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Einleitung

Stephan Grigat

Kapital und Staat bestehen fort, die Kritik an ihnen scheint hingegen zum Erliegen gekommen zu sein. Kritisiert wird heute sowohl in akademischen als auch in politischen Diskussionen in der Regel nicht die Vergesellschaftung über den Wert, sondern es werden nur mehr sogenannte ›Auswüchse‹ einer Gesellschaft kritisiert, die nach den Verwertungsimperativen des Kapitals und den Herrschaftsimperativen des Staates eingerichtet ist. Nach einem Jahrzehnt der weitgehenden Abwesenheit von kapitalismuskritischen Tönen in den von größeren Bevölkerungskreisen wahrgenommenen Debatten in Folge des Niedergangs des Realsozialismus, kam es Ende der 1990er Jahre zwar zu einer Renaissance kapitalismuskritischer Diskussionen und in Form der globalisierungskritischen Bewegung auch zu antikapitalistischen Protesten. Diese Renaissance ging aber erstens mit einer Wiederkehr von reformistischen Politikkonzepten einher, die den Staat gegen den Markt in Anschlag bringen, anstatt Kritik der politischen Ökonomie, also Kritik von Kapital und Staat zu betreiben. Zweitens war sie mit einer Begeisterung für einen politischen Aktivismus verbunden, bei der allein die Tatsache, daß Bewegung jenseits etablierter Parteien und Institutionen stattfindet, abgefeiert wird, anstatt die Problematik jedes spontanen Protestes und von jeglichem unreflektierten Bewußtsein zu problematisieren und zu versuchen, Kriterien für eine emanzipative Praxis vor dem Hintergrund der historischen Erfahrung der Shoah zu formulieren. Drittens war für diese Renaissance antikapitalistischer Artikulation eine Substituierung von Kritik durch Ressentiment charakteristisch, bei der die Kritik des Kapitalverhältnisses durch die Markierung einzelner Kapitalisten, die Kritik an staatlicher Herrschaft und globalen Abhängigkeiten durch die Fixierung auf die USA und die Kritik am Rassismus durch die Propaganda vom rassistischen Wesen des Zionismus ersetzt wird.

Eine Kritik, die Marx ernst nimmt und die Befreiung vom Staat statt durch den Staat, die Abschaffung von Arbeit, Geld und Kapital, von Warentausch und repressiver Gleichheit fordert, hat sowohl in Deutschland als auch in anderen Gesellschaften heute kaum eine Chance, breiter rezipiert zu werden. Eine Kritik, die sich mit Marx gegen jede ressentimentgeladene, sich stets, wie es in den Theorien über den Mehrwert heißt, nur gegen das Kapital in »seiner wunderlichsten und zugleich der populärsten Vorstellung nächsten Gestalt« (MEW 26.3, 458) wendende, in letzter Konsequenz antisemitische Nörgelei richtet, findet kaum Gehör. Ein Marxismus aber, der mit den Parolen »Die Arbeit hoch!«, »Geld gerecht verteilen!« und »Staat statt Markt!« hinreichend charakterisiert ist, verschafft Marx einen Platz unter »Deutschlands Besten« gleich neben Martin Luther und Konrad Adenauer. Während in großen Teilen der deutschen Bevölkerung solch ein sozialdemokratisch-christlicher Reformmarxismus samt seiner antisemitischen Implikationen [ 1 ] hoch im Kurs steht, setzt die antagonistische Linke zunehmend wieder auf dessen radikalisierte Variante: den Leninismus samt eines als konsequente ›Interessenpolitik‹ ausgegebenen Klassenkampfs. Die radikale, auf die inneren Bewegungsgesetze der Gesellschaft zielende Kritik von Marx gilt den meisten als überholt. Die wenigen, die an einer prinzipiellen Kritik festhalten wollen, verstehen die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie in der Regel nur als eine radikalere Variante der Ungleichheitskritik. Derartige am traditionellen Marxismus orientierte Richtungen rücken zwangsläufig Kategorien wie Klasse und Klassenkampf in das Zentrum ihrer theoretischen Überlegungen.

Dagegen soll in der vorliegenden Studie der Versuch unternommen werden, die in der Marxschen Kritik der politischen Ökonomie gründende Kritik des Fetischismus nicht nur als zentralen Bestandteil des Marxschen Werkes, sondern als unabdingbar für jegliche Bemühung um Freiheit darzustellen. Freiheit ist hier ex negativo bestimmt als Freiheit von Ausbeutung und Herrschaft, als Befreiung. Freiheit meint Emanzipation von der gesellschaftlich bedingten Heteronomie. Emanzipation wird dabei, in Anknüpfung an die Marxsche Unterscheidung in seiner Frühschrift Zur Judenfrage, stets als allgemeine Emanzipation, nicht als bloß politische verstanden. [ 2 ] Es wird davon ausgegangen, daß, wenn diese Emanzipation doch noch einmal Wirklichkeit werden soll, es nicht darum gehen kann, aus der Existenz von Staat und Kapital, von Herrschaft und Ausbeutung ein revolutionäres Bewußtsein zu folgern, sondern daß es darum gehen muß, sich zum einen über die Schwierigkeiten Rechenschaft abzulegen, die aus der von den Herrschaftsimperativen des Staates und den Verwertungsimperativen des Kapitals dominierten gesellschaftlichen Struktur resultieren, und zum anderen zu erklären, wie aus der Unzufriedenheit mit den gesellschaftlichen Verhältnissen und dem Willen zur Veränderung, wie aus der Sehnsucht nach dem ganz Anderen eine mal ressentimenthafte, mal regressive, mal mörderische Partizipation am gesellschaftlichen Unheil im Wege seiner scheinbaren Bekämpfung werden kann. Ersteres verweist auf die Kritik des Fetischismus, in der thematisiert wird, wie die wertverwertende Gesellschaft aus sich selbst heraus Verkehrungen und Mystifikationen produziert, denen die diese Gesellschaft konstituierenden Subjekte unabhängig von ihrer Klassenzugehörigkeit oder sonstiger soziologischer Zuschreibungen unterliegen. Zweiteres verweist im Anschluß an die Fetischkritik auf den Antisemitismus, der versucht wird als konformistische Revolte gegen das Kapital auf seiner eigenen Grundlage und als antiemanzipatorische Ideologie und Praxis schlechthin zu charakterisieren.

In der vorliegenden Studie wird untersucht, welche Rolle die Fetisch- und Fetischismuskritik im Gesamtwerk von Marx spielt, wie diese Kritik im Marxismus des 20. Jahrhundert rezipiert worden ist, welche für eine allgemeine Emanzipation relevanten Probleme in dieser Rezeption thematisiert worden sind, welche Bedeutung die Fetischkritik für eine kritische Theorie des Antisemitismus hat und was aus den Erkenntnissen, die aus einer Kritik des Fetischismus zu gewinnen sind, für eine Praxis, die sich Freiheit im Sinne der allgemeinen Emanzipation verpflichtet fühlt, resultiert.

Es geht nicht um die Beschreibung dessen, was Emanzipation konkret und im Einzelnen bedeuten würde. Materialistische Kritik im Sinne von Marx und der Kritischen Theorie fragt nicht in erster Linie, »Was soll sein?«, obwohl sie auch darauf eine Antwort zu geben hätte, wie sowohl im Abschnitt über das Marxsche Emanzipationsverständnis als auch in den abschließenden Bemerkungen zu Kommunismus und Emanzipation thematisiert werden wird. Materialistische Kritik fragt zu allererst »Was ist?«, »Was könnte auf Grund dessen sein?«, »Warum ist das Mögliche nicht wirklich?«, »Wie kann es dennoch wirklich werden?«

Die vorliegende Studie versucht, die Realität der bestehenden Gesellschaft als eine von Herrschaft und Ausbeutung geprägte, durch den Wert vermittelte zu beschreiben, die zugleich das Potential zur allgemeinen Emanzipation beinhaltet, den Schritt zur Freiheit aber zum einen durch die im Staat materialisierte Gewalt, zum anderen durch die fetischistische Struktur und das fetischistische Bewußtsein mit seinen wahnhaften Implikationen, wie sie exemplarisch im Antisemitismus zum Ausdruck kommen, nahezu verunmöglicht. Ob die Emanzipation dennoch Wirklichkeit werden kann, vermag die materialistische Kritik nicht zu sagen. Aber sie kann die Kritik des Fetischismus in einem umfassenden Sinne als nicht nur die Kritik der politischen Ökonomie, sondern auch die Kritik von Antisemitismus, Rassismus und Nationalismus als Basisideologien der wertverwertenden Gesellschaft einschließende Ideologiekritik in Abgrenzung zu einem auf Klassen, Klassenbewußtsein und Klassenkampf fixierten Traditionsmarxismus als notwendige Bedingung für eine Verwirklichung der Emanzipation ausweisen.

Die Analyse der Rezeption der Marxschen Fetischkritik ist sich dabei nicht Selbstzweck. Es geht darum, sich aus einem gegenwärtigen Interesse an Emanzipation vor dem Hintergrund der gesellschaftskritischen, sich an der Marxschen Fetischkritik orientierenden Diskussionen der letzten fünfzehn Jahre, abermals jenen Strömungen der Gesellschaftskritik zuzuwenden, die schon in ihrer Entstehungszeit über den sozialdemokratischen und bolschewistischen Traditionsmarxismus hinausgewiesen haben. Die Analyse dieser Rezeption ermöglicht die Diskussion jener Probleme, die sich für die Emanzipation stellen: die Möglichkeit von Erkenntnis in einer fetischistischen Gesellschaft, die Rolle des Staates, das Verhältnis von Theorie, Praxis und Kritik, die Frage nach dem revolutionären Subjekt, die Gefahren von regressiven Formen der Kritik und das historische Scheitern des Materialismus im Angesicht des Nationalsozialismus.

Die Beachtung, welche die Kritik der politischen Ökonomie und damit auch die Kritik des Fetischismus seit Erscheinen des Kapitals von Marx in der Linken gefunden hat, war sehr unterschiedlich. Die frühen werttheoretischen Debatten innerhalb der westeuropäischen Arbeiterbewegung und in der jungen Sowjetunion wurden durch Faschismus, Nationalsozialismus und Stalinismus gewaltsam beendet. [ 3 ] Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es erst wieder in Folge der Ereignisse um 1968 zu einer verstärkten Rezeption der Kritik der politischen Ökonomie, was unter anderem darin zum Ausdruck kommt, daß zahlreiche, auch heute noch maßgebliche Werke und Aufsätze zum Kapital aus den 1970er Jahren stammen. Mit dem Ende der aus der 68er-Bewegung hervorgegangenen Projekte verlor sich diese verstärkte Rezeption jedoch wieder. Die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie findet heute auch in links-akademischen Kreisen nicht mehr die Beachtung, die ihr im Gefolge der 68er zeitweise zuteil wurde. Dennoch findet seit Ende der 1980er Jahre im deutschsprachigen Raum in zwei unterschiedlichen, sich teilweise aber überschneidenden Bereichen erneut eine verstärkte Beschäftigung mit der Kritik der politischen Ökonomie statt. Zum einen entstand Anfang der 1990er Jahre in Frankfurt am Main unter anderem auf Initiative von Hans-Georg Backhaus, der schon in den 1970er Jahren die Beschäftigung mit der Marxschen Werttheorie entscheidend beeinflußt und vorangebracht hat, das ›Marx-Kolloquium‹, aus dem heraus 1994 die ›Marx-Gesellschaft e. V.‹ gegründet wurde. Aus diesem Zusammenhang und seinem Umfeld sind eine Reihe von Arbeiten entstanden oder neu aufgelegt worden, die sich mit Fachproblemen der Kritik der politischen Ökonomie auseinandersetzen, und auf die sich die Darstellungen vor allem im zweiten Kapitel der vorliegenden Studie stützen können. [ 4 ]

Zum anderen sind neben dieser stark philologisch ausgerichteten Marxrezeption seit Ende der 1980er Jahre im deutschsprachigen Raum eine Reihe neuer Zeitschriftenprojekte und Initiativen entstanden, in denen ebenfalls eine verstärkte Beschäftigung mit der Marxschen Kritik der politischen Ökonomie stattfindet, und in denen vor allem versucht wird, vor dem Hintergrund der Marxschen Fetischkritik aus der Kritik der politischen Ökonomie auch gesellschaftliche Phänomene, die von Marx nicht explizit behandelt wurden, zu analysieren.

Eine der wichtigsten Diskussionen die sich in diesem Zusammenhang entwickelt hat, war und ist jene über den Antisemitismus und im Anschluß daran über die Bedeutung des israelischen Staates für eine Kritik der politischen Ökonomie, welche den Nationalsozialismus in seiner Bedeutung für eine Kritik an Staat und Kapital ernst nimmt. Hier geht es jedoch nicht darum, die Entwicklung dieser Debatten historisch nachzuzeichnen, sondern um den Versuch, sie in ihrer theoretischen Bedeutung vor dem Hintergrund der Marxschen Fetischkritik zu diskutieren und ihre Relevanz für eine auf Emanzipation zielende Praxis darzustellen. Die Kenntnis des historischen Hintergrunds dieser theoretischen Ausführungen ist für ihre Kontextualisierung jedoch bedeutend.

Ende der 1980er Jahre kam es in Segmenten der radikalen Linken in der BRD zu Auseinandersetzungen über die antisemitischen Implikationen der damals in der Linken fast völlig unhinterfragten Palästina-Solidarität. Als Reaktion auf die deutsche Wiedervereinigung wurde aus dieser Diskussion über einen linken Antisemitismus, die durch die Debatten während des Golfkriegs 1991 nochmals verschärft wurde, eine Beschäftigung mit dem Antisemitismus in der deutschen Nachkriegsgesellschaft. Kleine politische Gruppen, die sich mal als ›antinational‹, mal als ›antideutsch‹ begriffen, und deren Theorieproduktion in der vorliegenden Studie unter dem Begriff einer Ideologiekritik in der Tradition der Kritischen Theorie behandelt wird, lehnten die Wiedervereinigung ab. [ 5 ] Während die meisten traditionsmarxistischen Gruppierungen der Abwicklung des ostdeutschen Staates aus Sympathie für die poststalinistische DDR skeptisch bis ablehnend gegenüber standen, wendeten sich die ›antinationalen‹ und ›antideutschen‹ Zirkel in erster Linie gegen die Abschaffung der letzten sichtbaren Konsequenzen aus der deutschen Schuld an Vernichtungskrieg und Shoah, die es Deutschland ermöglichen würde, einen neuen Anlauf in seinen Hegemonialbestrebungen zu wagen. Es wurde die Entstehung eines ›Vierten Reiches‹ befürchtet. Die damalige Rhetorik deutscher Politiker, die sofort nach der Wiedervereinigung einsetzenden rassistischen Pogrome, die unverblümte Relativierung der Naziverbrechen, die an NS-Traditionen anknüpfende Politik gegenüber Jugoslawien, die Bemühungen um einen Sitz im Weltsicherheitsrat, um militärische Aufrüstung und um die Legitimation von deutschen Auslandseinsätzen sowie die ökonomische Expansion nach Osten gab zu dieser Befürchtung Anlaß. Bald zeigte sich jedoch, daß mit dem Begriff vom ›Vierten Reich‹ die Erneuerung Deutschlands nicht hinreichend kritisiert werden konnte und es wurde versucht, sich stärker der Kritik der ›deutschen Ideologie‹ und dem ›deutschen Krisenlösungsmodell‹ zu widmen. [ 6 ]

Im Verlauf der 1990er Jahre entstanden mehrere Zeitschriftenprojekte, in denen einerseits versucht wurde, die marxistisch-leninistischen Imperialismus , Faschismus- und Kapitalismusvorstellungen vor dem Hintergrund einer Relektüre von Marx zu kritisieren. [ 7 ] Aus der Kritik am antisemitischen Antizionismus der Linken wurde in jenen Teilen der radikalen Linken, die sich in der Tradition der Kritischen Theorie von Adorno und Horkheimer sehen, im Laufe einer weiteren Beschäftigung mit dem Thema eine eindeutige Parteinahme für Israel als Schutzmacht für alle vom Antisemitismus Betroffenen.

Diese Entwicklungen stellen den geschichtlichen und politischen Hintergrund für den Versuch dar, nicht nur die Rezeption der Marxschen Fetischkritik im 20. Jahrhundert exemplarisch bis hin zu den Diskussionen im Anschluß an die deutsche Wiedervereinigung darzustellen, sondern auch einen Zusammenhang zwischen einer Kritik des Fetischismus im Sinne der Kritik der politischen Ökonomie und der Parteilichkeit für den Zionismus als Emanzipationsbewegung herzustellen, wobei gleichzeitig die Differenzen zwischen Zionismus und materialistischer Kritik herauszustellen sind.

Die Studie orientiert sich an der Hermeneutik im Sinne verstehender Textanalyse. Allerdings ergibt sich ein Problem, das zwar nicht aus der jeweiligen Argumentation in den Texten, aber aus den verhandelten Gegenständen resultiert: Auch eine verstehende Textanalyse muß sich über die Grenzen des Verstehens bewußt sein, wenn diese im Gegenstand selbst liegen. Zwar können die analysierten Texte verstanden werden, doch die Gegenstände der Kritik entziehen sich in gewisser Weise solch einem Verständnis. Insofern ist auf der Ebene der Theorie vorab das Scheitern vor dem Gegenstand einzugestehen. Eine lupenreine Theorie über Fetischismus und Befreiung ist schlechterdings nicht möglich. Es wird gehofft, in der Argumentation Stringenz und Nachvollziehbarkeit gewährleisten zu können. Die Frage aber, inwieweit die hier präsentierten Ausführungen Wahrheit beanspruchen können, ließe sich nur durch einen Akt radikaler Freiheit, durch die Verwirklichung der praktischen Emanzipation von Ausbeutung und Herrschaft, durch die endgültige Verunmöglichung des Antisemitismus als antiemanzipatorischer Ideologie und Praxis ›beweisen‹.

Insofern ist sich materialistische Kritik nicht nur der Unmöglichkeit von Objektivität bewußt, gegen die sie eine sich auf den Marxschen und Adornoschen, in Form von Theorie nicht begründbaren kategorischen Imperativ [ 8 ] beziehende offene Parteilichkeit setzt, sondern auch über das Problem, Kritik in der Form von Theorie formulieren zu müssen, sich gleichzeitig aber über die Unmöglichkeit ihres Daseins in der Form von Theorie im Klaren zu sein. Wie im achten Kapitel näher auszuführen ist, wäre die theoretische Wahrheit des »automatischen Subjekts«, [ 9 ] also des Kapitals, seine praktische Abschaffung. [ 10 ] Der Materialismus kann daher keine Theorie im herkömmlichen Sinne bieten, sondern nur Kritik. Durch die Reflexion über den Gegenstand seiner Kritik erkennt der Materialismus, daß er vor der Abschaffung des Kapitals »nicht zu beweisen (ist) und bloße Spekulation« bleibt. Nach dieser Abschaffung »ist er überflüssig.« [ 11 ]

Im Sinne der Kritischen Theorie geht die Darstellung davon aus, daß Gesellschaftstheorie nur als Gesellschaftskritik zu haben ist, daß die Darstellung gesellschaftlicher Kategorien und Ideologien, daß ihre begriffliche Rekonstruktion, worin die Hauptarbeit der vorliegenden Untersuchung bestehen wird, immer ihre Verurteilung impliziert. [ 12 ] In Abgrenzung zu einem traditionellen Theorieverständnis fühlt sich die vorliegende Studie dem Anspruch Kritischer Theorie verpflichtet, ein »einziges entfaltetes Existentialurteil zu sein«. [ 13 ]

Das Problem, eine formalisierte Methode auszuweisen wird deutlich, wenn man einen Blick auf die Methode aus der Marxschen Kritik der politischen Ökonomie wirft. Will man etwas über die Methode der Kritik der politischen Ökonomie sagen, kann es nicht um das Berufen auf ein formalisiertes wissenschaftliches Verfahren im Sinne eines positivistischen Wissenschaftsverständnisses gehen, sondern nur darum, die Marxsche »›Darstellungsweise‹ im Nachvollzug des Formierungsprozesses« [ 14 ] der Kritik der politischen Ökonomie zu begreifen. Methode und Inhalt der Marxschen Kritik sind nicht voneinander zu trennen. Insofern ist erstere nur in der Darstellung von letzterem auszuweisen.

Die beiden wesentlichen Elemente aus der Methode der Marxschen Kritik der politischen Ökonomie, die auch für die vorliegende Studie Bedeutung haben, sind die Entfaltung der Differenz von Wesen und Erscheinung, was als zentrales methodisches Element einer Kritik des Fetischismus bezeichnet werden kann, und die Bewegung vom Abstrakten zum Konkreten, die sich in der vorliegenden Untersuchung dergestalt wiederfindet, daß von der einfachen Wertform, wie sie im Kapital kritisiert wird, ausgegangen wird, und die Darstellung bei dem Wesen der israelischen Staatlichkeit und dem islamischen Antisemitismus endet. Zum Großteil verbleibt die Arbeit aber auf der Ebene der begrifflichen Abstraktion und setzt die Darstellung nicht fort bis zum konkreten Besonderen, in dem die abstrakte Allgemeinheit aufzuspüren wäre. Historische Ereignisse und Verweise auf empirische Studien werden vornehmlich zur Illustration der begrifflichen Ausführungen dienen. [ 15 ]

Im ersten Kapitel gilt es zu klären, auf welche Weise der Fetischbegriff Eingang in das Marxsche Denken und Werk gefunden hat. Dazu ist es notwendig zu fragen, wie der Fetisch- und Fetischismusbegriff vor Marx verwendet wurde. Es soll die Entstehung des Fetischbegriffs im Kolonialismus und in der Ethnologie skizziert und seine Verwendung in der europäischen Philosophie und Religionswissenschaft kursorisch dargestellt werden.

Davon ausgehend gilt es im zweiten Kapitel die Entwicklung und Veränderung der Verwendung des Fetischbegriffs im Marxschen Werk von den philosophie- und politikkritischen Frühschriften bis hin zur entfalteten Kritik der politischen Ökonomie zu untersuchen. Bezüglich letzterer ist zu fragen, welcher Stellenwert der Kritik des Waren , Geld- und Kapitalfetischs in der späten Theorie von Marx zukommt, in welchem Verhältnis die Begriffe Fetisch und Fetischismus zu verwandten Begriffen wie Entfremdung und Verdinglichung stehen, und wie bei Marx die Emanzipation vom Fetischismus und von der ihn konstituierenden und zugleich von ihm konstituierten Gesellschaft gedacht wird.

Bei der Darstellung der Marxschen Fetischkritik wird nicht der Anspruch erhoben, eine Neuinterpretation des Marxschen Werkes zu präsentieren. Es geht darum, ausgehend von den Marxschen Texten und der entsprechenden Literatur das den weiteren Ausführungen zugrunde liegende Verständnis der Kritik der politischen Ökonomie kenntlich zu machen und von jenen Interpretationen, die der Fetischkritik entweder keine Beachtung schenken oder sie für sekundär erklären, abzugrenzen. [ 16 ]

Wenn die Bedeutung der Fetischkritik bei Marx geklärt ist, kann ihre Rezeption im 20. Jahrhundert untersucht und in der Diskussion jener Theoretiker, die sich explizit auf diese Kritik bezogen haben, die Implikationen einer Kritik des Fetischismus für auf Emanzipation gerichtete Praxis thematisiert werden. Keineswegs geht es bei der Darstellung der Rezeption der Marxschen Fetischkritik im 20. Jahrhundert um Vollständigkeit, sondern um exemplarische Analysen, vor deren Hintergrund dann die aktuellen Ausprägungen einer Kritik des Fetischismus und die sich in und an ihr entzündenden politischen Debatten darstellen lassen. Die Auswahl der ausführlicher behandelten Autoren orientiert sich daran, wer in den aktuellen wert- und fetischkritischen Diskussionen eine zentrale Rolle spielt. Daraus erklärt sich, warum beispielsweise Adorno breiter Raum gewidmet wird, ein Autor wie Walter Benjamin hingegen nur am Rande Erwähnung findet. Ebenfalls resultiert daraus die weitgehende Beschränkung auf deutschsprachige Literatur.

Bei der Darstellung der Rezeption der Marxschen Fetischkritik soll folgenden Fragen nachgegangen werden: Was wird von der Marxschen Fetischkritik zur Kenntnis genommen? Wird nur die im ersten Band des Kapitals entwickelte Kritik des Fetischcharakters der Ware rezipiert oder auch die Kritik des Geld- und vor allem des Kapitalfetischs, wie sie im dritten Band des Kapitals und in den Theorien über den Mehrwert vorliegt? Wie wird in den jeweiligen Theorien die Möglichkeit der allgemeinen Emanzipation vor dem Hintergrund der Fetischkritik gedacht? Welche Rolle spielt das Proletariat? Inwiefern werden in der Rezeption der Marxschen Fetischkritik der Nationalsozialismus und die Vernichtung der europäischen Juden reflektiert? Inwiefern wird versucht, über die Marxsche Fetischkritik hinauszugehen und die Kategorien aus dieser Kritik auch bei der Analyse gesellschaftlicher Phänomene anzuwenden, die von Marx nicht explizit thematisiert wurden?

Die Geschichte der Rezeption der Marxschen Fetischkritik im Marxismus ist über weite Strecken eine Geschichte der Nicht-Rezeption. Es wäre leicht, zahllose Texte der Marxinterpretation aufzuzählen und ihre Argumentation darzustellen, in denen die Fetischkritik komplett ignoriert, oder aber als philosophisches Beiwerk zu den ökonomischen Ausführungen verniedlicht wird. Eine detaillierte Darstellung dieser Nicht-Rezeption wäre auf Grund ihres zwangsläufigen Wiederholungscharakters unergiebig. Daher beschränkt sich die vorliegende Arbeit sowohl bei den Klassikern wie Lenin als auch bei der späteren Textproduktion des Marxismus-Leninismus auf grundlegende Ausführungen und begnügt sich in der Folge mit vereinzelten Hinweisen, um sich auf jene Theoretiker konzentrieren zu können, für deren Arbeiten die Marxsche Fetischkritik zentral ist.

Ausgehend von der Hypothese, daß die in anderen Zusammenhängen bereits mehrfach konstatierte Trennung des Marxismus in eine westliche, kritische Theorietradition und einen legitimatorisch orientierten, im Staatssozialismus zum Dogma verfestigten Marxismus-Leninismus [ 17 ] auch in bezug auf die Fetischkritik aufgezeigt werden kann, werden im dritten und vierten Kapitel jene Theorien untersucht, in denen sich diese Trennung zu Beginn des 20. Jahrhunderts manifestiert hat. Im dritten Kapitel wird die Ausblendung der Marxschen Fetisch- und Formkritik bei Lenin, Trotzki und Stalin, bei Theoretikern der deutschen Sozialdemokratie und bei ihren Kritikern wie Pannekoek und Luxemburg untersucht. Im vierten Kapitel werden mit Lukács und Korsch jene zwei Theoretiker zum Gegenstand der Darstellung, die zum Beginn des 20. Jahrhunderts die Marxsche Fetischkritik wieder in Erinnerung gerufen und alle späteren, sich auf die Fetischkritik beziehenden Theoretiker nachdrücklich geprägt haben.

Im fünften Kapitel wird versucht, die Verwendung des Fetischbegriffs bei Adorno nachzuzeichnen. Es wird dabei der Bruch mit der Verdinglichungs- und Klassenbewußtseinstheorie von Lukács analysiert und die Differenz Adornos hinsichtlich der Rezeption der Fetischkritik zu anderen Vertretern der Kritischen Theorie wie Marcuse und zur unkritischen Theorie von Habermas herausgearbeitet. Bei der Auseinandersetzung mit Sohn-Rethel gilt es, den Begriff der Realabstraktion, die Rolle des Geldes im Prozeß der Mystifikation und die erkenntniskritischen Elemente in einer Kritik des Fetischismus zu explizieren.

Aus der französischen Theorietradition wird zum einen im sechsten Kapitel die Entwicklung der Spektakelkritik bei Guy Debord und der Situationistischen Internationale aus der Marxschen Fetischkritik untersucht. Zum anderen wird im siebenten Kapitel mit dem strukturalen Marxismus Louis Althussers jene Theorierichtung in die Untersuchung einbezogen, in der die Marxsche Fetischkritik zwar nicht wie im Leninismus ignoriert, aber verworfen und für die Emanzipation für obsolet erklärt wird.

Das achte Kapitel beschäftigt sich mit aktuellen Formen fetischkritischer Gesellschaftsanalysen. Ausgegangen wird von jener Ausprägung materialistischer Gesellschaftskritik, die ihrem Selbstverständnis nach, wie bei Robert Kurz und der ›Krisis‹-Gruppe, als fundamentale Wertkritik fungiert. In Kritik und Auseinandersetzung mit der fundamentalen Wertkritik wird jene Ausprägung von Gesellschaftskritik in die Darstellung mit einbezogen, die sich als Ideologiekritik in der Tradition der Kritischen Theorie versteht.

Im neunten Kapitel wird dargestellt, wie in poststrukturalistischen und postmodernen Theorieansätzen in Abgrenzung zur materialistischen Kritik sowohl der Fetischkritik als auch der Emanzipation eine Absage erteilt wird. Poststrukturalistische Theorieansätze beziehen sich stark auf die Freudsche Fetischismusanalyse und reflektieren oft nur beiläufig auf die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie. In der vorliegenden Arbeit wird auf eine systematische Einbeziehung der Freudschen Psychoanalyse im allgemeinen und der Freudschen Fetischismusanalyse im besonderen verzichtet. Die Darstellung des Verhältnisses von Marxscher Gesellschaftskritik und Freudscher Theorie würde eine eigene Untersuchung erfordern. [ 18 ] Das Freudsche Fetischismusverständnis wird nur soweit angerissen, wie es zur Klärung des in der vorliegenden Studie verwendeten Fetischbegriffs notwendig erscheint.

Nach der Darstellung der Rezeption der Marxschen Fetischkritik im 20. Jahrhundert gilt es die politikkritischen Implikationen einer Kritik des Fetischismus darzustellen. Sowohl aus dem theorieimmanenten Grund, daß der Staat nicht ohne die Nation zu denken ist, als auch, da die Diskussionen über Nation und Nationalismus innerhalb der oben erwähnten ›antinationalen‹ und ›antideutschen‹ Gruppierungen und in Auseinandersetzung mit traditionsmarxistischen Ansätzen seit Beginn der 1990er Jahre zentral waren, wird versucht, den Nationalismus als objektive Form des Wahns und notwendige Ideologie der fetischistischen Wertverwertung auszuweisen und das bürgerliche Subjekt als nicht nur staats- und wertfetischistisches, sondern ebenso nationalistisches und in seiner Konstitution zum Rassismus und Antisemitismus prädisponiertes zu bestimmen.

Im elften Kapitel wird mit der Globalisierung und der Kritik an ihr eines der zentralen Praxisfelder der Linken angesprochen. Anhand ausgewählter Literatur zum Verhältnis von Markt und Staat in der Globalisierung sollen die notwendige Unzulänglichkeit von staatsfixierter Praxis und wertfetischistischen Erklärungsansätzen vor dem Hintergrund einer in der Kritik der politischen Ökonomie gründenden Fetischkritik herausgearbeitet und idealistische Weltmarktvorstellungen kritisiert werden.

Nach der Darstellung jener Aspekte der Antisemitismustheorie der Kritischen Theorie, in denen auf die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie und die in ihr entfaltete Fetischkritik rekurriert wird, sollen im zwölften Kapitel die Auseinandersetzungen über die Antisemitismusthesen von Moishe Postone nachvollzogen werden. In Diskussion von Postones Versuch, den Antisemitismus als wahnhafte Konkretisierung des real Abstrakten in der wertverwertenden Gesellschaft zu dechiffrieren, in der Abgrenzung des Antisemitismus vom Rassismus und in der Kritik am spezifisch linken Antisemitismus, dessen Gründe in der Ignoranz gegenüber der Marxschen Kritik ausgemacht werden, soll die Bedeutung der Marxschen Fetischkritik für eine kritische Theorie des Antisemitismus herausgearbeitet werden.

Es wird der Frage nachgegangen, inwiefern es möglich ist, eine Verbindung zwischen einer Kritik des Fetischismus und der Kritik an jenen antiisraelischen Ressentiments und jener antiisraelischen Praxis herzustellen, die als geopolitische Reproduktion des Antisemitismus versucht werden wird zu fassen. Es soll der Versuch unternommen werden, die Kritik des Fetischismus zum Wesen der israelischen Staatlichkeit als Schutzmacht für die vom Antisemitismus Bedrohten in Beziehung zu setzen, und so die Parteilichkeit für diesen Staat als Resultat einer in der Kritik der politischen Ökonomie gründenden Kritik des Fetischismus auszuweisen. Davon ausgehend stellt sich die Frage, welche Gemeinsamkeiten und Differenzen zwischen materialistischer Kritik und Zionismus existieren. Vor diesem Hintergrund werden, ausgehend von neuesten Auseinandersetzungen über das Verhältnis von Aufklärung und ihrer Negation, von Emanzipation und Barbarei und über den islamischen Antisemitismus, Unterschiede in den aktuellen Ausprägungen der Fetischkritik herausgearbeitet.

Im dreizehnten Kapitel wird abschließend die Subversion als emanzipative Praxis der Kritik in nicht-revolutionärer Zeit bestimmt, und in einer Kritik am Utopiebegriff werden einige Kriterien kommunistischer Emanzipation formuliert.

Anmerkungen

1 Ein aktuelles Beispiel für diese war die vom SPD-Vorsitzenden Müntefering ausgelöste und von der IG-Metall begierig aufgegriffene “Heuschrecken”-Debatte, in der von der Scheidung in raffendes und schaffendes Kapital, Ressentiments gegen fremdländische Eindringlinge, biologistischen Metaphern und der Personalisierung sozialer Verhältnisse zentrale Elemente der antisemitischen Ideologie gegenwärtig waren.

2 vgl. Marx, Karl: Zur Judenfrage. in: MEW 1, Berlin 1988 (1844), S. 347 ff.

3 vgl. zu Entwicklung und Stand der Diskussionen über die Kritik der politischen Ökonomie Heinrich, Michael: Die Wissenschaft vom Wert. Die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie zwischen wissenschaftlicher Revolution und klassischer Tradition. Hamburg 1991, S. 9 ff.; Heinrich, Michael: Abstrakte Arbeit. in: Haug, Wolfgang Fritz (Hg.): Historisch-kritisches Wörterbuch des Marxismus. Berlin – Hamburg 1994, S. 56 ff.; Heinrich, Michael: Kommentierte Literaturliste zur Kritik der politischen Ökonomie. in: Altvater, Elmar u. a.: Kapital.doc. Das Kapital (Bd. I) von Marx in Schaubildern mit Kommentaren. Münster 1999

4 vgl. Heinrich: Die Wissenschaft vom Wert, a. a. O.; Backhaus, Hans-Georg: Dialektik der Wertform. Untersuchungen zur Marxschen Ökonomiekritik. Freiburg 1997; Backhaus, Hans-Georg: Die Irrtümer der nationalökonomischen Marx-Kritik als Grundmängel der nationalökonomischen Theoriebildung. in: Brentel, Helmut (Hg.): Gegensätze. Elemente kritischer Theorie. Frankfurt/M. 1996; Backhaus, Hans-Georg/Reichelt, Helmut: Wie ist der Wertbegriff in der Ökonomie zu konzipieren? Zu Michael Heinrichs: “Die Wissenschaft vom Wert”. in: Beiträge zur Marx-Engels-Forschung. Neue Folge 1995; Backhaus, Hans-Georg: Über den Begriff der Kritik im Marxschen “Kapital” und in der Kritischen Theorie. in: Bruhn, Joachim/Dahlmann, Manfred/Nachtmann, Clemens (Hg.): Kritik der Politik. Johannes Agnoli zum 75. Geburtstag. Freiburg 2000; Heinrich, Michael: Kritik der politischen Ökonomie. Eine Einführung. Stuttgart 2004

5 Einige Aspekte dieser Entwicklung sind beschrieben in Steffen, Michael: Geschichten vom Trüffelschwein. Politik und Organisation des Kommunistischen Bundes 1971 bis 1991. Berlin – Hamburg ­– Göttingen 2002, S. 380 ff.

6 vgl. Nachtmann, Clemens: Krisenbewältigung ohne Ende. Über die negative Aufhebung des Kapitals. in: Grigat, Stephan (Hg.): Transformation des Postnazismus. Der deutsch-österreichische Weg zum demokratischen Faschismus. Freiburg 2003; Scheit, Gerhard: Die Meister der Krise. Über den Zusammenhang von Vernichtung und Volkswohlstand. Freiburg 2001

7 Hinsichtlich der unter dem Oberbegriff einer fundamentalen Wertkritik behandelten Theorieproduktion sind hier die Zeitschriften “Krisis”, “Exit” und “Streifzüge” zu nennen. Bezüglich einer Ideologiekritik in der Tradition der Kritischen Theorie, die von den ›antinationalen‹ und ›antideutschen‹ Zirkeln ausging, sind vorrangig die “Bahamas” und die eingestellte “Kritik und Krise” zu erwähnen.

8 vgl. Marx, Karl: Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung. in: MEW 1, Berlin 1988 (1844), S. 385; Adorno, Theodor W.: Negative Dialektik. in: GS 6, Frankfurt/M. 1997 (1966), S. 358

9 vgl. zum Begriff bei Marx Kuhne, Frank: “Automatisches Subjekt” und lebendige Subjekte. Zur Begründung der Kritik der heteronomen Bestimmtheit der Gesellschaft bei Marx. in: Beiträge zur Marx-Engels-Forschung. Neue Folge, 1996, S. 134 ff.

10 Initiative Sozialistisches Forum: Der Theoretiker ist der Wert. Eine ideologiekritische Skizze der Wert- und Krisentheorie der Krisis-Gruppe. Freiburg 2000, S. 38 f.

11 ebd., S. 111

12 vgl. Weyand, Jan: Adornos Kritische Theorie des Subjekts. Lüneburg 2001, S. 10

13 Horkheimer, Max: Traditionelle und kritische Theorie. in: Horkheimer, Max: Gesammelte Schriften (GS), Bd. 4, Frankfurt/M. 1987 ff. (1937), S. 201

14 Kade, Gerhard: Politische Ökonomie – heute. in: TUB, Zeitschrift der Technischen Universität Berlin, Nr. 6, 1970, S. 557 f. Zu den Ausführungen von Marx zur Methode der politischen Ökonomie und deren Kritik vgl. Marx, Karl: Einleitung zu den “Grundrissen der Kritik der politischen Ökonomie”. in: MEW 42, Berlin 1983 (1857), S. 34 ff.

15 Die vorliegende Untersuchung kann über weite Strecken nur einen Überblick bieten. Es bleibt die Hoffnung, Impulse für weitere Detailstudien geben zu können. Sowohl eine eingehende Analyse der neuen Marx-Rezeption im Gefolge der 68er-Bewegung steht noch aus als auch Untersuchungen zur Geschichte und Theoriegeschichte der erwähnten, sich im Kontext der deutschen Wiedervereinigung formierenden Strömungen in der radikalen Linken. Auch bleiben Aspekte wie das Wertabspaltungstheorem und die Patriarchatskritik in der fundamentalen Wertkritik oder die Kritik bestimmter feministischer Ansätze in der Ideologiekritik in der Tradition der Kritischen Theorie ausgespart. Eine Auseinandersetzung mit den in jüngster Zeit von Falko Schmieder formulierten, sehr bedenkenswerten Einwänden gegen die heutige Verwendung des Marxschen Fetischbegriffs bleibt einer zukünftigen Arbeit vorbehalten. vgl. Schmieder, Falko: Ludwig Feuerbach und der Eingang der klassischen Fotografie. Zum Verhältnis von anthropologischem und Historischem Materialisms. Berlin – Wien 2004, S. 287 ff., 427 ff.; Schmieder, Falko: Zur Kritik der Rezeption des Marxschen Fetischbegriffs. in: Internationale Marx-Engels-Stiftung (Hg.): Marx-Engels-Jahrbuch 2005. Berlin 2006, S. 106 ff.

16 Neben den erwähnten Arbeiten von Backhaus, Reichelt und Heinrich kann sich hierbei insbesondere auf die Arbeiten von Marxhausen gestützt werden. vgl. Marxhausen, Thomas: Zum Zusammenhang von Fetischismus, Entfremdung und Ideologie bei Marx. in: Deutsche Zeitschrift für Philosophie, Nr. 12, 1987; Marxhausen, Thomas: Die Entwicklung des Begriffs “Fetischismus” bei Marx. in: Arbeitsblätter zur Marx-Engels-Forschung, Nr. 22, 1988; Marxhausen, Thomas: Die Theorie des Fetischismus im dritten Band des “Kapitals”. in: Beiträge zur Marx-Engels-Forschung 25, 1988

17 vgl. Behrens, Diethard: Eine kommunistische Linke jenseits des Leninismus? in: Pannekoek, Anton u. a.: Marxistischer Antileninismus. Freiburg 1991, S. 8 ff.

18 vgl. dazu Goux, Jean-Joseph: Freud, Marx. Ökonomie und Symbolik. Frankfurt/M. – Berlin – Wien 1975; vgl. auch Marquardsen, Klaus: Fetische als Negation der Wirklichkeit. Prolegomena zu einer Theorie des Fetischismus. Frankfurt/M. 1984, der seine Arbeit als “Weiterentwicklung von Goux‘s Ansatz” (ebd., S. 1) begreift. Vor dem Hintergrund einer in der Tradition der Kritischen Theorie stehenden Ideologiekritik vgl. demnächst Krug, Uli: Der Wert und das Es. Über Marxismus und Psychoanalyse in Zeiten sexueller Konterrevolution. Erscheint 2007

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