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Michael Landmanns “Israelpseudos der Pseudolinken”

Jan Gerber, Anja Worm

Der Niedergang der Neuen Linken

1971, zu einer Zeit, als der einzige Staat des Nahen Ostens, der diplomatische Beziehungen zu Israel unterhielt, der Iran war, erschien Michael Landmanns Essayband Das Israelpseudos der Pseudolinken. Das Buch ist der verzweifelte Versuch, die Neue Linke, die in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre von der Solidarität mit dem jüdischen Staat zum israelfeindlichen Furor übergegangen war, vom Antizionismus abzubringen. Noch 1967/68 hatte es unter Linken einflußreiche Stimmen gegeben, die die arabischen Vernichtungswünsche gegen den jüdischen Staat und den prompten Antizionismus großer Teile der Außerparlamentarischen Opposition (APO) kritisierten. Ulrike Meinhof, damals noch Chefredakteurin von Konkret und die Pasionaria der Bewegung, erklärte in ihrem Artikel “Drei Freunde Israels”, daß die Solidarität der Linken mit den ehemals Verfolgten auch Israel einschließen müsse. [ 1 ] Prominente Linksprofessoren wie Iring Fetscher, Alexander Mitscherlich und Walter Jens wiesen auf die arabischen Vernichtungsdrohungen hin. [ 2 ] Und selbst Peter Gäng, stellvertretender Bundesvorsitzender des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS), erklärte bei einer Demonstration aus Anlaß der Erschießung Benno Ohnesorgs auf die Frage, ob man denn nicht eigentlich auch für das bedrohte Israel demonstrieren müsse, eher verlegen, daß Israel “halt” ein imperialistischer Staat sei. [ 3 ] Vor diesem Hintergrund stießen auch die Solidaritätsaktionen, die Landmann in der Zeit des Sechstagekrieges initiierte, auf eine gewisse Resonanz: Kurz nach Beginn der Kampfhandlungen regte er eine Briefkampagne an, mit der um Unterstützung für den jüdischen Staat geworben werden sollte, mit dessen schnellem Sieg seinerzeit kaum jemand rechnete. [ 4 ] Zur selben Zeit protestierte er beim Dekan der Philosophischen Fakultät der Freien Universität Berlin, an der er 1951 zum Professor für Philosophie berufen worden war, gegen ein vom AStA geplantes antizionistisches Flugblatt. [ 5 ] Und wenige Tage später nahm er Stellung gegen ein israelfeindliches Schreiben des SDS, um eine Gegenerklärung anzuregen. [ 6 ]

1970, als Landmann die beiden Essays verfaßte, die im folgenden Jahr zusammen mit einem Aufsatz Schlomo Dereghs und einer Abhandlung Samuel Barels in Das Israelpseudos der Pseudolinken erschienen, [ 7 ] war von der Verlegenheit der Jahre 1967/68 kaum noch etwas übrig. Es waren fast nur noch jüdische Intellektuelle wie er selbst oder der sich selbst als raté, als Gescheiterten, begreifende Jean Améry, der schon 1969 seinen Text “Der ehrbare Antisemitismus” in der Zeit veröffentlicht hatte, [ 8 ] die den Antizionismus der zerfallenden Protestbewegung offen kritisierten. Während der israelpolitische Kurswechsel des Jahres 1967 noch eine durch die Dritte-Welt-Ideologie vermittelte Reaktion darauf gewesen sein mag, daß sich das kleine, bis dahin großzügig bemitleidete Israel mit der Eroberung der Westbank, des Golan, des Gazastreifens und des Sinai in eine militärisch beeindruckende Territorial- und Besatzungsmacht verwandelt hatte, [ 9 ] stand die antizionistische Gleichschaltung der Jahre 1969/70 allenfalls in einem vermittelten Zusammenhang mit der Situation im Nahen Osten. Ihr Hintergrund war weniger die Lage zwischen Mittelmeer und Jordan als zwischen Hamburg und München, Frankfurt und Berlin. So war die Neue Linke in die Krise geraten; die APO zeigte deutliche Auflösungserscheinungen: [ 10 ] Der politische Generalstreik, zu dem der SDS-Vordenker Hans-Jürgen Krahl in seiner bekannten Römerbergrede aufgerufen hatte, blieb aus; die Notstandsgesetze wurden Ende Mai 1968 verabschiedet. Das Zentrum der Revolte verlagerte sich nach der kurzen Mobilisierung des Sommers 1968 wieder in die Universitäten zurück. Zudem erodierten einige der internationalen Bezugsgrößen der Protestbewegung. “Die Neue Linke”, so kommentierte Landmann diese Entwicklung, “ist für die Wachhaltung ihres eigenen revolutionären Impetus auf die Identifikation mit den außereuropäischen Befreiungsbewegungen angewiesen. Aber der Vietnamkrieg deeskaliert, sein Empörungsreiz stumpft sich ab; in Südamerika hat sich Che Guevaras Ankündigung nicht genügend profiliert. Im Kampf der Araber gewinnt die Neue Linke wieder den für sie unentbehrlichen Außenbezug.” [ 11 ] So löste der sogenannte Nahostkonflikt den Vietnamkrieg als einigenden Mobilisierungsfaktor ab. Die arabische Kriegsführung, die sich nach der Niederlage der syrischen, ägyptischen und jordanischen Armeen im Juni 1967 zwischen spektakulären Einzelaktionen, Guerillakampf und unterschiedslosem Terror bewegte, kam der Identifikation mit Arafat, George Habash oder dem frauenbewegten role model Leila Khaled entgegen. Der Wandel der arabischen Strategie fiel ebenso zufällig wie effektvoll mit der Debatte über den bewaffneten Kampf in Europa zusammen, die von der Neuen Linken im Zuge ihres Niederganges geführt wurde. So bewahrten die verschiedenen Fraktionen der zerfallenden Neuen Linken ihre längst verloren gegangene politische Einheit ausgerechnet im Kampf gegen Israel. Ganze Ortsgruppen des SDS gaben ihre Neufindung als Palästinakomitee bekannt. Ein schmächtiger junger Mann aus Frankfurt, der später Außenminister werden sollte, fuhr 1969 zu einem PLO-Solidaritätskongreß nach Algier und lauschte den Ausführungen des Großen Vorsitzenden Yassir Arafat, der dort den palästinensischen “Endsieg” über Israel propagierte. [ 12 ] Und selbst der Berliner Colloquium-Verlag, der Landmanns Israelpseudos 1971 herausgab, veröffentlichte den Band nicht, ohne im Klappentext darauf hinzuweisen, daß der Autor die israelische Politik selbstverständlich “nicht im einzelnen” verteidige. Es gelinge ihm vielmehr, “die Grenze zu ziehen zwischen dem berechtigten Kern der vorgebrachten Argumente und ihrer propagandistischen und destruktiven Aufbauschung”.

Hier log der Verlag mit der Wahrheit. So schreibt Landmann zwar tatsächlich, daß die Forderungen der Palästinenser einen “berechtigten Kern” hätten. [ 13 ] Darüber hinaus erklärt er, daß er “manches an Israel auszusetzen” hätte: “Apologet des Bisherigen zu sein, und sei es der Staat Israel, ist [...] ein schlechter Job.” [ 14 ] Dennoch vertrat er das Gegenteil dessen, was im Klappentext suggeriert wurde. Gerade durch den Antizionismus der Neuen Linken, dem der Verlag heimlich Reverenz erwies, fand sich Landmann nach eigener Aussage in der “Rolle eines Verteidigers” wieder. Weil “die Gegenseite all das am Staat Israel überspringt, ja negiert, was an ihm zu bejahen ist, was seine Existenz rechtfertigt”, müsse er “es nun erst zur Sprache und Geltung bringen”. [ 15 ] Unter anderen Umständen, so deutet er an, hätte er etwas anderes thematisiert. Anders als vielen heutigen Freunden der “kritischen Solidarität” mit Israel ging es Landmann jedoch nicht um die Schaffung von Voraussetzungen, damit der jüdische Staat endlich wieder guten Gewissens angegriffen werden kann. [ 16 ] In einem “anderen Bezugsrahmen”, so verweist er in einer Nebenbemerkung auf den offiziellen Philosemitismus der damaligen Bundesrepublik, hätte er vielmehr den “undifferenzierten Pro-Israelismus” problematisiert, [ 17 ] der “speziell in Deutschland dem Verdacht unterliegt, für unüberwundene Schuldkomplexe und weiterhin latente faschistische Tendenzen als eine Art Blitzableiter zu dienen”. [ 18 ]

Antizionismus und Empirie

Der zentrale Essay Landmanns ist als Gegenrede zu Isaac Deutschers Schrift Der israelisch-arabische Konflikt konzipiert. [ 19 ] Dieses kleine Bändchen, das 1968 als Voltaire-Flugschrift in Frankfurt erschien, war eine der ersten antizionistischen Schriften nicht-sowjetmarxistischer, vielmehr trotzkistischer Machart, die innerhalb der westeuropäischen Linken kursierten. Deutscher bemüht in dem Interview, das diesem Text zugrunde liegt, einige der Phrasen, die auch heute noch in antizionistischen Pamphleten zu finden sind: Die Juden seien im Nahen Osten “Agenten […] mächtiger westlicher Interessen”, mit Hilfe amerikanischer Juden würde in Israel der “Geist rassistisch-talmudischer Auserwähltheit und Überlegenheit wachgehalten”, der arabische Nationalismus sei fortschrittlich und der israelische reaktionär, und die Araber hätten den “Preis für die Verbrechen zu zahlen, welche der Westen [sic!] an den Juden begangen hatte”. [ 20 ] Deutschers Text dürfte für die Neue Linke eine weitaus größere Bedeutung besessen haben als alle antizionistischen Propagandaschriften zusammen, die seit dem nahostpolitischen Kurswechsel Moskaus Anfang der fünfziger Jahre von marxistisch-leninistischer Seite verbreitet wurden. Unter Verweis auf die politische Biographie Deutschers, der in den dreißiger Jahren als Trotzkist aus der Kommunistischen Partei Polens ausgeschlossen worden war und eine der ersten kritischen Broschüren über die Moskauer Prozesse verfaßt hatte, konnte nicht nur dem von israelischer und konservativer Seite erhobenen Vorwurf begegnet werden, die Linke agiere in ihrem Antizionismus als fünfte Kolonne Moskaus. Mit Hinweis auf die jüdische Herkunft Deutschers konnte zugleich der Vorwurf zurückgewiesen werden, daß sich hinter dem Antizionismus lediglich der alte Antisemitismus verberge.

Da sich der 1913 in Basel geborene Landmann weniger der Marxschen Ideologiekritik als der Lessingschen Überzeugungsarbeit verpflichtet fühlte, bemüht er sich in seiner “Antwort an Isaac Deutscher” und seinem Essay über das “Israelpseudos der Pseudolinken” zunächst in gut aufklärerischer Manier um die Demonstration von Fakten. Ganz in diesem Sinn greift er die zentralen Behauptungen Deutschers auf, behandelt sie als Thesen und mißt sie an der Realität. Dabei tut er seinem virtuellen Diskussionspartner zwar gelegentlich Unrecht: Aller antizionistischen Stereotypie zum Trotz argumentiert Deutscher – zumindest im Vergleich zu den späteren Palästinakomitees – sogar relativ differenziert: Er verzichtet auf die Vernichtungsdrohungen, die sich innerhalb der Protestbewegung bald großer Beliebtheit erfreuten, äußert Verständnis für die schwierige Lage des jüdischen Staats und spricht von “Israels berechtigte[n] Interessen”. [ 21 ] Bernward Vesper, der Herausgeber der Voltaire-Flugschriften, konnte dem Text darum auch Ulrike Meinhofs abwägenden Konkret-Artikel “Drei Freunde Israels” von 1967 als Vorwort voranstellen. Zudem steht Deutschers Interview in seinem Werk neben zahlreichen Essays über den jüdischen Staat, die sich vehement gegen eine antiisraelische Vereinnahmung sperren. [ 22 ] So hatte der Trotzki- und Stalinbiograph in einem programmatischen Text von 1954 erklärt, daß er seinen früheren Antizionismus, der auf dem Glauben in die Arbeiterbewegung und die europäische Zivilisation basierte, längst aufgegeben habe: Sein Vertrauen sei durch Auschwitz Lügen gestraft worden. [ 23 ] Die Frage, wie es möglich sei, “dem Zionismus nicht anzuhängen, wenn man den Staat Israel als historische Notwendigkeit” anerkenne, so Deutscher, sei schwierig und schmerzhaft. [ 24 ] Er hatte keine Antwort darauf parat – außer dem Verweis auf seine Hoffnung, daß die Einteilung der Welt in Staaten und Klassen irgendwann der Vergangenheit angehöre. [ 25 ]

Michael Landmann deutet Isaac Deutschers Ausführungen zum Sechstagekrieg jedoch nicht als Ausdruck der Suchbewegung eines Marxisten, dessen Vertrauen in Fortschritt und Vernunft zutiefst erschüttert wurde und der sich dennoch nicht vom Glauben an ihren baldigen Sieg verabschieden will. Er liest Deutschers Interview vielmehr vor dem Hintergrund der beispiellosen antizionistischen Krawall- und Terrorwelle, die die Bundesrepublik und Westberlin in den Jahren 1969 und 1970 durchzog. So beschmierten Angehörige der APO in der Nacht zum 9. November 1969, dem 31. Jahrestag der Reichspogromnacht, jüdische Erinnerungsstätten in Westberlin mit den Aufschriften “El Fath” sowie “Schalom und Napalm”. [ 26 ] Am 9. November legte eine Vorgängerorganisation der Bewegung 2. Juni bei einer Gedenkveranstaltung im Jüdischen Gemeindehaus in Berlin eine Bombe und wollte den Anschlag ganz avantgardistisch als den Beginn der Stadtguerilla in der Bundesrepublik begriffen wissen. [ 27 ] Und vier Monate später, im April 1970, wurde in der Berliner Untergrundzeitschrift Agit 883 dazu aufgerufen, endlich den bewaffneten Kampf gegen Israel zu beginnen: Die Granaten auf dem Flughafen München-Riem, wo sich ein palästinensisches Kommando im Februar 1970 an der Entführung einer El-Al-Maschine versucht, einen Passagier getötet und elf weitere schwer verletzt hatte, [ 28 ] lasse nur die Reaktion zu, “die verzweifelten Todeskommandos durch besser organisierte zielgerichtetere Kommandos zu ersetzen”, die von deutschen Linksaktivisten durchgeführt würden. [ 29 ]

In diesen Aktionen und Appellen verschafften sich die deutschen Besonderheiten des Antizionismus Geltung. Denn wie nicht zuletzt die Biographien zahlreicher Wortführer der Protestbewegung zeigen – von den Nationalrevolutionären Rudi Dutschke und Bernd Rabehl bis zum späteren Vollnazi Horst Mahler [ 30 ] –, war die Neue Linke trotz aller internationalistischen Rhetorik weniger neu als deutsch. Um den ersehnten Schulterschluß mit den Eltern vollziehen zu können, der das bewußtlose Ziel so mancher Demonstration gegen den Vietnamkrieg gewesen sein dürfte, mußte die Erinnerung an das Ereignis abgewehrt werden, das die bald stattfindende Familienzusammenführung behinderte. [ 31 ] Auschwitz hatte nicht nur den zukunftsfrohen Optimismus, den Proletkult und den Ökonomismus der zwanziger Jahre dementiert, an die die Protestbewegung bei aller Distanz zur “alten” Linken anzuknüpfen versuchte. Sondern die Verschmelzung von Bevölkerung und Regime, die in der Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden ihre Quintessenz fand, hatte in Deutschland zugleich die Bezugnahme auf die Nation diskreditiert. Während die Gedächtniszeit des Holocaust in der deutschen politischen Kultur der sechziger Jahre noch kaum begonnen hatte, erinnerte die Existenz Israels permanent an Auschwitz. Als wollten sie Freuds These über den Wiederholungszwang von Neurotikern bestätigen, benahmen sich Vertreter der Neuen Linken bei der Abwehr dieser Erinnerung so, als würden sie von einer unsichtbaren Hand aus dem Führerbunker gelenkt. “Die Abwehr der Erinnerung an das Unsägliche, was geschah,” so hatten Max Horkheimer und Theodor Adorno 1959 geschrieben, “bedient sich eben der Motive, welche es bereiten halfen”: [ 32 ] antisemitischer Raserei, die sich lediglich neu ausprägt.

Diesen Zusammenhang zwischen dem Haß auf Israel und dem neulinken Bedürfnis nach der Versöhnung mit den Eltern thematisiert Landmann, der 1928 mit seiner Familie aus der Schweiz nach Deutschland übergesiedelt war, jedoch allenfalls am Rande. Der moralische Sozialist, der vor allem als Simmel-Herausgeber und durch seine Monographie über Philosophische Anthropologie bekannt wurde, [ 33 ] interessierte sich nicht sonderlich für die Untersuchungen des Frankfurter Instituts für Sozialforschung über die deutsche Schuldabwehr: Seine Kenntnisse der Kritischen Theorie waren, wie sein Vorwort zu Zoltán Tarrs Buch The Frankfurt School von 1977 zeigt, eher oberflächlich. [ 34 ] Die positiven Bezugsgrößen, auf die Landmann bei seiner Kritik Deutschers zurückgreift, sind paradoxerweise die Kategorien der Neuen Linken, der er sich trotz aller Kritik verbunden fühlte. (So war er etwa langjähriger Förderer der von Wolfgang Fritz Haug herausgegebenen Zeitschrift Das Argument.) Ebenso wie die Mitglieder des 1970 aufgelösten SDS, die in Entstehung begriffenen Palästinakomitees oder sein 1967 verstorbener Kontrahent Isaac Deutscher bezieht er sich daher positiv auf den Antiimperialismus, das Selbstbestimmungsrecht der Völker, die “nationale Befreiung” und den berüchtigten “Dritten Weg”. Diese Bezugnahme läßt ihn zwar von Zeit zu Zeit zu esoterisch anmutenden Aussagen über “Authentizität”, “nationale Identitäten” oder “kulturelle Varietäten” der Nationen greifen. [ 35 ] Er kann jedoch gleichzeitig überaus faktenreich zeigen, daß Israel nicht mit Hilfe des “westlichen Imperialismus” entstanden ist, sondern gegen ihn; [ 36 ] er legt geduldig dar, daß zwischen Jordan und Mittelmeer nicht Sozialismus und Imperialismus aufeinander treffen, sondern “zwei Volkswerdungsbewegungen, die beide berechtigt sind und zwischen denen daher ein Ausgleich gefunden werden kann und muß”. [ 37 ] Dieser Konflikt, so Landmann, werde durch den Ost-West-Konflikt lediglich überlagert. Und er kontert die Behauptung, im Nahen Osten stehe einem israelischen Imperialismus ein arabischer Sozialismus gegenüber, mit dem Verweis auf die sozialistischen Traditionen der Kibbuz-Bewegung, den Feudalismus in zahlreichen arabischen Staaten, die Sklaverei in Saudi-Arabien und die NS-Begeisterung in Ägypten und in der Baath-Partei [ 38 ] – um dann erstaunt festzustellen, daß es dem linken Antizionisten auf all das offensichtlich nicht ankommt. [ 39 ] Wer die Beweise für die arabischen Vernichtungsdrohungen gegen Israel nicht sehe, so schreibt Landmann also, “will sie nicht sehen”. [ 40 ] Gerade durch die Konfrontation des Antizionismus mit seinen eigenen kategorialen Voraussetzungen kann Landmann (und das macht seine Essays trotz seiner Orientierung am antiimperialistischen Weltbild der Neuen Linken noch immer so lesenswert) herausstellen, daß es dem Antizionisten weder um eine Analyse noch um eine Lösung der vertrackten Situation im Nahen Osten geht. Er kann zeigen, daß der Israelfeind überhaupt nicht an den Fakten interessiert ist: Allein “das Konstruierte und Imaginierte” des Antizionismus sei “zu offenkundig”. [ 41 ]

Antisemitismus und Wahn

Neben dem Hang zur Dämonisierung und zum Verschwörungsmunkeln ist es nicht zuletzt diese Aufklärungs- und Faktenresistenz, die den Antizionismus als Spielart des Antisemitismus ausweist. Der “Antiisraelismus”, so schreibt auch Landmann, ist die “moderne Form des Antisemitismus”. [ 42 ] So gibt es wohl kaum einen traditionellen Antisemiten, der auf den Nachweis, daß es sich bei den Protokollen der Weisen von Zion um eine Fälschung handelt, mit mehr als einem desinteressierten Achselzucken reagiert: Entweder er behauptet, daß wiederum der Nachweis eine Fälschung sei, oder er erklärt, wie jüngst Horst Mahler, daß die Protokolle zwar gefälscht sein mögen, ihre Aussagen jedoch allemal wahr seien. [ 43 ] Da Landmann Antisemitismus jedoch vor allem als ein bewußt eingesetztes Mittel der Bosse, Magnaten und politischen Führer begreift, das von innenpolitischen Problemen ablenken soll [ 44 ] – auch hier schwankt er allerdings zwischen dem linken common sense und der Einsicht in besseres Wissen –, kann er die Frage, warum der Antisemit die Beweise ignoriert, allerdings nicht beantworten. Landmann verläßt, mit anderen Worten, die Ebene der reinen Aufklärung durch Fakten, verzichtet jedoch darauf, den Charakter des Antisemitismus näher zu bestimmen. Er behilft sich stattdessen mit einem Vergleich: Wie “dem Irren jedes Vorkommnis zu einer Bestätigung für sein Wahnsystem” werde, müsse der Antizionist “zwanghaft alles und jedes in das Koordinatennetz Imperialismus-Antiimperialismus eintragen”. [ 45 ]

Mit dieser Analogie kommt Landmann dem Charakter des Antisemitismus allerdings weitaus näher als jeder akademische Antisemitismusexperte. Tatsächlich ist der Antisemitismus ein Wahnsystem, das sich zu rationalisieren und zu legitimieren strebt. Ebenso wie der normale Paranoiker oder Schizophrene bedient sich der Antisemit zwar regelmäßig der Empirie: Er ist geradezu besessen vom Anteil von Juden an bestimmten Berufsgruppen, vom genauen Ablauf der Operationen des Mossad oder von der Höhe des israelischen Sicherheitszaunes. In letzter Konsequenz ist es ihm jedoch nicht nur egal, was Israel und die Juden im einzelnen tun, sondern auch, wie er seine Feindschaft begründet. So kam der linke Israelhaß in den siebziger und achtziger Jahren ideengeschichtlich vor allem von Lenin und Stalin: Aufgrund seiner Konzeption am Reißbrett und seines Charakters als Einwanderungsland wurde Israel regelmäßig als “künstlicher” Staat oder als “Staatengebilde” diffamiert. Seit den neunziger Jahren bedient sich die sogenannte Israelkritik dagegen vermehrt bei Rosa Luxemburg: Israel wird nicht mehr unterstellt, zu wenig, sondern zu viel Staat, das heißt: zu partikularistisch und zu wenig universalistisch zu sein. So wurden die antizionistischen Begründungsmuster dem Zeitgeist der sich globalisierenden Welt und der Krise des Etatismus angepaßt; der Antizionismus selbst blieb hingegen mit sich identisch. Wenn es ihm nötig erscheint, so nahm Landmann solche Wandlungen, wenn auch mit Blick auf die arabische Seite, schon Anfang der siebziger Jahre vorweg, würde der Israelfeind “nötigenfalls morgen vom Sozialismus auch zur Anthroposophie schwenken”. [ 46 ]

Dieser unkonventionelle Umgang mit Konsistenz, Empirie und Logik hat seinen Grund darin, daß es dem Antisemiten weder um die konkreten Handlungen von Juden noch gar um die Palästinenser geht: Wem an den Bewohnern der Flüchtlingscamps, des Gazastreifens oder der Westbank gelegen ist, hätte sie ohnehin nicht gegen Israel, sondern gegen ihre Führer, Vorbeter und Einpeitscher zu unterstützen. Vielmehr dienen die Juden dem Antisemiten vor allem als Projektionsfläche der eigenen Wünsche, Bedürfnisse und Sehnsüchte. Der reale Konflikt im Nahen Osten, der sich kaum noch ohne den identitätsstiftenden Antisemitismus auf arabischer bzw. muslimischer Seite betrachten läßt, und die mißliche Lage der Palästinenser bieten dem Judenfeind lediglich die Gelegenheit für das Ausleben seines Ressentiments. Im Unterschied zum gewöhnlichen Irrsinn (und das verweist auf die Grenzen der Analogie Landmanns) sind die fixen Ideen des Antisemiten jedoch nicht individueller Natur, sondern gesellschaftlich vermittelt. Darum wird der gewöhnliche Wahnsinnige in der Regel auch isoliert und “behandelt”, um Störungen des Betriebs zu vermeiden, während der Judenhasser psychisch weitgehend intakt und sozial integriert bleibt – und in Krisenzeiten sogar zum gesellschaftlichen Vorbild werden kann. [ 47 ] So verschafft das Verschwörungsdenken, das im Zentrum des Antisemitismus steht, eine Übersichtlichkeit und Transparenz, die weder die ökonomischen und politischen Abläufe unter der Herrschaft des Wertgesetzes noch die liberalen Normalideologien der kapitalisierten Gesellschaft noch bieten können. Der Glaube an die jüdische Weltverschwörung, die Kontrolle der Weltwirtschaft durch Ben Bernanke oder die Steuerung der amerikanischen Politik durch die Knesset mindert die narzißtischen Kränkungen und das Ohnmachtsgefühl, die die abstrakte Herrschaft des Weltmarktes, der großen Verwaltungen und des Politbetriebs für jeden Einzelnen bereithält. Er liefert den zutiefst befriedigenden Glauben, die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse zu durchschauen.

Mit dieser Personalisierung gesellschaftlicher Verhältnisse hält die Judenfeindschaft zugleich die Option parat, die eigene Handlungsfähigkeit in pervertierter Form wiederzuerlangen. Neben den je regionalen Bedürfnissen, die der Antisemitismus bedient (in Deutschland die Schuldabwehr, im Zwischenkriegspolen die Ausschaltung unliebsamer Konkurrenz usw.), bietet er die Möglichkeit, den eigenen Verfolgungstrieb mit gutem Gewissen auszuleben. In dieser Sehnsucht nach dem Gewaltausbruch verschaffen sich die unterdrückten Triebe, die tagtäglich auf dem Arbeits-, Beziehungs- und Sexualmarkt hingenommenen Demütigungen und die angesammelten Ohnmachtserfahrungen kompensatorisch Geltung. Ebenso wie die Protokolle der Weisen von Zion den heimlichen Generalplan für die Weltherrschafts- und Ausrottungspläne der Nazis lieferten, [ 48 ] werden mit den obsessiven Beschreibungen vermeintlich israelischer Verbrechen oder den Auslassungen über die Macht der Juden eigene Sehnsüchte auf den jüdischen Staat projiziert. Die Forderungen nach der Anerkennung der Hamas und der Hisbollah oder nach der Rückkehr von fünf Millionen palästinensischen Flüchtlingen nach Israel sind nur unschwer als Ausdruck jener Zerstörungswünsche zu erkennen, die dem jüdischen Staat regelmäßig unterstellt werden; die Rede von der jüdischen Gier bemäntelt jene Schnäppchenmentalität, die hierzulande fraktionsübergreifend zu beobachten ist.

Doch auch wenn es dem Antisemiten in letzter Konsequenz nicht auf die konkreten Handlungen von Juden ankommt, ist das Ziel seiner Obsessionen nicht austauschbar. Da im Zentrum des modernen Judenhasses der Glaube an eine weltumspannende Verschwörung und die Sehnsucht nach Verfolgung stehen, fiel die Objektwahl im Zuge der ursprünglichen Akkumulation des Antisemitismus auf diejenigen, die geschichtlich sowohl als Projektionsfläche als auch als Opfer des Mobs präformiert waren: Spätestens seit der Zerstörung des Zweiten Tempels lebten die Juden grenzüberschreitend in der Diaspora; infolge des christlichen Zinsverbots und ihrer religiös begründeten Verdrängung aus der Landwirtschaft und den Handwerksberufen wurden sie in die Zirkulationssphäre eingesperrt, der bald die Verantwortlichkeit für Not und Armut anhaftete; und aufgrund ihrer Beschuldigung als Christusmörder und ihres Standes als einzige nichtchristliche Gemeinschaft in Europa standen sie zudem regelmäßig ohne herrschaftlichen Beistand da: “Die Wut”, so schreiben Horkheimer und Adorno in der Dialektik der Aufklärung, “entlädt sich auf den, der auffällt ohne Schutz.” [ 49 ] Der Antisemit sucht sich das Objekt seiner Obsessionen also in der Vorgeschichte des Antisemitismus; der traditionelle, vor allem religiös begründete Judenhaß hat sich in den Antisemitismus hinein säkularisiert.

Analog dazu kann der Antizionismus als sekundäre Säkularisierung der traditionellen Judenfeindschaft begriffen werden. Auch wenn der Antizionismus schon bei den Nazis die geopolitische Entsprechung des Antisemitismus war, ist sein Bedeutungsgewinn nach 1945 nicht allein der Proklamation Israels und den Gelegenheiten geschuldet, die der sogenannte Nahostkonflikt bietet. Er hat sich zugleich ausgeweitet, weil der klassische Antisemitismus, der auf dem offenen Bekenntnis gegen die Juden basierte, im Westen nach dem Holocaust nur noch an den Rändern der Gesellschaft möglich ist.

Gerade aufgrund dieses inzwischen nahezu überhistorisch erscheinenden Charakters des Antisemitismus irrt sich Landmann jedoch, wenn er den Zionismus immer wieder mit anderen nationalen Befreiungsbewegungen gleichsetzt. Der Zionismus ist gerade keine beliebige Staatswerdungsbewegung. Er ist eine Reaktion auf das Scheitern der zentralen Ideen der Aufklärung: des Gedankens der einen Menschheit, der Suspendierung der Herkunft und, unmittelbar damit verbunden, der Emanzipation der Juden. Anders als gern behauptet, versagt der Zionismus dabei zwar an der Monstrosität von Auschwitz. Die Juden im britischen Mandatsgebiet in Palästina überlebten den Holocaust nicht dank des Zionismus, sondern aufgrund des doppelten Zufalls aus geographischer Lage und britischem Kriegsglück: Hätte die achte britische Armee den Vormarsch des deutschen Afrikakorps bei El Alamein nicht gestoppt, wäre den Juden des Jischuw dasselbe Schicksal beschieden worden wie der jüdischen Bevölkerung Polens, Ungarns, der Niederlande, Griechenlands usw. [ 50 ] Im Unterschied zum bis dahin geläufigen Antisemitismus, der auf der Differenz zwischen allgemeiner Vernichtungsdrohung und dem Zurückschrecken vor seiner eigenen Logik basierte, zielten die Nazis auf die unterschiedslose Ermordung aller Juden überall – der deutsche Vernichtungsantisemitismus machte an keiner Grenze halt. Die Vorstellung vom Überleben des Holocaust qua Zionismus gehört zu den Mythen, auf die Israel wie jeder Staat angewiesen ist. Wohl aber kann ein jüdischer Staat Schutz vor jenen weiterhin bestehenden Ausprägungsformen des Antisemitismus bieten, ohne die auch Auschwitz nicht möglich gewesen wäre. Denn wie nicht zuletzt das Schicksal der Hunderttausenden zeigt, die in den dreißiger und frühen vierziger Jahren als Staatenlose aus der Menschheit ausgeschlossen wurden, kann sich niemand seiner vermeintlich unveräußerlichen Rechte sicher sein, wenn sie nicht von einem Staat geschützt werden. [ 51 ] Diskriminierung und Verfolgung sind in ihren Anfängen immer auch Demoskopie, mit der ermittelt wird, wie weit die Täter gehen können: Wann ist welche Bevölkerungsgruppe oder ausländische Macht dazu bereit, sich der Opfer anzunehmen? Auch die Nazis gingen daher erst dann zur Vernichtung über, als sich selbst nach dem Transport der Juden in die Ghettos niemand fand, der willens oder fähig war, sie durch die Verleihung der Staatsbürgerrechte wieder in die Menschheit aufzunehmen. Das Recht auf Leben, so Hannah Arendt, “wird erst dann in Frage gestellt, wenn die absolute Rechtlosigkeit – und das heißt, daß niemand sich bereit findet, Rechte für diese bestimmte Kategorie von Menschen zu garantieren – eine vollendete Tatsache ist”. [ 52 ] Soll heißen: Der jüdische Staat ist nicht allein durch sein bloßes Bestehen legitimiert – was, nebenbei, schon ein mehr als ausreichender Daseinsgrund wäre –, sondern er gewinnt eine zusätzliche Existenzberechtigung aus seiner Funktion als Interessenvertretung und potentielles Asyl für diejenigen, die die Gesellschaften gerade in Krisensituationen noch immer außerhalb von Staat, Nation und Gesetz stellen wollen.

Hoffnung und Beschwörung

Landmanns Essays erinnern an vielen Stellen an die fast zeitgleich verfaßten Aufsätze Jean Amérys. Améry, der 1912 in Wien geboren wurde, und Landmann befanden sich in einer ähnlichen Situation: Beide sympathisierten mit der Neuen Linken, beide sahen sich durch die antizionistische Hetze abgestoßen und erneut ausgegrenzt. Mit dem Ausleben ihrer Sehnsucht nach einer positiven nationalen Identität, die dem israelpolitischen Richtungswechsel zumindest in Deutschland zunächst zugrundegelegen haben dürfte, kündigte die Protestbewegung, wie Dan Diner vor inzwischen fast dreißig Jahren schrieb, den “Juden in der Linken die Geschäftsgrundlage auf, eine Geschäftsgrundlage ehemals Gleicher”. [ 53 ] Wenn Isaac Deutscher in Anlehnung an seine gleichnamige Schrift von 1958 regelmäßig als “nichtjüdischer Jude” tituliert wird, [ 54 ] können Améry und Landmann im Gegenzug als nichtlinke Linke bezeichnet werden. Sie fühlten sich der Linken verbunden, sahen sich allerdings immer wieder in Opposition zum Mainstream der Bewegung. Der Grund: Da sie der Nationalsozialismus in ihren Grundfesten erschüttert hatte, waren sie im Unterschied zur Mehrheit der Linken nur noch bedingt dazu in der Lage, ungebrochen an die Parolen und Gewißheiten der zwanziger Jahre anzuknüpfen. So war Landmann, der ebenso wie Améry in einem assimilierten Elternhaus aufgewachsen war, durch die Erfahrung des Antisemitismus und des Nationalsozialismus zum Judentum zurückgeführt worden. [ 55 ] Sich weiterhin als ein Deutscher zu begreifen, so schrieb er später, hätte im Widerspruch zu all dem gestanden, was ihm täglich begegnete: [ 56 ] “Nach der wahnwitzigen Hinschlachtung von sechs Millionen Juden (unter ihnen eine Million Kinder) durch Hitler war ich nur noch eines: Jude. Ich stand auf der Seite der Verlierer.” [ 57 ] Während Landmann, der 1933 aus seiner Wahlheimat Deutschland in die Schweiz emigrieren konnte, seine Zugehörigkeit fortan vor allem nationaljüdisch begründete, definierte Améry sein Judentum in erster Linie negativ, aus der Verfolgung: “Ich trage auf meinem linken Unterarm die Auschwitz-Nummer; sie liest sich kürzer als der Pentateuch oder der Talmud und gibt doch gründlicher Auskunft. Sie ist auch verbindlicher als Grundformel der jüdischen Existenz.” [ 58 ]

Auf dieser Differenz basieren zugleich die Unterschiede zwischen Amérys und Landmanns Parteinahmen für Israel. Améry verwies vor allem auf die Erfahrung der Verfolgung und die darauf beruhende “existentielle Bindung” der Juden an Israel: [ 59 ] Jeder Jude, selbst wenn er “sich überhaupt nicht als wesentlich jüdisch bestimmt fühlt”, weiß, “daß, wann immer es ihm, wo immer, an den Kragen ginge, ein Fleck Erde da ist, der ihn aufnähme, unter allen Umständen”. [ 60 ] Seit der Staat Israel bestehe, “haben die Juden für alle Fälle ein virtuelles Asyl”. [ 61 ] Landmann erwähnte diesen Zusammenhang zwischen der Staatsgründung und der Erfahrung der Verfolgung dagegen stets nur als – allerdings selbstverständliche – Beiläufigkeit: “Israel ist eine Heimstätte der Verfolgten und weckt daher schon aus humanen Gründen Sympathie.” [ 62 ] Im verzweifelten Versuch, Staatbürgerschaft nicht allein aus der Verfolgung, sprich: den Nürnberger Rassegesetzen, abzuleiten, begründete er die Existenz Israels stattdessen im Stil eines linkszionistischen Antiimperialismus vor allem mit dem Selbstbestimmungsrecht der Völker, der “Tradition” und einem darauf basierenden Recht auf “nationale Identität”: “Die Juden stehen in der Diaspora überall vor der Gefahr, ihre eigene Identität zu verlieren. Sie können ihre nationale Existenz einzig in Israel leben. Der Kampf der Palästinenser um das von Israel eingenommene Fünftel Palästinas ist ein Kampf um Territorien. Die Juden dagegen kämpfen in Israel um ihr Selbstsein.” [ 63 ]

Wenn Landmann und Améry ihre Solidarität mit Israel somit auch unterschiedlich begründeten, verfolgten sie mit ihren Essays über den “ehrbaren” oder den “neuen Antisemitismus”, [ 64 ] das “Israelpseudos der Pseudolinken” und der “Antwort an Isaac Deutscher” jedoch das gleiche Ziel: Die Protestbewegung sollte an die gemeinsame Geschäftsgrundlage erinnert werden. Und so verwiesen die beiden Autoren immer wieder auf die tatsächlichen und vermeintlichen Verdienste der Neuen Linken, um sie an diese Traditionen zu erinnern. Sein Essayband soll, wie Landmann in der Vorrede zum Israelpseudos der Pseudolinken erklärt, ein Appell an die Linke sein, “die Bedingungen für ein Gespräch wiederherzustellen”. [ 65 ] Sowohl die Texte Amérys als auch die Essays Landmanns lesen sich dementsprechend an vielen Stellen weniger als Streitschriften denn als Beschwörungen. Améry weist in seinem ersten Artikel über den “ehrbaren Antisemitismus” eindringlich darauf hin, daß die “Allianz des antisemitischen Spießer-Stammtisches mit den Barrikaden” eine “Sünde wider den Geist” sei; [ 66 ] Landmann konstatiert, daß sich die Protestbewegung mit ihrer antizionistischen Wende aus einer “echten Linken” in eine “Pseudolinke” verwandle. [ 67 ] Améry erklärt, daß sich die antizionistische Linke “schon jetzt mitschuldig am Genozid” mache; [ 68 ] Landmann stellt die verzweifelte Frage: “Will die Neue Linke passiv danebenstehen – und sich dadurch mitschuldig machen –, will sie es gutheißen, wenn das Unausmalbare, aber arabischerseits täglich Angedrohte geschehen sollte und Israel untergeht?” [ 69 ]

Diese Beschwörungen zeigen: Landmann, der angetreten war, die Protestbewegung davon zu überzeugen, daß der Antizionismus ihren eigenen Prinzipien widerspricht, setzte nach seiner Auseinandersetzung mit den Argumenten der linken Israelfeinde nicht nur keine großen Hoffnungen in die Aufklärbarkeit der Antizionisten. Er machte sich darüber hinaus auch keine besonderen Illusionen mehr über den Zustand der Neuen Linken. Diejenigen, die das “Establishment des Faschismus bezichtigen”, so schreibt er hellsichtig, entfalten zum Teil “selbst faschistische Züge”. [ 70 ] Landmann versuchte die Protestbewegung zwar schließlich noch einmal mit zwei Behauptungen von ihrem Antizionismus abzubringen: Die Neue Linke, so erklärt er, stoße durch ihren Haß auf Israel nicht nur viele Sympathisanten ab; [ 71 ] zahlreiche Vertreter der Linken stünden darüber hinaus auch in Opposition zum Antizionismus. [ 72 ] Allein durch die Häufigkeit dieser Aussagen deutete er jedoch an, daß er es besser wußte. Sein Buch versammelt damit in realitas Texte ohne Ansprechpartner. Es basiert auf einer Aporie, die auch mit der Formel “theoretischer Pessimismus” versus “praktischer Optimismus”, mit der das politische Denken Max Horkheimers einmal beschrieben wurde, [ 73 ] nicht aufgelöst werden kann. Landmann weigerte sich einerseits, “das irrationale Überwechseln” der Protestbewegung “von links in rechts” [ 74 ] – von Améry als Eintauschen des letzten “Quentchen[s] gesunden Menschenverstandes” gegen “Werwolfromantik” bezeichnet [ 75 ] – hinzunehmen. Andererseits intonierte er einen der frühesten Abgesänge auf die Protestbewegung, der zeigt, daß man in Sachen neulinker Antizionismus schon in seiner Entstehungsphase schlauer sein konnte als die Joschka Fischers und Hans-Jürgen Krahls von damals. [ 76 ] In der Vorbemerkung, die bekanntlich stets zum Schluß geschrieben wird, erklärt Landmann: “Als bei einer Berliner Demonstration 1969 Angehörige der Außerparlamentarischen Opposition sich als El-Fatah-Leute verkleideten, da war der angebliche Demonstrationszug in Wahrheit ein Leichenzug, in dem die Hoffung zu Grabe getragen wurde.” [ 77 ]

Die normative Kraft des Faktischen

Im Rückblick gibt es von Landmanns Urteil über die Entwicklung der Neuen Linken nichts zurückzunehmen. Im Gegenteil. Anfang der siebziger Jahre hatte er noch erklärt, daß die Protestbewegung zum Teil “faschistische Züge” trage. Nur fünf Jahre nach der Veröffentlichung von Das Israelpseudos der Pseudolinken entführte ein Kommando aus deutschen und palästinensischen Linken eine israelische Passagiermaschine und selektierte die jüdischen von den nichtjüdischen Insassen. Während die nichtjüdischen Passagiere innerhalb weniger Tage freigelassen wurden, blieben die jüdischen Fluggäste bis zur Erstürmung der Maschine in der Hand der Entführer. Mindestens vier Insassen, darunter die Holocaust-Überlebende Dora Bloch, starben unter noch immer nicht ganz geklärten Umständen. [ 78 ] An dieser nicht nur “zum Teil”, sondern durchweg faschistischen Aktion hatte die zerfallende Protestbewegung nichts auszusetzen. Wer Kritik äußerte, die über eine allgemeine Mißbilligung von Flugzeugentführungen hinausging, dem drohte der Ausschluß aus der neulinken Gemeinschaft. Erklärte Landmann 1970 noch, daß die Gleichung “links gleich antizionistisch” im Untergrund bereits unreflektierte Selbstverständlichkeit sei [ 79 ] – in anderen Fraktionen glaubte er, wenn auch mehr hoffend als wissend, noch kritische Stimmen erkennen zu können –, galt diese Aussage 1976 für die gesamte Neue Linke. Im Herbst 1978, nach seiner Emeritierung, wanderte er schließlich nach Israel aus: Diese Entscheidung hatte er zwar bereits lange vorher getroffen, aber der schlecht camouflierte Antisemitismus vieler seiner Studenten erleichterte ihm, wie er schrieb, den Abschied aus Berlin. [ 80 ]

Inzwischen ist die radikale Linke, die sich als Lordsiegelwahrer der Neuen Linken begreift, verdientermaßen marginalisiert. Sie hat ihre Aufgabe – die Konservierung des Irrsinns von Volk, Ursprünglichkeit und Unmittelbarkeit in einer Zeit, in der kein großer Bedarf danach bestand – jedoch erfüllt. Der antiisraelische Furor ist im politischen Mainstream, in dem die Unterscheidung zwischen “links” und “rechts” ohnehin kaum noch getroffen werden kann, angekommen. Um die einschlägigen Stereotypen zu hören, muß kein Vortrag eines marxistisch-leninistischen Selbstfindungszirkels mehr besucht werden. Es genügt vielmehr, die Süddeutsche Zeitung aufzuschlagen oder den Bericht über Israel auf 3Sat zu schauen. Die Studenten der sechziger und siebziger Jahre sind, wie Michael Landmann 1972 in einem Memorandum für die Bnai Brith Loge befürchtete, inzwischen “als Lehrer, Publizisten und als Beamte in maßgeblichen Stellungen Multiplikationen”. [ 81 ]

Auch wenn sich der Antizionismus inzwischen transformiert hat und der zentrale europäische Schlachtruf gegen Israel nicht mehr das brutal-eindeutige, von Landmann erwähnte “Schlagt die Zionisten tot, macht den Nahen Osten rot!”, sondern die differenziert-feingeistig daherkommende Formel der “Israelkritik” ist, sind Landmanns Ausführungen noch immer aktuell. Lediglich eine seiner zentralen Aussagen muß heute, mehr als vierzig Jahre nach der Niederschrift der Essays, revidiert werden. Konnte der “verspätete Aufklärer” (Landmann über Landmann) [ 82 ] unter Verweis auf israelsolidarische Traditionen eines Teiles der Neuen Linken 1970 noch erklären, daß sich die Protestbewegung in ihrem antiisraelischen coming out von einer “echten Linken” in eine Pseudolinke verwandle, ist eine solche Aussage heute nicht mehr möglich. Vierzig Jahre antizionistischer Antisemitismus der Neuen Linken haben die Phase kurzzeitiger historischer Erkenntnis von einer freizulegenden Tradition in einen unbedeutenden Zwischenfall verwandelt. Die “echte Linke”, die Landmann noch vor ihrer Metamorphose in eine israelfeindliche “Pseudolinke” bewahren wollte, ist inzwischen die israelfeindliche Linke. Auch hier wirkt die normative Kraft des Faktischen. Das heißt zugleich: Die Idee der Emanzipation, die sich die Linke einst auf ihre Fahnen geschrieben hatte, kann nicht mehr mit dieser Linken wach gehalten werden, sondern, wenn überhaupt, nur noch im stetigen Widerspruch zu ihr.

Anmerkungen

[ 1 ] Ulrike Meinhof: Drei Freunde Israels, in: Konkret 7 (1967). Wieder abgedruckt in: dies.: Die Würde des Menschen ist antastbar. Aufsätze und Polemiken, Berlin 1992.

[ 2 ] Die Redebeiträge, die Fetscher et al. anläßlich der Kundgebung “Für einen dauerhaften Frieden im Nahen Osten und für das Lebensrecht des Staates Israel” am 27. Juni 1967 in Frankfurt hielten, sind dokumentiert in: Ernst Bloch u.a.: Frieden im Nahen Osten. Zum arabisch-israelischen Konflikt, Frankfurt am Main 1967. An dieser Dokumentation ist zu erkennen, daß ein Teil der Redner bereits dabei ist, sich von der Parteinahme für Israel zu verabschieden.

[ 3 ] Detlev Claussen: Im Hause des Henkers, in: Dietrich Wetzel (Hrsg.): Die Verlängerung von Geschichte. Deutsche, Juden und der Palästinakonflikt, Frankfurt am Main 1983, S. 115.

[ 4 ] Vgl. Norbert Hinske: Zeit der Enttäuschungen. Erinnerungen an Michael Landmann, in: Klaus-Jürgen Grundner u.a. (Hrsg.): Exzerpt und Prophetie. Gedenkschrift für Michael Landmann, Würzburg 2001, S. 7.

[ 5 ] Das Schreiben ist dokumentiert in Michael Landmann: Jüdische Miniaturen. Zweiter Band. Israelische Streitschriften und Tagebücher, Bonn 1982.

[ 6 ] Das Schreiben ist dokumentiert in ebd.

[ 7 ] S. [Samuel] Barel: Tatsachen zum Nahostkonflikt, in: Michael Landmann: Das Israelpseudos der Pseudolinken, Berlin 1971; Schlomo Deregh: Der israelische Sozialismus, in: ebd.

[ 8 ] Jean Améry: Der ehrbare Antisemitismus [1969], in: ders.: Werke. Bd. 7, Stuttgart 2005.

[ 9 ] Bereits in dieser Zeit waren allerdings auch Dinge maßgeblich, die wenig mit der Situation im Nahen Osten zu tun hatten. So begann der Sechstagekrieg nur drei Tage nach der Ermordung des Studenten Benno Ohnesorg am Rande einer Demonstration gegen den Berlin-Besuch des Schahs von Persien. Gerade die Publikationen des Springer-Verlages, die seit Monaten eine enorme Hetze gegen die Protestbewegung betrieben hatten, feierten den Sieg Israels mit einer wahren Blitzkriegsbegeisterung. Nachdem sich auch andere konservative Kreise erstmals euphorisch zu Israel bekannten – bis zur offiziellen Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und Israel 1965 waren sie in der Regel auf Distanz zum jüdischen Staat gegangen –, schien die Linke ihre Solidarität in einer Art Spiegelspiel von den Positionen der Konservativen und Rechten abhängig machen zu wollen.

[ 10 ] Zum Folgenden vgl. Jan Gerber: Nie wieder Deutschland? Die Linke im Zusammenbruch des “realen Sozialismus”, Freiburg 2010, S. 32 ff.

[ 11 ] Im vorliegenden Band, S. XX.

[ 12 ] Vgl. etwa Neue Vorwürfe: Nahm Fischer 1969 an PLO-Konferenz teil? In: Spiegel Online vom 12. Februar 2001.

[ 13 ] Ebd., S. XX.

[ 14 ] Ebd., S. XX.

[ 15 ] Ebd., S. XX.

[ 16 ] Zur Formel der “kritischen Solidarität” und der damit verschwägerten “Israelkritik” vgl. etwa Redaktion Bahamas: Gegen das Menschenrecht auf Israelkritik, in: Bahamas 42 (2003).

[ 17 ] Im vorliegenden Band, S. XX

[ 18 ] Ebd., S. XX.

[ 19 ] Isaac Deutscher: Der israelisch-arabische Konflikt (Voltaire-Flugschrift 21), Berlin 1968; wieder veröffentlicht in ders.: Der nichtjüdische Jude. Essays, Frankfurt am Main 1988.

[ 20 ] Ebd., S. 27, 10, 16 f., 15.

[ 21 ] Im vorliegenden Band, S. XX.

[ 22 ] Eike Geisel, damals noch kein Kritiker des Antizionismus, und Mario Offenberg schrieben im Nachwort zur deutschen Erstausgabe von Deutschers Essayband Der nichtjüdische Jude (Rotbuch-Verlag) mit Blick auf diese Äußerungen von “problematische[n] Formulierungen” und “Fehleinschätzungen”. S. 137, S. 139. Der Band erschien unter dem bezeichnenden Titel Die ungelöste Judenfrage. Zur Dialektik von Antisemitismus und Zionismus (Berlin 1977), zwei Texte der englischen Originalausgabe fehlten. Erst die zweite Auflage von 1988 erschien unter dem Titel Der nichtjüdische Jude mit allen Texten des englischen Originals. Auf das Nachwort von Geisel und Offenberg wurde verzichtet; Detlev Claussen schrieb ein Vorwort.

[ 23 ] Isaac Deutscher: Israels geistiges Klima, in: ders.: Der nichtjüdische Jude, S. 53.

[ 24 ] Ebd., S. 54.

[ 25 ] Ebd., S. 54–58.

[ 26 ] Vgl. Jan Gerber: “Schalom und Napalm”. Die Stadtguerilla als Avantgarde des Antizionismus, in: ders., Joachim Bruhn (Hrsg.): Rote Armee Fiktion, Freiburg 2007.

[ 27 ] Zum Antizionismus der deutschen Stadtguerilla vgl. ebd.; speziell zum Bombenanschlag auf das Jüdische Gemeindehaus vgl. Wolfgang Kraushaar: Die Bombe im Jüdischen Gemeindehaus, Hamburg 2005.

[ 28 ] Vgl. insgesamt Wolfgang Kraushaar: “Wann endlich beginnt bei Euch der Kampf gegen die heilige Kuh Israel?” München 1970: Über die antisemitischen Wurzeln des deutschen Terrorismus, Reinbek bei Hamburg 2013.

[ 29 ] D. [Dieter Kunzelmann]: Brief aus Amman [II]. Das palästinensische Volk wird in seinem bewaffneten Kampf siegen, in: Agit 883 55 (1970), S. 11.

[ 30 ] Zu Dutschke vgl. Wolfgang Kraushaar: Rudi Dutschke und die Wiedervereinigung. Zur heimlichen Dialektik von Nationalismus und Internationalismus, in: ders.: 1968 als Mythos, Chiffre und Zäsur, Hamburg 2000. Zu Mahler, Rabehl et al.: ders.: Die neue Unbefangenheit. Zum Neonationalismus ehemaliger 68er, in: ebd. Exemplarisch: Horst Mahler: Das Ende der Wanderschaft, Bamberg 2013.

[ 31 ] Ende der siebziger Jahre war es dann soweit: Die zu dieser Zeit entstandene Väter-Literatur und ihr Erfolg stehen symbolisch für die Ankunft der Protestbewegung im Schoß der Familie, die hierzulande noch immer die Keim- und Kleinform der Nation ist.

[ 32 ] Max Horkheimer, Theodor W. Adorno: Vorwort [zu Paul W. Massings Vorgeschichte des politischen Antisemitismus], in: Max Horkheimer: Gesammelte Schriften. Bd. 8, Frankfurt am Main 1985, S. 126.

[ 33 ] Zu Landmann und Simmel vgl. Klaus Christian Köhnke: Simmel ohne Landmann? In: Klaus-Jürgen Grundner u. a. (Hrsg.): Exzerpt und Prophetie. Dort auch eine Zusammenstellung aller Arbeiten Landmanns über Simmel. Michael Landmann: Philosophische Anthropologie. Menschliche Selbstdeutung in Geschichte und Gegenwart, Berlin 1955.

[ 34 ] Michael Landmann: Foreword, in: Zoltan Tar[r]: The Frankfurt School. The Critical Theories of Max Horkheimer and Theodor W. Adorno, New York 1977.

[ 35 ] Etwa: Michael Landmann: Jean Paul Sartres “Betrachtungen zur Judenfrage”, in: ders.: Jüdische Miniaturen. Erster Band. Messianische Metaphysik, Bonn 1982, S. 141 f.; ders.: Jean Paul Sartres “Betrachtungen zur Judenfrage”, in: ders.: Jüdische Miniaturen. Erster Band. Messianische Metaphysik, Bonn 1982, S. 141 f..; Im vorliegenden Band, S. XX.

[ 36 ] Im vorliegenden Band, S. XX.

[ 37 ] Ebd., S. XX.

[ 38 ] Ebd., S. XX.

[ 39 ] Ebd., S. XX.

[ 40 ] Ebd., S. XX.

[ 41 ] Ebd., S. XX.

[ 42 ] Ebd., S. XX.

[ 43 ] Horst Mahler: Das Ende der Wanderschaft.

[ 44 ] Ebd., S. XX.

[ 45 ] Ebd., S. XX.

[ 46 ] Ebd., S. XX.

[ 47 ] Gerhard Scheit: Die Meister der Krise. Über den Zusammenhang von Vernichtung und Volkswohlstand, Freiburg 2001, S. 75.

[ 48 ] Vgl. etwa Alexander Stein: Adolf Hitler, Schüler der “Weisen von Zion”, hrsg. von Lynn Ciminski und Martin Schmitt, Freiburg 2001.

[ 49 ] Max Horkheimer, Theodor W. Adorno: Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente, Frankfurt am Main 1988, S. 180.

[ 50 ] Dieser Gedanke findet sich erstmals bei Hannah Arendt: Der Zionismus aus heutiger Sicht, in: dies.: Die verborgene Tradition. Acht Essays, Frankfurt am Main 1976, S. 150 f. Auch: Dan Diner: Gegenläufige Gedächtnisse. Über Geltung und Wirkung des Holocaust, Göttingen 2007, S. 20 f.

[ 51 ] Ebenso wie die Notwendigkeit von Recht und Gesetz darauf verweist, daß die Gesellschaft weiterhin eine gewalttätige ist, daß es also des gesetzlichen Schutzes des Einzelnen bedarf, ist das Recht nichts Freischwebendes, sondern an den Souverän gebunden.

Zum Folgenden vgl. etwa Hannah Arendt: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft. Antisemitismus, Imperialismus, totale Herrschaft, Frankfurt am Main 1986, S. 608 ff.

[ 52 ] Ebd., S. 612.

[ 53 ] Dan Diner: Linke und Antisemitismus. Überlegungen zu Geschichte und Aktualität, in: Karlheinz Schneider, Nikolaus Simon (Hrsg.): Solidarität und deutsche Geschichte, Berlin 1984, S. 80.

[ 54 ] Isaac Deutscher: Der nichtjüdische Jude.

[ 55 ] Michael Landmann: Mein Judentum, S. 221

[ 56 ] Ebd., S. 211.

[ 57 ] Ebd., 213.

[ 58 ] Jean Améry: Jenseits von Schuld und Sühne. Bewältigungsversuche eines Überwältigten [1966], 3. Auflage, Stuttgart 1997, S. 146. Insbesondere in seinem Text “Mein Judentum” von 1978 weicht Améry diese Sicht jedoch auf und spricht ebenfalls verstärkt von “Authentizität”, einer jüdischen “Rasse”, der er seinen Intellekt und seine seelischen Befindlichkeiten qua Geburt verdanke. Jean Améry: Mein Judentum, in: ders.: Werke. Bd. 7.

[ 59 ] Z.B. ders.: Der neue Antisemitismus [1976], in: ders.: Werke. Bd. 7, S. 165.

[ 60 ] Ders.: Juden, Linke – linke Juden. Ein politisches Problem ändert seine Konturen [1973], in: ders.: Werke. Bd. 7, S. 155.

[ 61 ] Ders.: Der neue Antisemitismus, S. 166.

[ 62 ] Im vorliegenden Band, S. XX.

[ 63 ] Ebd., S. XX.

[ 64 ] Jean Améry: Der neue Antisemitismus.

[ 65 ] Im vorliegenden Band, S. XX.

[ 66 ] Jean Améry: Der ehrbare Antisemitismus, S. 140.

[ 67 ] Im vorliegenden Band, S. XX.

[ 68 ] Jean Améry: Brief an Erich Fried, in: ders.: Werke. Bd. 7, S. 83. In diesem Brief an Fried greift Améry zugleich Landmanns Formel auf und bezeichnet die antizionistische Linke als “Pseudolinke”. Ebd., S. 81.

[ 69 ] Im vorliegenden Band, S. XX.

[ 70 ] Im vorliegenden Band, S. XX.

[ 71 ] Ebd., S. XX.

[ 72 ] Ebd., S. XX.

[ 73 ] Rolf Wiggershaus: Max Horkheimer zur Einführung, Hamburg 1998, S. 103.

[ 74 ] Im vorliegenden Band, S. XX.

[ 75 ] Jean Améry: Die Linke und der “Zionismus”, S. 150.

[ 76 ] Hans-Jürgen Krahl, der gern als kosmopolitisches Gegenbild zum Nationalrevolutionär Rudi Dutschke präsentiert wird, wurde im Sommer 1969 anläßlich eines SDS-Freundschaftsbesuchs in palästinensischen Ausbildungslagern in Jordanien und Syrien von Journalisten auf die Möglichkeit angesprochen, auch nach Israel zu reisen. Dort könne sich der SDS aus Gründen der Objektivität ein Bild von den Verhältnissen machen. Krahls Antwort, auf die auch Landmann in seiner “Antwort an Isaac Deutscher” verweist, lautete: “Was sollen wir in Israel? Dort gehen wir erst hin, wenn’s sozialistisch geworden ist!” (Siehe Wolfgang Kraushaar: Frankfurter Schule und Studentenbewegung. Bd. 1. Chronik, Hamburg 2003, S. 447.)

[ 77 ] Im vorliegenden Band, S. XX.

[ 78 ] Zum Antizionismus der Stadtguerilla vgl. Jan Gerber: “Schalom und Napalm”.

[ 79 ] Im vorliegenden Band, S. XX.

[ 80 ] Michael Landmann: Mein Judentum, S. 218.

[ 81 ] Michael Landmann: Ist Antizionismus Antisemitismus? Memorandum zuhanden der Anti-Defamation-League der Bnei Brith Loge, in: ders.: Jüdische Miniaturen. Zweiter Band, S. 64.

[ 82 ] Elazar Benyoetz: Ein Teppich, aus Namen geknüpft, zum Gedenken an Michael Landmann aufgerollt, in: Klaus-Jürgen Grundner u.a. (Hrsg.): Exzerpt und Prophetie, S. 35. Die Formel “verspäteter Aufklärer” ersetzt Landmann später durch die Aussage, daß er ein “geschichtsbezogener Spätromantiker” sei. Michael Landmann: Mein Judentum, in: ders.: Jüdische Miniaturen. Zweiter Band, S. 213.

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