »Gleichsetzung der Produkte als Werte« stellt sich hier anders dar. »Ein Verkehr, welcher die Warenbesitzer treibt, ihre eigenen Artikel mit verschiedenen andern Artikeln auszutauschen und daher zu vergleichen, findet niemals statt, ohne dass verschiedene Waren von verschiedenen Warenbesitzern innerhalb ihres Verkehrs mit einer und derselben dritten Warenart ausgetauscht und als Werte verglichen werden. Solche dritte Ware, indem sie Äquivalent für verschiedene andere Waren wird, erhält unmittelbar, wenn auch in engen Grenzen, allgemeine oder gesellschaftlich gültige Äquivalentform. Diese allgemeine Äquivalentform entsteht und vergeht mit dem augenblicklichen Kontakt, der sie ins Leben rief.« (23, 102) Die Gleichsetzung der Produkte als Waren oder Werte vollzieht sich über die Existenz der allgemeinen Äquivalentform. Wie »flüchtig« auch immer, die Äquivalentform entsteht sofort mit dem Austausch. Jetzt erst – vermöge der Preisform – stellen sich die Produkte auch erst als Waren dar. Warenform und Geldform entstehen uno actu. Mit der Existenz einer allgemeinen Äquivalentform stellen sich alle besonderen Produkte als Besonderungen einer Einheit dar, also selbst als ein Allgemeines. [ 14 ] Vor diesem Hintergrund wird deutlich, warum die Geldentwicklung im Rohentwurf Programm bleiben mußte. Die Marxsche Vorstellung einer gesetzmäßigen Notwendigkeit, die zur Verdopplung führt und dem Bewußtsein der Beteiligten nur den Status einer »bewußtlos instinktive(n) Operation ihres Hirns« zuerkennt, war nicht mit dieser Ausgangslage zu verbinden. Und auch im Kapital schweigt sich Marx darüber aus, da er sonst das Zentraltheorem des historischen Materialismus in Frage stellen müßte, oder er müßte den Doppelcharakter der Arbeit als überhistorisches Faktum unterstellen. Da er aber, wie wir gesehen haben, diesen Wertbegriff nur explizieren kann im Rekurs auf den Austausch, dieser aber von vornherein nicht ohne allgemeine Äquivalentform stattfindet, bricht die Argumentation zusammen. Muss der historische Materialismus zu Grabe getragen werden, wenn sich die Verdopplungsthese als unhaltbar erweist? Oder ist es möglich, Geldentstehung in anderer Weise zu explizieren – als eine gleichzeitige Genese von Warenform und Geldform, des Besonderen und Allgemeinen, und zugleich das Moment an kategorialer Bewußtlosigkeit, das wir in der ökonomischen Praxis wie in der ökonomischen Theorie vorfinden, in dieser veränderten Konstruktion mit einzuschließen? Von einer Notwendigkeit, wie sie Marx unterstellt, könnte man allerdings nicht mehr ausgehen; dafür aber müßte jene »Region« im Handeln der Beteiligten, die von Marx zu einer »bewußtlos instinktiven Operation des Hirns« verdunkelt wurde, in ihrer Mikrostruktur und konstitutiven Funktion aufgehellt werden. Die Interpretation der Marxschen Werttheorie hat gezeigt, dass Marx mit der Einführung eines Geltungskonzeptes und dem Rückgriff auf Hegels Reflexionslogik Bausteine für eine solche Konstruktion bereitgestellt hat, sich dann aber doch für den arbeitswerttheoretischen Substanzialismus entscheidet.

Vergegenwärtigen wir uns noch einmal die Ausgangslage. Marx unterstellt, dass die Gleichgesetzten nicht gleichgesetzt werden könnten, wenn sie nicht schon als Werte gleich wären. In diesem Gleichsetzungsprozeß soll die Äquivalentform zur unmittelbaren Erscheinungsform dieser gemeinsamen Einheit werden, die in jedem der beiden Produkte bereits vorhanden ist. Aber wie wir feststellen mußten, soll dieser Prozeß in den Dingen selbst ablaufen, Geltung bezieht Marx subjektenthoben auf die Gleichgeltung in den Dingen, somit ist auch die Äquivalentform – als »Form der Gleichgeltung« –, ebenfalls als Ding konzipiert. Die Gleichsetzung als Abstraktionsakt der Subjekte verläuft hingegen parallel zu dieser von den Dingen selbst bewerkstelligten Aktion und hat keinen substanziellen Anteil an der Konstitution der Erscheinungsform.

Unter diesen Voraussetzungen ist aber nicht einzusehen, warum der Wert überhaupt in der Äquivalentform in Erscheinung tritt. Die ganze theoretische Unternehmung wäre sinnlos, wenn der Ausgangspunkt nicht in der Tatsache bestünde, dass ein »Verkehr, welcher die Warenbesitzer treibt, ihre eigenen Artikel mit verschiedenen andern Artikeln auszutauschen und daher zu vergleichen ... niemals statt (finden würde), ohne dass verschiedene Waren von verschiedenen Warenbesitzern innerhalb ihres Verkehrs mit einer und derselben dritten Warenart ausgetauscht und als Werte verglichen werden.« Der Ausschließungsprozeß eines Produktes zur allgemeinen Äquivalentform ist nicht zu denken ohne die subjektiv durchgeführte Gleichsetzung der Beteiligten. Nur in dieser Aktion konstituiert sich diese Form. Von dieser Aktion abstrahiert jedoch Marx und unterstellt objektivistisch einen Mechanismus der Reflexion, der in seinem Ergebnis – der Entwicklung der allgemeinen Äquivalentform – wiederum nur mit Sinn zu verbinden ist, wenn den Handlungen der Beteiligten konstitutive Bedeutung zukommt. Ein schlechter Zirkel.

Der Geltungsbegriff darf daher nicht subjektenthoben, objektivistisch konzipiert sein, aber auch nicht als ein bewußt-intentional Verfolgtes; vielmehr als ein der Subjektivität innewohnendes Objektives. Das bedeutet aber auch, dass die Form, die in diesem Ausschließungsprozeß konstituiert wird, nicht mehr als Dingliches konzipiert werden darf, sondern als ein Geltendes, welches überhaupt erst die kategorialökonomische Verknüpfung zwischen den Subjekten und der Welt der Dinge herstellt und den »gegenständlichen Schein« konstituiert, den der Philosoph Simmel zu seinem Konstrukt der Zwischenwelt als der Heimat des Wertes veranlaßt hat. Marx hat in seinen beiden Beispielen (König und Hexe) diesen Weg eingeschlagen, und bezieht sich auf Hegels objektive Logik, in der die Reflexion das Setzen voraussetzt und das Gesetzte zugleich vorfindet. Wir müssen daher die Marxsche Konfundierung von Gleichheitsverhältnis, das zugleich Wertverhältnis ist, auflösen und den Gleichsetzungsprozeß als einen ausschließlich subjektiv-objektiven Prozeß fassen: Nicht in dem Sinne, dass der Gedanke aus dem Kopf herausspaziert, sondern der Gedanke dem Subjekt in gegenständlicher Gestalt gegenübersteht.

Aufschlußreich ist auch hier wieder ein Blick in die Ergänzungen und Veränderungen zum ersten Band des Kapitals (Dezember 1871-Januar 1872). Marx sucht die richtige Formulierung für den Satz über die Gleichsetzung der Produkte im späteren Fetischkapitel. Gleichsetzen steht neben Beziehen, aber anschließend findet sich ein Halbsatz, den er nicht in die Endfassung übernimmt: »...indem sie ihre verschiedenartigen Produkte einander im Austausch als Werthe gleichsetzen (beziehn), und sie so in Werthe verwandeln...« (II 6, 1030; Herv. H.R.)

Alle veröffentlichten Formulierungen legen nahe, dass der Wert dem Gleichsetzen immer schon vorausgesetzt ist. Das entspricht seiner Werttheorie. Gleichheitsverhältnis ist für Marx immer auch Wertverhältnis. Im gestrichenen Halbsatz hingegen wird der Wert als ein Produkt des Austausches selbst gefaßt. Diese Möglichkeit wird aber nicht weiter verfolgt, weil sie (so das Marxsche Selbstverständnis) nur in die merkantilistische Sackgasse führen kann: keine addierbaren Werte, damit kein bürgerlicher Reichtum, keine Makroökonomie. [ 15 ] Doch dies ist nicht die Alternative. Lösen wir die Marxsche Konfundierung von Gleichheitsverhältnis und Wertverhältnis auf, orientieren uns aber gleichwohl an Marxschen Vorgaben. Marx hat immer wieder auf den »übersinnlichen« Charakter des Wertes hingewiesen: wird von allen stofflichen Eigenschaften des Gebrauchswertes abstrahiert, so bleibt nichts anderes übrig als – ein Gedankending (II 5, 30). Sie sind »ununterscheidbar«. Aber es gibt sie – in der Mehrzahl, aber nicht als ununterscheidbare Dinge, sondern als Gleichgesetzte, die aber nicht mehr »vorgestellt« werden dürfen – eine Schlußfolgerung, der Marx selber nicht nachkommt –, denn Kristallisation oder Gallerte sind Vorstellungen. Er sitzt einem platonistischen Schein auf, der sich – als diffuse Wertvorstellung – im Bewußtsein beim Vollzug der nicht »vorstellbaren « Denkbewegung bildet.

Da wir Gleichheitsverhältnis vom Wertverhältnis trennen, können wir auch die Marxsche Gegenüberstellung von relativer Wertform und Äquivalentform nicht bruchlos übernehmen. Denn es gibt keine Waren, die ihren Wert »ausdrücken«. Aber sehr wohl gibt es eine Äquivalentform, denn in der Gleichsetzung konstituieren die Menschen diese »Form der Gleichgeltung«, die für Marx identisch ist mit der »Form der Austauschbarkeit« (II 6, 915), so daß auch der Wert selbst nichts anderes ist als ein Ausdruck dieser Gleichsetzung – Wert ist Austauschbarkeit. Diesen Gedanken finden wir auch bei Simmel: »Ja, ursprünglich dürfte diese Austauschbarkeit nicht die Wertgleichheit als eine irgendwie objektive Bestimmtheit der Dinge selbst angezeigt haben, sondern die Gleichheit nichts als der Name für Austauschbarkeit sein.« (76f.) Aber Simmel schließt sofort die quantitative Dimension des Wertes in diese Überlegung ein, die jedoch zuerst fernzuhalten ist. Darauf macht Marx in seiner Bailey-Kritik aufmerksam: »Die oberflächliche Auffassung dieser Tatsache, dass das Äquivalent in der Wertgleichung stets nur die Form eines einfachen Quantums einer Sache, eines Gebrauchswertes besitzt, hat Bailey, wie viele seiner Vorgänger und Nachfolger, verleitet, im Wertausdruck ein nur quantitatives Verhältnis zu sehen. Die Äquivalentform einer Ware enthält vielmehr keine quantitative Wertbestimmung.« (23, 70)

Fügen wir also die Gedanken, die wir bei den Philosophen Hegel, Adorno, Simmel und den Ökonomen Marx, Amonn und Menger finden, [ 16 ] zu einem Geltungskonzept in der Ökonomie zusammen. Zwei Schritte sind zu tun. Wie krude auch die Marxschen Formulierungen sein mögen: lesen wir sie als Hinweise dahingehend, dass die Menschen Einheit im Austausch zwar nicht bewusst konstituieren, andrerseits aber nur in einer Weise hervorbringen, die der Natur ihres Denkprozesses gemäß ist. Wenn es also Reflexionsbestimmungen sind, die auch im Austausch operativ wirksam sind und ihre Geltung bewähren, dann muss es sich um eine in sich gegenläufige Gedankenbewegung handeln, in der diese Bestimmungen als unterschiedene und zugleich in ihrer Einheit gesetzt werden: ein nichtübergehendes Übergehen – eine Bewegung, in der Differenz und Einheit uno actu prozessual konstituiert werden: Identität wird unterschieden vom Unterschied, also ist die Identität unterschieden, das heißt: Sie ist der Unterschied. Die Einheit ist also nur in dieser Unterscheidung, als diese Bewegung des Gedankens, dieses »Ist« ist kein Hegelsches »Seins-ist« sondern ein »Wesens-ist« – ein Vorgang, der nicht mehr vorzustellen, sondern nur noch zu denken ist.

Der Wert ist Gedanke, genauer: er beruht auf einer Gedankenbewegung, in der die Menschen »bei Gelegenheit des Austausches« Einheit in der Zweiheit setzen. Aber es ist noch nicht der Wert, den sie setzen. Es bleibt eine Gedankenbewegung, die sich im Kopf der Beteiligten vollzieht, eine identische Gedankenbewegung in jedem Einzelnen (wenn er zwei Gebrauchswerte »gleichsetzt«). Aber wie verbindet sich der Gedanke mit der Sache? Marx hat sowohl im zweiten Kapitel wie auch in den oben zitierten Sätzen aus dem ersten Kapitel des Kapitals den entscheidenden Hinweis gegeben. Wie reduziert die aktive Beteiligung der Subjekte auch immer dargestellt wird, Marx muss ihnen doch eine bestimmte Restrolle lassen: Die Auswahl des Produktes, das als allgemeine Äquivalentform dient, ist eine bewußte Entscheidung der Beteiligten. Zugleich entnehmen wir der Marxschen Vorstellung über frühen Produktentausch, dass dieser Austausch niemals stattfinden würde, wenn verschiedne Waren nicht »mit einer und derselben dritten Warenart ausgetauscht und als Werte verglichen« würden. Daher stimmt die Amonnsche Technologie-Kritik der gängigen Geldentstehungstheorie, und sie stimmt zugleich nicht. Seine Kritik stimmt, wenn dieser Aspekt der bewußten Auswahl der »markgängigsten Ware« (Menger) verabsolutiert wird; sie stimmt nicht, wenn die se bewußte Aktivität nur als ein Moment des gesamten Prozesses gesehen wird. Denn in der bewußten Auswahl der »dritten Warenart« fokussieren alle Beteiligten diese kategorial unbewußte, identische Gedankenbewegung der Gleichsetzung auf dieses eine Produkt, das »am meisten als Gegenstand des Bedürfnisses eingetauscht wird ... also am sichersten ist, wieder gegen andere besondere Waren ausgetauscht werden zu können« (42, 98), wie Marx im Rohentwurf schreibt.

Es ist »die gesellschaftliche Tat ... (die) eine bestimmte Ware zum allgemeinen Äquivalent« (23, 101) macht. Es muss ein Produkt sein, das allgemein akzeptiert wird, aber diese allgemeine Akzeptanz ist nur die halbe Wahrheit. In der Zentrierung der Gedankenbewegung auf das allgemein Akzeptierte gilt dieses zugleich als Form allgemeiner unmittelbarer Austauschbarkeit, es erhält die »Form der Gleichgeltung« mit allen anderen Produkten. Erst die Einheit beider Prozesse konstituiert eine »allgemein gesellschaftliche Gültigkeit«. [ 17 ]

Es ist also nur eine Form, wie es Marx in der Erstauflage ausdrückt: die »Form Austauschbarer«, und zwar »bevor sie als Werte entwickelt sind« (23, 102; II 5, 54). Aber es ist bereits die Geldform, und mit der Entstehung dieser Form erhalten die vielen besonderen Produkte ebenfalls eine bestimmte ökonomische Form – die Warenform. Die Geldform und Warenform, Allgemeines und Besonderes konstituieren sich uno actu.

Das ist natürlich nicht mehr die Marxsche Gallerte und die vergegenständlichte besondere Arbeit, die bei Marx in unmittelbarer Einheit als Ausgangspunkt der ganzen Deduktion fungieren. Vielmehr sind es geltende Formen. In der Gleichsetzung gilt der besondere Gegenstand (der Rock) als unmittelbar austauschbar, oder seine Naturalgestalt gilt der anderen gleich, befindet sich in der Form der Gleichgeltung, der Austauschbarkeit. Wenn aber der besondere Gegenstand in der Gleichsetzung als unmittelbar austauschbar gilt, und in der Ausschließung aller anderen dann als allgemein unmittelbar austauschbar gilt, sind wir mit einer Verkehrung konfrontiert, in der sich diese Entgegensetzung von Allgemeinem und Besonderen herausbildet als dialektisches Verhältnis von Abstraktion und Totalität. Denn alle besonderen Produkte tauschen sich nur gegen ihn (den Rock), er hingegen tauscht sich gegen alle. So wird er zum »existierenden Inbegriff« des Reichtums schlechthin, ein existierendes Allgemeines, und die besonderen Gegenstände gelten nur als Besonderungen seiner selbst. Als Geld – in der Form unmittelbar allgemeiner Austauschbarkeit – ist es, als das Eine, die Einheit der Vielen, und die Vielen sind die Vielen des Einen.

Analog der Hegelschen Konzeption, der im Kontext des verständigen Tuns die strukturierende Logik des Begriffs nachweist, bezieht sich das Geltungskonzept ausschließlich auf die nicht bewußte Konstitution von Formen. Ebenso wie in der Kantischen Konzeption Gegenständlichkeit als Korrelat zur Einheit der transzendentalen Apperzeption nicht angeschaut werden kann, kann auch die »Form Austauschbarer« als solche nicht am Gegenstand wahrgenommen werden, denn in der Gleichsetzung, in der Setzung von Gleichgeltung und Austauschbarkeit konstituieren die Menschen eine eigene Welt, die in der physischen Welt der Dinge nicht denkbar ist: zwei identische »Gebilde«, ununterscheidbar. Es sind numerisch viele und doch nur Eines, wie die zwei Punkte Kants, die im Raume als zwei, aber ununterscheidbar und doch nicht identisch sein sollen. Doch sie sind unterscheidbar , nämlich als Punkte, aber als solche sind sie kein sinnlich Wahrnehmbares, sondern ein Gedachtes, Übersinnliches. So gilt auch die »dritte Ware« in dieser auf sie konzentrierten Gedankenbewegung als allgemein austauschbar, ist ein »Gedankending«, aber was die Handelnden vor Augen haben, ist das Salz oder das Metall. Ohne diesen Stoff keine Geltung, aber auch keine Geltung ohne konkreten Gegenstand. Geld ist, weil es gilt, und es gilt, weil es ist. Ein sinnlich-übersinnliches Ding.

Versuchen wir uns den Unterschied zur Marxschen Position zu verdeutlichen. In der Präsentation der »einfachen Wertform« als der »Zellenform oder, wie Hegel sagen würde ... (dem) An sich des Geldes« (II 5, 28), fungiert der Rock als Äquivalentform der Leinwand. Von ihr geht die Aktivität aus, sie drückt ihren Wert, der in ihr »unsichtbar« existiert, im Rock aus, der eine besondere Form erhält. Dieser Prozeß vollzieht sich objektiv in den Dingen selbst, aber auch nur dann – wie wir bereits wissen –, wenn die Produkte von den Austauschenden gleichgesetzt werden. »Aber Waaren sind Sachen. Was sie sind, müssen sie sachlich sein und in ihren eignen Beziehungen zeigen. In der Produktion der Leinwand ist ein bestimmtes Quantum menschlicher Arbeitskraft verausgabt worden. Ihr Werth ist der bloß gegenständliche Reflex der so verausgabten Arbeit, aber er reflektiert sich nicht in ihrem Körper. Er offenbart sich, erhält sinnlichen Ausdruck durch ihr Wertverhältnis zum Rock. Indem sie ihn als Werth sich gleichsetzt, während sie sich zugleich als Gebrauchsgegenstand von ihm unterscheidet, wird der Rock zur Erscheinungsform des Leinwand-Werths im Gegensatz zum Leinwand-Körper, ihre Werthform im Unterschied von ihrer Naturalform.« (II 5, 17)

Eine solche Konzeptualisierung dieser Erscheinungsform wird als wesentlicher Bestandteil der Gesamtentwicklung der Geldform von der substanzialistischen Werttheorie ermöglicht und erzwungen zugleich. Marx unterstellt eine vorgängige Existenz der »Gegenständlichkeit abstrakt menschlicher Arbeit« – als Wertgegenständlichkeit – in den Dingen selbst, die sich aber nur im Prozeß der von den Menschen durchgeführten Gleichsetzung (die nur im »Hirn« stattfindet) dinglich »offenbaren« soll, als »gegenständlicher Reflex«. Und wie erscheint sie nun, diese »Gegenständlichkeit abstrakt menschlicher Arbeit«? In der Gleichsetzung der Leinwand und des Rocks gilt auf einmal diese Rockarbeit als »unmittelbare Verwirklichungsform« abstrakter Arbeit. »Die Leinwand kann sich nicht auf den Rock als Werth oder incarnierte menschliche Arbeit beziehn, ohne sich auf Schneiderarbeit als die unmittelbare Verwirklichungsform menschlicher Arbeit zu beziehen.«(II 5, 31) Der Gegenstand Rock »gilt ihr (der Leinwand!!!, H.R.) als sinnlich handgreifliche Gegenständlichkeit gleichartiger menschlicher Arbeit, daher als Werth in Naturalform« (II 5, 30). Warum? Weil von Marx vorausgesetzt wird, dass sie nicht gleichgesetzt werden könnten, wenn sie nicht Werte wären. »Da sie als Werth gleichen Wesens mit dem Rock ist, wird die Naturalform zur Erscheinungsform ihres eignen Werths.« (II 5, 30) Marx wiederholt auch in der Formentwicklung die schon oben notierte Transposition von objektiver Geltung in eine zwischen den Dingen selbst – mit dem Resultat, dass die Objektivität der Form vorab in die Dinge verlegt wird. Es wird nicht der »gegenständliche Schein« als solcher dechiffriert, sondern Marx verdoppelt ihn, wiederholt ihn in der Theorie – entgegen seiner ausdrücklichen Intention.

Die Tatsache, dass in der Gegenüberstellung von Waren und Geld die Waren für die Beteiligten immer nur Gebrauchswerte sind, Güter, wird in objektivistischer Projektion als Wertreflexion entwickelt – und das schon in der einfachen Wertform. »Durch diese Beziehung auf den Rock schlägt die Leinwand verschiedne Fliegen mit einer Klappe. Indem sie die andre Waare sich als Werth gleichsetzt, bezieht sie sich auf sich selbst als Werth. Indem sie sich auf sich selbst als Werth bezieht, unterscheidet sie sich zugleich von sich selbst als Gebrauchswerth...« (II 5, 29) Entsprechend muss aber dann auch die Äquivalentform nicht nur die Austauschbarkeit und Gleichgeltung als Ding aufweisen, sondern es muss zusätzlich – und zwar bereits in der Gegenüberstellung der beiden Waren, weil sie das »An sich des Geldes« sind – begründet werden, warum die Menschen im Austausch das Geld im prononcierten Sinne »vorfinden« (und nicht bewusst konstituieren). Dies geschieht in der Lehre von den Eigentümlichkeiten der Äquivalentform. In diesem Zusammenhang präsentiert Marx auch das Beispiel, das dem Leser nahe legt, Marx habe sich an Hegels objektiver Logik der Reflexion orientiert, die sich als Setzen voraussetzt und als äußere sich selbst als vorausgesetztes vorfindet. »Es ist mit solchen Reflexionsbestimmungen überhaupt ein eigenes Ding. Dieser Mensch ist z.B. nur König, weil sich andre Menschen als Untertanen zu ihm verhalten. Sie glauben umgekehrt Untertanen zu sein, weil er König ist«. Der König, ein von den Untertanen als vorausgesetzt Gesetztes, wird von ihnen »vorgefunden«, wie wenn er ohne ihr Zutun vorhanden wäre. Analog die Äquivalentform, nur im Unterschied zum Beispiel ist es von Marx als ein Reflexionsprozeß konzipiert, der objektiv in den Dingen abläuft. »Die Leinwand bezieht sich nämlich auf den Rock als sinnlich existierende Materiatur der menschlichen Arbeit in abstracto und daher als vorhandenen Werthkörper. Er ist dies nur, weil und insofern sich die Leinwand in dieser bestimmten Weise auf ihn bezieht. Sein Äquivalentsein ist so zu sagen nur eine Reflexionsbestimmung der Leinwand. Aber es scheint gerade umgekehrt.« (II 5, 34) »Das fertige Produkt der Beziehung der Leinwand auf den Rock, seine Äquivalentform, seine Bestimmtheit als unmittelbar austauschbarer Gebrauchswerth, scheint ihm daher auch außerhalb der Beziehung zur Leinwand dinglich anzugehören, ganz wie seine Eigenschaft warm zu halten.« (II 5, 34; Herv. H.R.) So wie der Wert substantialistisch konzipiert und als in den Dingen existierend vorgestellt wird, wird auch der »gegenständliche Reflex«, die Wertgegenständlichkeit des Rockes, die Form, von Marx als Ding verstanden. »Der Ausdruck des Leinwandwerths im Rock prägt dem Rock selbst eine neue Form auf. In der That, was besagt die Werthform der Leinwand? Dass der Rock mit ihr austauschbar ist. Wie er geht oder liegt, mit Haut und Haaren, in seiner Naturalform Rock besitzt er jetzt die Form unmittelbarer Austauschbarkeit mit andrer Waare, die Form eines austauschbaren Gebrauchswerths oder Äquivalents.« (II 5, 29)

Das Beispiel ist in mehrfacher Hinsicht decouvrierend. Denn die Form ist nicht nur ohne »das Zutun« der Subjekte dinglich vorhanden; es stellt sich auch noch die Frage, die oben schon thematisiert wurde: Ob diese dinglich existierende Form unmittelbarer Austauschbarkeit von den Subjekten in analoger Weise wahrgenommen wird wie der König von seinen Untertanen. Dass dieser Mensch König ist, wissen sie; aber wie ist die Form unmittelbarer Austauschbarkeit in ihrem Wissen? Sie soll sich als dingliche Eigenschaft präsentieren, ganz wie die »Eigenschaft warm zu halten«.

Übernehmen wir daher die Binnenperspektive der Handelnden im anfänglichen Produktentausch, der niemals stattfinden würde, »ohne dass verschiedene Waren von verschiedenen Warenbesitzern innerhalb ihres Verkehrs mit einer und derselben dritten Warenart ausgetauscht und als Werte verglichen werden.« Die Geldform entsteht unmittelbar mit dem Austausch, aber wie stellt sich diese Relation zwischen Geld und Ware den Austauschenden selbst dar? Marx notiert: »Ihr quantitatives Austauschverhältnis ist zunächst ganz zufällig. Austauschbar sind sie durch den Willensakt ihrer Besitzer, sie wechselseitig zu veräussern. Sie erhalten daher die Form Austauschbarer, bevor sie als Werthe entwickelt sind.« (II 5, 54) Allein schon die Tatsache, dass die Besitzer sie wechselseitig veräußern wollen, reicht hin, um diesen Austausch mit sich entwickelnder Geldform zu erzeugen. Doch in welcher Bedeutung spricht Marx hier von Wert? Vom wirklichen, der »unsichtbar« in den Dingen existiert? Oder aber vom Wert, wie wir ihn im Wissen der Austauschenden vorfinden? In den Ergänzungen hat Marx, wie schon zuvor erwähnt, den Satzvarianten der berühmten Formulierung im späteren Fetischkapitel den Halbsatz – »und sie so in Werthe verwandeln « (II 6, 1030) – hinzugefügt, ihn aber dann nicht in die Zweitauflage übernommen. Und einige Zeilen später finden wir in den Ergänzungen eine weitere, ebenfalls nicht übernommene Formulierung: »In der That befestigt sich der Werth-Charakter der Arbeitsprodukte überhaupt erst durch ihre Bethätigung als Werthgrössen.« (II 6, 1036)

Unterstellen wir einmal, dass Marx uns hier den Entstehungsprozeß der Kategorien, Begrifflichkeiten und Vorstellungen darlegt, wie sie sich in der Binnenperspektive der Austauschenden darstellen, noch bevor das Austauschverhältnis durch die Produktion und die Produktionskosten bestimmt ist. Das Salz oder Metall, der Gebrauchswert der »dritten Ware«, ist immer eine bestimmte Menge. Indem die Handelnden ihr Produkt mit dieser dritten Ware vergleichen, setzen sie im Vergleichen gleich; aber dieser Setzungsakt ist nicht im Bewußtsein, sondern diese im Vergleichen gesetzte Gleichheit, die »Form Austauschbarer «, stellt sich dem Bewußtsein in bestimmter Weise dar: Da sie nur die Produkte vor Augen haben, stellt sich diese Gleichheit als eine Menge an Wert dar, die ich für den Wert meines eigenen Produktes erhalte. Über die Fixierung von gleichen oder ungleichen Größen bildet sich die Wertvorstellung, als Vorstellung einer den Gegenständen selbst zukommenden Eigenschaft. Für die Handelnden hat der Gegenstand als Gegenstand Wert, eine nicht zu vermeidende Erschleichung, die uns einen Gegenstand vorlügt – die von Kant entdeckte Supreption auf der Ebene der Ökonomie. Der Wert ist ein »gegenständlicher Schein«, den der Austausch erzeugt, weil sich Stoffmenge (in der Äquivalentform) unmittelbar als eine Wertmenge präsentiert.

Diesen »Verwandlungsprozeß« hat Marx im Auge, wenn er betont, dass die »Gleichgeltung der bunt verschiednen Arbeitsweisen oder ihre Gleichheit als menschliche Arbeit ... in der Form (erscheint), dass die Dinge selbst, die Produkte der Arbeit, Werthe sind, ganz wie sie als physische Körper schwer sind« (II 6, 38). Eine andere Variante lautet: »Die Gleichheit der menschlichen Arbeiten erhält die sachliche Form der gleichen Werthgegenständlichkeit der Arbeitsprodukte« (II 6, 39). Aber diese Marxsche Argumentation setzt immer schon die Werttheorie voraus, die abstrakt-menschliche Arbeit als Substanz, und Wertgegenständlichkeit kann daher auch nur ein Gegenstand sein. Zugleich muss Marx zugestehen, dass anfänglich die »quantitativen Austauschverhältnisse ... zunächst ganz zufällig« sind, die Dinge »austauschbar sind durch den Willensakt ihrer Besitzer, sie wechselseitig zu veräussern «, und über den Größenvergleich zu Werten mutieren. Doch was heißt hier noch Gegenständlichkeit des Wertes, wenn abstrakt-menschliche Arbeit nicht vorausgesetzt werden kann und damit auch der parallel zum Gleichsetzungsakt der Handelnden sich vollziehende Reflexionsprozeß in den Dingen dieser entscheidenden Voraussetzung entbehrt? Die Hypostasierung des Geltungsgedankens hindert Marx, dessen explosiven Gehalt wahrzunehmen. Ist das Geld tatsächlich als eine an Gegenstände gebundene Gegenständlichkeit einer Gedankenbewegung zu entschlüsseln, in der »die dritte Ware« in ihrer materialen Existenz als ein übergreifendes Allgemeines gilt, als das Eine der Vielen, das sich von den Vielen selbst als ein Besonderes unterscheidet und sie zugleich als Besonderungen seiner selbst umgreift, können wir eine strukturelle Übereinstimmung des Geldes mit dem Hegelschen Ichbegriff konstatieren. Die Einheit der »schrankenlosen Unendlichkeit der absoluten Abstraktion« und des »Übergehen(s) aus unterschiedsloser Unbestimmtheit zur Unterscheidung, Bestimmen und Setzen einer Bestimmtheit « (ยงยง5 und 6 der Rechtsphilosophie) stellt sich gegenständlich dar. Dieses Ich entsteht uno actu mit seiner eigenen Gegenständlichkeit: Parmenides auf der Ebene der Ökonomie – Denken und Sein ist identisch.

Doch das Bewußtsein des sich auf diese Weise konstituierenden bürgerlichen Subjekts hat kein Selbstbewußtsein: Es bleibt Verstand, dem diese Übersinnlichkeit noch als undurchschauter Gegenstand gegen übersteht und der in einer »Wesensschau« hinter die sinnlichen Dinge späht. »Alle wirtschaftlichen Güter haben Kaufkraft, für alle kann man sich Kapital verschaffen«, versichert Schumpeter (vgl. 2. Kapitel), nicht nur Geld ist Kaufkraft, sondern auch alle Güter – »Güter jeder Art ... sind Kapital«. [ 18 ] Jedes Gut weist Kaufkraft auf, aber was ist Kaufkraft, wieder eines der Begriffsmonster? Schumpeters »Fonds von Wert«, die »wirtschaftliche, sich selbst erhaltende Energie«, wie wir bei Lowe lesen konnten? Hegels Beweis, dass der Gegenstand des Verstandes Begriff ist, läßt sich in der Ökonomie wiederholen. Der Begriff – und hier hätte Simmel einsetzen müssen und den Satz des Bewußtseins zur Anwendung bringen – muss sich im Gegenstand zeigen, aber im Gegenstand als im Verstande selbst befindlich. Denn beide – Güter und das Geld – weisen diese »innere Kraft« auf, die sich äußert als »Kraft, zu kaufen«. Keines wäre ohne das andere, jedes der beiden »sollicitiert « das andere, sie sind nur in der »Mitte und Berührung« beider. [ 19 ] Jedes setzt das andere voraus, ist von dem anderen gesetzt als vorausgesetzt. [ 20 ] Was aber durch Anderes gesetzt ist, ist schon der Begriff, heißt es bei Hegel, und so wie die Kräfte »keine eignen Substanzen (haben), welche sie trügen und erhielten«, so weisen auch die Güter keinen »intrinsischen Wert« auf: Es ist die gegenständliche Reflexion der Gedankenbewegung.

Adorno sprach wohl von realer Abstraktion, aber vermied den Ausdruck Realabstraktion. Ihm war klar, dass dieser Ausdruck, der den Sozialwissenschaftlern schnell über die Lippen ging, mit großem philosophischen Ballast befrachtet war. Auch er versuchte, gesellschaftliche Objektivität mit dem Universalienproblem in Verbindung zu bringen, aber war darin sehr viel vorsichtiger als Simmel in seiner leichtfertigen, auch nicht ansatzweise einlösbaren Rede vom Geld als » universale ante rem wie in re wie post rem«. [ 21 ] Adorno war mit seiner Vorstellung einer »Objektivität des Begrifflichen« der Sache näher gekommen. Von Hegels Auflösung der Substanz in Subjekt und dessen erneuter Substanzialisierung finden wir den zweiten Teil als Ursprung des bürgerlichen Subjekts und dessen Selbstverabsolutierung: da ihm sein eigener Gedanke als gegenständliches Wesen entgegenkommt, als ein Seiendes, kann es sich selbst ebenfalls als ein Seiendes mißverstehen. Seine eigene Genese bleibt ihm undurchsichtig.

Hier eröffnet sich aber auch ein anderer Blick auf die Beispiele im Fetischkapitel, in denen Marx versucht, den Wert als funktionelles Äquivalent einer fehlenden selbstbewußten Einheit in der Verteilung der gesellschaftlichen Gesamtarbeit dem Leser plausibel zu machen. »Alle Bestimmungen Robinsons wiederholen sich hier, nur gesellschaftlich statt individuell«, heißt es, die »vielen individuellen Arbeitskräfte (werden) selbstbewußt als eine gesellschaftliche Arbeitskraft« (23, 90f.) verausgabt. Marx postuliert, dass alle »wesentlichen Bestimmungen des Wertes« in diesen Beispielen enthalten sind. Aber was Marx darlegt, ist lediglich der quantitative Aspekt, die »wesentlichste Bestimmung«, die Bestimmung der Einheit und Allgemeinheit wird nicht thematisiert. Sein Wertbegriff ist nicht kompatibel mit seiner Auffassung der selbstbewußten Einheit: »trotz der Verschiedenheit seiner produktiven Funktionen weiß (Robinson, H.R.), dass sie nur verschiedne Betätigungsformen desselben Robinson« sind. Unter der Hand wechselt Marx in ein anderes Bezugssystem: Denn Robinson, hätte er nicht nur Bleistift und Papier beim Schiffbruch gerettet und könnte somit Buch führen über die aufzuwendende Arbeitszeit in den verschiedenen Produktionszweigen, sondern auch noch das eine oder andere philosophische Werk, könnte er auch in seiner Freizeit nachsinnen, wie er sei ne Gesamtarbeitskraft als unbestimmt übergreifend-Allgemeines von allen seinen besonderen Tätigkeiten unterscheidet und sich zugleich zu dieser oder jener besonderen Arbeit bestimmen kann. Mit anderen Worten: das Beispiel ist nur dann stimmig, wenn die Geldform als funktionales Äquivalent der fehlenden selbstbewußten Einheit begriffen wird; denn nur sie ermöglicht, als ein »gegenständliches Selbst des Bewußtseins«, die permanente Neuverteilung der gesellschaftlichen Gesamtarbeit im up and down der Preisbewegung.

Anmerkungen

[ 1 ] Vgl. Simmel, Philosophie des Geldes, a.a.O.: Wertbegriff auf S. 29, 61, 63 und 74; Wertvorstellung auf S. 24 und 37. Die Seitenzahlen in Klammern nach den folgenden Simmel-Zitaten beziehen sich auf diesen Text.

[ 2 ] Vgl. Georg Simmel an Heinrich Rickert am 10 Mai 1898, in: Georg Simmels Philosophie des Geldes, Aufsätze und Materialien, hrsg. v. Otthein Rammstedt u.a., Frankfurt am Main 2003, S. 310 (Briefauszüge); analoge Formulierung bei Emil Lask, »Zum System der Logik«, in: Gesammelte Schriften, Band 3, Tübingen 1924, S. 57ff.

[ 3 ] Karl Marx, Kritik der plutarchischen Polemik gegen Epikurs Theologie. Anmerkungen zur Doktordissertation, in: MEW Bd. 40, Ergänzungsband, Schriften bis 1844, Erster Teil, Berlin 1974, S. 371 (Herv. H.R.)

[ 4 ] Ebd., S. 373

[ 5 ] Vgl. Rohentwurf (42, 85f.): »Es wird später nötig sein ... die idealistische Manier der Darstellung zu korrigieren, die den Schein hervorbringt, als handle es sich nur um Begriffsbestimmungen und die Dialektik dieser Begriffe. Also vor allem die Phrase: das Produkt (oder Tätigkeit) wird Ware; die Ware Tauschwert; der Tauschwert Geld.«

[ 6 ] Die arbeitswerttheoretischen Überlegungen im Rohentwurf, genauer: der Zusammenhang von Arbeitszeit und Wert, korrespondieren mit diesem Gedanken, dass sich das »Allgemeine« nur im Austausch herstellt. Deutlich wird auch, dass die später als Doppelcharakter der Arbeit vorgetragene Konzeption ihren Ursprung in diesen Überlegungen hat. Das »Allgemeine«, die »Einheit«, die sich im Austausch herstellt, wird zurückprojiziert auf die Arbeit selbst, sie muss in irgend einer Form dort verankert werden. »Die Arbeit des einzelnen, im Akt der Produktion selbst betrachtet, ist das Geld, womit er unmittelbar das Produkt, den Gegenstand seiner besondren Tätigkeit, kauft; aber es ist ein besondres Geld, das eben nur dies bestimmte Produkt kauft. Um unmittelbar das allgemeine Geld zu sein, müßte sie von vornherein nicht besondre Arbeit, sondern allgemeine sein, d.h. von vornherein als Glied der allgemeinen Produktion gesetzt sein. In dieser Voraussetzung aber würde nicht erst der Austausch ihr den allgemeinen Charakter (Herv. H.R.) geben, sondern ihr vorausgesetzter gemeinschaftlicher Charakter würde die Teilnahme an den Produkten bestimmen ... Auf der Grundlage der Tauschwerte wird die Arbeit erst durch den Austausch als allgemein gesetzt (Herv. H.R.).« (42, 103f.) Dass Marx also von vornherein die Arbeitswerttheorie unterstellt – »Der barter in seiner rohsten Form unterstellt die Arbeit als Substanz und die Arbeitszeit als Maß der Waren; « (42, 135) – widerspricht dem nicht, denn das Produkt ist noch nicht diese Einheit eines Allgemeinen und Besonderen, sondern es ist nur die Vergegenständlichung besonderer Arbeitszeit. »Weil die Ware Tauschwert ist, ist sie austauschbar gegen Geld, = Geld gesetzt. Das Verhältnis, worin sie dem Geld gleichgesetzt wird, das heißt die Bestimmtheit ihres Tauschwerts, ist vorausgesetzt ihrer Umsetzung in Geld. Das Verhältnis, worin die besondre Ware gegen Geld ausgetauscht wird, d.h. das Quantum Geld, worin ein bestimmtes Quantum Ware umsetzbar, ist bestimmt durch die in der Ware vergegenständlichte Arbeitszeit. Als Verwirklichung einer bestimmten Arbeitszeit ist die Ware Tauschwert; im Geld ist das Quotum Arbeitszeit, das sie repräsentiert, sowohl gemessen als in seiner allgemeinen, dem Begriff entsprechenden, austauschbaren Form enthalten. Das Geld ist das sachliche Medium, worin die Tauschwerte getaucht, eine ihrer allgemeinen Bestimmung entsprechende Gestalt erhalten. Adam Smith sagt, dass die Arbeit (Arbeitszeit) das ursprüngliche Geld ist, womit alle Waren gekauft werden. Den Akt der Produktion betrachtet, bleibt dies immer richtig ... Die Notwendigkeit eines von der Arbeitszeit unterschiednen Geldes kömmt gerade dadurch herein, dass das Quantum Arbeitszeit ausgedrückt werden soll nicht in ihrem unmittelbaren und besondren Produkte, sondern in einem vermittelten und allgemeinen Produkt, in ihrem besondren Produkte als gleich und konvertibel gegen alle anderen Produkte derselben Arbeitszeit; der Arbeitszeit nicht in einer Ware, sondern in allen Waren zugleich, und darum in einer besondren Ware, die alle andren repräsentiert. Die Arbeitszeit kann nicht unmittelbar selbst das Geld sein (eine Forderung, die in andren Worten damit zusammenfällt, dass jede Ware unmittelbar ihr eigenes Geld sein soll), eben weil sie faktisch stets nur in besondren Produkten existiert (als Gegenstand): Als allgemeiner Gegenstand kann sie nur symbolisch existieren, eben wieder in einer besondren Ware, die als Geld gesetzt wird. Die Arbeitszeit existiert nicht als allgemeiner, von den natürlichen Besonderheiten der Waren unabhängiger und abgeschiedner (losgelöster) Gegenstand des Austauschs. Als solcher müßte sie existieren, um die Bedingungen des Geldes unmittelbar zu erfüllen. Die Vergegenständlichung des allgemeinen, gesellschaftlichen Charakters der Arbeit (und darum der Arbeitszeit, die im Tauschwert enthalten) macht eben ihr Produkt zum Tauschwert; gibt der Ware die Eigenschaft des Geldes, die aber ein selbstständig außer ihr existierendes Geldsubjekt wieder einschließt. Die bestimmte Arbeitszeit ist vergegenständlicht in einer bestimmten, besondren Ware von besondren Eigenschaften und besondren Beziehungen zu den Bedürfnissen; als Tauschwert aber soll sie vergegenständlicht sein in einer Ware, die nur ihre Qualität oder Quantität ausdrückt, gleichgültig gegen ihre natürlichen Eigenschaften ist, und daher in jede andre Ware, die dieselbe Arbeitszeit vergegenständlicht, metamorphosiert, d.h. ausgetauscht werden kann. Als Gegenstand soll sie diesen allgemeinen Charakter besitzen, der ihrer natürlichen Besonderheit widerspricht. Dieser Widerspruch kann nur gelöst werden, indem er selbst vergegenständlicht wird; d.h., indem die Ware doppelt gesetzt wird, einmal in ihrer natürlichen unmittelbaren Form, dann in ihrer vermittelten, als Geld. Das letztre ist nur möglich, indem eine besondre Ware gleichsam die allgemeine Substanz der Tauschwerte wird, oder indem der Tauschwert der Waren mit einer besondren Substanz, einer besondren Ware im Unterschied von allen übrigen, identifiziert wird. Das heißt, indem die Ware erst mit dieser allgemeinen Ware, dem symbolischen allgemeinen Produkt oder Vergegenständlichung der Arbeitszeit umgetauscht werden muss, um dann als Tauschwert gleichgültig gegen alle andren Waren beliebig austauschbar, in sie metamorphosierbar zu sein. Das Geld ist die Arbeitszeit als allgemeiner Gegenstand, oder die Vergegenständlichung der allgemeinen Arbeitszeit, die Arbeitszeit als allgemeine Ware.« (42, 100f.) »Die Arbeitszeit selbst existiert als solche nur subjektiv, nur in der Form der Tätigkeit. Insofern sie als solche austauschbar (selbst Ware) ist, ist sie nicht nur quantitativ, sondern qualitativ bestimmt und verschieden, keineswegs allgemeine, sich gleich Arbeitszeit; sondern entspricht als Subjekt ebenso wenig der die Tauschwerte bestimmenden allgemeinen Arbeitszeit, wie die besondren Waren und Produkte ihr als Objekt entsprechen.« (42, 103)

[ 7 ] In seiner frühen Kritik der »spekulativen Konstruktion« Hegels unterstellt er Hegel diesen Abstraktionsbegriff; vgl. Die Heilige Familie oder Kritik der kritischen Kritik (2, 59ff.). Interessant ist, dass sich Marx in der Erstauflage des ersten Bandes des Kapitals genötigt sieht, nun selbst diese »spekulative Konstruktion« zu wiederholen; vgl. Abschnitt »6. Lachtaube (Rigolette)« im 5. Kapitel der Heiligen Familie (2, 79): »Spekulative Lösung: Gegeben sei ein Dutzend Tiere, etwa der Löwe, der Haifisch, die Schlange, der Stier, das Pferd und der Mops. Abstrahiere dir aus diesen sechs Tieren die Kategorie: das ›Tier‹. Stelle dir das ›Tier‹ als ein selbständiges Wesen vor. Betrachte den Löwen, den Haifisch ... als Verkleidungen, als Inkarnationen des ›Tiers‹. Wie du deine Einbildung, das ›Tier‹ deiner Abstraktion, zu einem wirklichen Wesen gemacht hast, so mache nun die wirklichen Tiere zu Wesen der Abstraktion...« In der Erstauflage des Kapitals heißt es: »In der Form III ... erscheint die Leinwand dagegen als die Gattungsform des Äquivalents für alle andern Waaren. Es ist, als ob neben und ausser Löwen, Tigern, Hasen und allen wirklichen Tieren ... auch noch das Thier existierte, die individuelle Incarnation des ganzen Thierreichs. Ein solches Einzelne, das in sich selbst alle wirklich vorhandenen Arten derselben Sache einbegreift, ist ein Allgemeines, wie Thier, Gott u.s.w.« (II 5, 37)

[ 8 ] Vgl. Anhang zur Jenaer Realphilosophie, in: G.W.F. Hegel, Frühe politische Systeme, hrsg. v. G. Göhler, Berlin 1974, S. 334; Herv. H.R.

[ 9 ] Philosophie des Rechts nach der Vorlesungsnachschrift K.G. von Griesheim 1824/25, in: G.W.F. Hegel, Vorlesungen über Rechtsphilosophie 1818-1831, ed. Und komm. in sechs Bänden von Karl-Heinz Ilting, Stuttgart-Bad Cannstatt 1974, S. 229

[ 10 ] Notizen von einem Gespräch zwischen Th.W. Adorno und A. Sohn-Rethel am 16.4.1965, a.a.O., S. 137

[ 11 ] Joseph A. Schumpeter, Rezension von Gustav Cassels Theoretische Sozialökonomik, Leipzig 1927, in: Dogmenhistorische und biographische Aufsätze, Tübingen 1954, S. 208

[ 12 ] Vgl. Fußnote 5. Der Gegenbegriff zum »tauschwertsetzenden Verkehr« – die »tauschwertsetzende Arbeit« – muss als mehrwertsetzende Arbeit interpretiert werden. Die von Marx als die »praktisch wahr gewordene abstrakte Arbeit« (vgl. Einleitung, in: MEW Bd. 42, S. 39; ebenso im Rohentwurf, in: ebd., S. 219) charakterisierte Tätigkeit ist mehrwertsetzende, die auch als solche (wenn auch in bürgerlichen Kategorien) von der klassischen politischen Ökonomie – Adam Smith und David Ricardo – wahrgenommen wird. Der Gegensatz ist die »Arbeit an sich«, die »mehr noch in unsere subjektive Reflexion fällt« (42, 219). Vgl. dazu auch das 8. Kapitel.

[ 13 ] Marx an Engels vom 16. Januar 1858, in: MEW Bd. 29, S. 260

[ 14 ] Erst vor diesem Hintergrund ist es möglich, eine »Definition« der Ware in der Weise zu formulieren, wie sie von Marx im Rohentwurf wiederholt präsentiert wird: »Als Wert ist sie allgemein, als wirkliche Ware eine Besonderheit.« (42, 76) Aber darauf reflektiert Marx nicht mehr, und es gibt keinen Hinweis auf einen solchen Gedanken. Diese Konzeption, die im Rohentwurf nicht begründet wird, liegt dann allen anderen Versionen zugrunde: Das Produkt wird dem Austausch immer schon als Ware in dieser Bestimmung vorausgesetzt, als unmittelbare Einheit eines Allgemeinen und Besonderen, und mit dieser »Definition« ist dann auch die Vorentscheidung verbunden, die der gesamten Konstruktion zugrunde liegt – dass der gesamte Prozeß der Herausbildung einer Äquivalentform auf die Ware zurückgeführt werden muss. »Das Produkt wird zur Ware; die Ware wird zum Tauschwert; der Tauschwert der Ware ist ihre immanente Geldeigenschaft; diese ihre Geldeigenschaft löst sich von ihr als Geld los, gewinnt eine allgemeine ... soziale Existenz.« (42,81)

[ 15 ] »Unsere Analyse bewies, dass die Wertform oder der Wertausdruck der Ware aus der Natur des Warenwerts entspringt und nicht umgekehrt Wert und Wertgröße aus ihrer Ausdrucksweise als Tauschwert. Das ist jedoch der Wahn sowohl der Merkantilisten und ihrer modernen Aufwärmer, wie Ferrier, Ganilh usw.« (23, 75)

[ 16 ] Nicht zu vergessen den Vorschlag von Bruno Liebrucks, der die Hegelsche Subjekt-Objekt-Relation in eine Subjekt-Subjekt-Objekt-Konstellation aufzulösen sucht; vgl. Bruno Liebrucks, Sprache und Bewußtsein, Band 1: Spannweite des Problems, Frankfurt am Main 1964, S. 3

[ 17 ] Im Anhang der Erstauflage des Kapitals zu Kapitel I, 1. »Die Wertform«, in: II 5, 647.

[ 18 ] Joseph A. Schumpeter, Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung, Wien 1911; zitiert nach dem 1987 in Berlin erschienenen unveränderten Nachdruck der 1934 erschienenen vierten Auflage, S. 194

[ 19 ] G.W.F. Hegel, Phänomenologie des Geistes, Werke Bd. 3, Frankfurt am Main 1970, S. 114

[ 20 ] Am 10. Mai 1898 schreibt Georg Simmel an Heinrich Rickert: »...bei mir liegt es daran, dass ich in meiner Arbeit auf einen toten Punkt – in der Werth-Theorie! – angelangt bin und weder vorwärts noch rückwärts kann. Der Werthbegriff scheint mir nicht nur denselben regressus in infinitum, wie die Kausalität, sondern auch noch einen circulus vitiosus zu enthalten, weil man, wenn man die Verknüpfung weit genug verfolgt, immer findet, dass der Werth von A auf den von B, oder der von B nur auf den von A gegründet ist ... Damit würde ich mich schon zufrieden geben und es für eine Grundform des Vorstellens erklären, die mit der Logik eben nicht auszuschöpfen ist – wenn nicht, ebenso thatsächlich, absolute u. objektive Werthe Anspruch auf Anerkennung machten.«, in: Georg Simmels Philosophie des Geldes, Aufsätze und Materialien, hrsg. v. Otthein Rammstedt u.a., Frankfurt am Main 2003, S. 310 (Briefauszüge)

[ 21 ] Simmel, Philosophie des Geldes, a.a.O., S. 123

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